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Wie reagiert der Aktienmarkt auf Zinserhöhungen der Fed?

Achtmal im Jahr hält die Welt den Atem an und wartet auf die Kundgebungen des Offenmarkt-Gremiums der Fed (Federal Open Market Committee/ FOMC). Die auf Behavioral Finance spezialisierte Investment-Boutique Seasonax ist Spezialist für Saisonalitäten und hat die Aktienmarktreaktionen untersucht.

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Tea Muratovic, Mitgründerin und Geschäftsführende Partnerin von Seasonax
© Seasonax

Die Fed hat ein zweifaches Mandat: Beschäftigung zu maximieren und Preisstabilität zu gewährleisten. Sie tut dies, indem sie das Ziel für den wichtigsten Zinssatz festlegt, der die gesamte US-Wirtschaft einschließlich des US-Aktienmarktes beeinflusst: die Federal Funds Rate (der Zinssatz, zu dem sich Banken über Nacht gegenseitig Geld leihen). Dieser Zinssatz ist eng mit der Inflation verknüpft. In letzter Zeit haben zahllose Inflationsschlagzeilen unsere Aufmerksamkeit beansprucht.

Aber wie funktioniert Inflation eigentlich?
Einfach gesagt: Wenn die Zinsen niedrig gehalten werden, erscheint die Kreditaufnahme für Haushalte und Unternehmen attraktiver, was zusätzliches Wachstum stimuliert. Die Verbraucher werden mehr ausgeben und die Unternehmen werden in der Lage sein, ihren Betrieb und Expansionen zu finanzieren. In der Folge verbessern sich ihre Zukunftsaussichten
und ihre Aktien werden attraktiver. Die leichtere Verfügbarkeit von Krediten führt zu mehr  Käufen/Ausgaben, allerdings mit Verzögerung auch zu einem Anstieg der Inflation. Das wiederum gibt Anlass für Zinserhöhungen, was zur Umkehr des oben beschriebenen Prozesses führt.

Reaktion des Aktienmarktes auf Zinserhöhungen
Zuletzt wurde die Fed Funds Rate am 20. Dezember 2018 erhöht. Damals sah die Welt noch anders aus, das BIP-Wachstum lag bei 2,07 Prozent, die Arbeitslosenquote betrug 4,7 Prozent, die Inflation lag bei 2,05 Prozent und die Federal Funds Rate wurde bei 2,5 Prozent gehalten. Die Fed gab ihr berühmtes Versprechen keine Schritte bezüglich weiterer Zinserhöhungen zu setzen. Und sie hat es bis heute gehalten!

Am 15. März 2020 wurde die Federal Funds Rate auf eine Zielspanne von 0 bis 0,25 Prozent  gesenkt und seither auf diesem Niveau gehalten. Während der Pandemie schienen Zinssenkungen eine sinnvolle Maßnahme zu sein, aber was wird geschehen, wenn sich die
Weltwirtschaft wieder vollständig öffnet und die Inflationsängste weiter anhalten? Durch einen Blick auf die vergangene Performance des S&P 500 Index kann man eine Reihe von Schlussfolgerungen ziehen und sic auf die Zukunft vorbereiten.

Der folgende Chart zeigt die durchschnittliche Performance des S&P 500 Index in den 62 Handelstagen vor und nach Zinserhöhungen der Fed. Der Chart wurde über die vergangenen 30 Jahre kalkuliert, in denen 40 Zinserhöhungen beschlossen wurden. Die horizontale
Skala zeigt die Anzahl der Tage vor und nach der Ankündigung einer Zinserhöhung durch die Fed, die vertikale Skala die durchschnittliche Bewegung des Index in Prozentpunkten. Die
vertikale orangefarbene Linie markiert den Tag der Zinserhöhung.

40 Zinsevents in 30 Jahren: Wie der US-Aktienmarkt vorher und nachher darauf reagiert
Auf dem saisonalen Chart kann man klar erkennen, dass im S&P500 Index unmittelbar nach der Ankündigung einer Zinserhöhung ein Abwärtstrend beginnt. Allerdings beginnen die Kurse nicht lange nach der Zinserhöhung auch wieder zu steigen. Um genau zu sein, beginnt der Index bereits 18 Tage nach der Zinserhöhung positive Erträge zu generieren - in genau 77,5 Prozent der vergangenen 40 Ereignisse im Beobachtungszeitraum. Statistisch betrachtet verzeichnet der S&P 500 Index zwischen dem 18. und dem 61. Tag nach einer Zinserhöhung einen starken durchschnittlichen Ertrag von 2,51 Prozent.

Quelle: Seasonax

Ertrag des S&P 500 Index Musters für jedes Jahr seit 1994
Dargestellt sind all jene Jahre. in denen eine Zinserhöhung durchgeführt wurde.

Quelle: Seasonax

Fast Forward
Die annualisierte US-Inflationsrate hat sich im Mai 2021 auf fünf Prozent beschleunigt. Dies ist der höchste Wert seit August 2008. Laut Trading Economics wurden die größten Preissteigerungen bei Benzin (56,2 Prozent), Gebrauchtwagen und Lastwagen (29,7 Prozent),
Gasversorgung (13,5 Prozent), Transportdienstleistungen (11,2 Prozent), Bekleidung (5,6 Prozent) und Lebensmitteln (2,2 Prozent) verzeichnet.

Wie die US-Notenbank in Zukunft mit steigenden Preisen und der Inflation umgehen wird, bleibt vorerst noch eine offene Frage. Eines ist jedoch sicher: der Markt wird auf jeden Fall reagieren.

Achtung
"Zu beachten ist, dass Saisonalität gemessen ab 1994 - wie obendargestellt - sich auf eine desinflationäre Ära bezieht, das heißt, die Inflation befand sich in diesem Zeitraum in einem
übergeordneten langfristigen Abwärtstrend. Solange dies der Fall ist, bleiben Statistiken, die (indirekt) Bezug auf die Inflation in dieser Zeit nehmen, gültig", sagt Tea Muratovic,  Mitgründerin und Geschäftsführende Partnerin von Seasonax. Sollte der langfristige Inflationstrend jedoch nach oben drehen, wie es in den 60er und 70er Jahren geschehen
ist, könnte sich das durchaus ändern, so Muratovic weiter. Die Erfahrung zeig unter anderem, dass die Bewertung von Aktien in diesem Fall stark abnehmen werde (die KGVs von Aktien würden einbrechen).

Mustererkennung allerorts
Abgesehen von Ereignissen wie der Fed Sitzung zeigt die Analyse der Saisonalität, dass es zahllose wiederkehrende Muster in allen möglichen unterschiedlichen Märkten gibt. Von Aktien über Indizes, Rohstoffe, Währungen und sogar Anleihen - jeder Markt hat etwas zu bieten.

Um das Auffinden solcher Handelschancen noch leichter zu machen, hat Seasonax den Seasonality Screener eingeführt. Dieses Tool ist ein Analyse-Instrument zur Identifizierung
von Handelschancen mit überdurchschnittlichem Gewinnpotential auf der Basis vorhersehbarer saisonaler Muster, die sich in fast jedem Kalenderjahr wiederholen. (kb)

 

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