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Werden Min-Bots zur Gefahr für den Euro?

Italiens Regierung prüft derzeit die Ausgabe von Mini-BOTs als Parallelwährung zum Euro. Solange das Land in der EU und der Währungsunion bleibt, ist nicht zu befürchten, dass Mini-BOTs zur Gefahr für den Euro werden, sagt Dr. Martin Hüfner, Chefökonom der Münchner Investment-Boutique Assenagon.

Martin Hüfner, Chefvolkswirt von Assenagon
"Für die Kapitalmärkte und die Europäische Union sind Mini-Bots ein Ärgernis, denn sie erhöhen die Kursrisiken bei italienischen Anleihen", sagt Chefvolkswirt Dr. Martin Hüfner.
© Assenagon

Das Greshamsche Gesetz besagt, dass im Geschäftsverkehr schlechtes Geld gutes Geld verdrängt. Die Begründung dafür ist einfach. Eine Doppelwährung beispielsweise mit Gold- und Silbermünzen, wie es sie in jener Zeit gab, funktionierte nur, solange der Metallwert der beiden Münzen gleich war. Wenn der Silber­preis zum Beispiel sank, das Umtauschverhältnis zwischen Gold- und Silbermünzen jedoch gleichblieb, entstand ein Ungleichgewicht. Dann versuchten die Händler nur noch die – billigeren – Silbermünzen zu verwenden, weil sie damit günstiger kaufen konnten. Die – teureren – Goldmünzen wurden verdrängt. Sie wurden gehortet. Die Kaufleute hoff­ten, dass der offizielle Wechselkurs zwischen Silber- und Goldmünzen den Materialpreisen irgendwann angepasst würde und die Besitzer von Goldmünzen dann einen Auf­wer­tungsgewinn einstreichen könnten.

So etwas gab es nicht nur im Mittelalter
"Es ist gerade jetzt in Italien wieder aktuell geworden", sagt Hüfner. "Dort geht es zwar nicht um Gold- und Silbermünzen. Das römische Abgeordneten­haus hat der Regierung aber einen Auftrag gegeben, der auf eine Parallelwährung hinauslaufen könnte. Das Finanz­ministerium soll nämlich die Ausgabe neuer Schatzanwei­sungen prüfen. Sie sollen Mini-BOTs heißen – Mini, weil sie wie normales Geld mit einer Stückelung von bis zu 500 Euroversehen werden sollen; BOTs, weil sie dem Wesen nach Staatsschulden sind: Buoni Ordinari del Tesoro."

Mini-BOTs werden wohl vom Markt akzeptiert werden
 Ziel ist es, dass der Staat mit den Mini-BOTs seine ausste­henden Schulden gegenüber Lieferanten begleicht. Damit bringt er Geld unter die Leute und die Wirtschaft wird ange­kurbelt. Umgekehrt können die Empfänger mit den Mini-BOTs ihre Steuern zahlen. Es ist zu vermuten, dass die Mini-BOTs von den Unternehmen gerne genommen wer­den. In Italien ist die Zahlungsmoral des Staates bekanntlich nicht sehr hoch. Ehe die Unternehmen, vielfach kleine und mitt­lere Firmen, gar nichts bekommen oder noch ein oder zwei Jahre auf ihr Geld warten müssen, werden sie die Mini-BOTs akzeptieren. Damit können sie wenigstens ihre Steuern zahlen. Scherzbolde haben bereits Scheine mit dem Konterfei eines populären Fußballers für Mini-BOTs entworfen.

Ersetzen Mini-BOTs bald den Euro?
Viele fürchten nun, dass das neue – schlechtere – Geld ganz im Sinne des Greshamschen Gesetzes den Euro – als gutes Geld – verdrängen und im Falle eines Falles am Ende sogar ersetzen könnte.Hüfner dazu: " Aus der Luft gegriffen sind solche Ängste nicht. Man sollte sie nicht gleich vom Tisch wischen. Bloomberg sprach kürzlich vom "Monster unter dem Bett von Investoren". Insofern war die etwas kaltschnäuzige Be­merkung von EZB-Präsident Draghi nicht sehr überzeu­gend: "Mini-BOTs sind entweder Geld, dann sind sie verbo­ten, oder sie sind Staatsschulden" – dann sind sie eben kein Geld. Das ist mir zu juristisch argumentiert", sagt Hüfner.

Ängste sind weit übertrieben
Mini-BOTs werden den Euro nicht verdrängen, glaubt Hüfner. Sie verschlechtern aber das Kapitalmarktumfeld. Der Ökonom nennt ein paar Gründe. Zunächst ist das Volumen der Mini-BOTs relativ klein. Ge­dacht ist an rund 50 Millairden Euro oder drei Prozent des BIP. Das ist ein Bruchteil des Bargeld­umlaufes und macht Mini-BOTs zum Leichtgewicht. Damit könne man den Euro nicht aushebeln, sit Hüfner überzeugt: "Natürlich kann man das Volumen aufstocken, dann steigen aber auch die Schulden."

Abschlag zum Euro wahrscheinlich
Mini-BOTs haben bei der Ausgabe vermutlich den gleichen Preis wie Euros. Am Markt würden sie aber sicher nicht in dieser Höhe gehandelt, es gäbe vielmehr einen Abschlag zum Euro:  Denn Mini-BOTs kann man nur begrenzt verwen­den, nämlich nur in Italien und nur zum Steuerzahlen. Die BOTs würden den Euro also nicht verdrängen. Eher ge­schehe das Gegenteil, vermutet Hüfner: " Der Euro verdrängt die BOTs. Wer Euros bekommen kann, wird dafür gerne BOTs hergeben. Das ist in der Wissenschaft als das sogenannte Anti-Greshamsche Gesetz bekannt."

Annahmepflicht für BOTs löst Reaktionen aus
Verhindern könnte die italienische Regierung das nur, wenn sie eine Annahmepflicht für BOTs zum Wechselkurs von 1:1 dekretiert. Damit würde sie den BOTs den Status einer Währung verleihen. Das sieht einfach aus, aber - so Hüfner - würde jedoch auf erbitterten Widerstand der EZB stoßen: "Im Euroraum – wie in jedem anderen Währungsraum auch – gibt es nur eine Währung. Das ist der Euro. Wer daneben eine Parallel­wäh­rung schaffen will, verstößt gegen die Verträge. Das kann letztlich nur zum Austritt Italiens führen, den aber auch das italienische Volk nicht will."

Anerkennung als Staatsschulden hilft auch nicht weiter
Wenn Italien BOTs als neue Staatsanleihen begibt, stellt sich die Frage, warum diese nicht in die Staatsschuld ein­gerechnet werden. Bisher werden nur 10 Milliarden Euro der ge­samten Lieferantenschulden als Staatsschulden gezählt. Wenn man diese Grenze aufhebt und alle Mini-BOTs als Staatsschulden anerkennt, würden die ohnehin schon sehr hohen Verbindlichkeiten des Landes noch weiter steigen. Das würde sich das Standing Italiens auf den Kapitalmärk­ten erneut verschlechtern. Es könnte bei den Rating-Agen­turen schlecht ankommen und am Ende zu noch höheren Zinsen für die Staatsanleihen führen. Derzeit zahlt Rom schon mehr als 2,5 Prozentpunkte mehr für seine Anleihen als etwa Deutschland, wie doe folgende Grafik illustriert.

Zins-Spread geht hoch
Rendite 10-jährige Staatsanleihen von Italien und Deutschland im Vergleich

Quelle: EZB

Was bedeutet das für den Investor?
Hüfner: "In einem Nullzinsumfeld sind italienische Staatsanleihen mit einer Rendite von derzeit 2,3 Prozent für zehnjährige Laufzeiten keine schlechte Alternative. Mini-BOTs ändern daran nichts, sie werden den Euro nicht verdrängen, erhöhen jedoch die Kursrisiken. Vergessen Sie nicht, dass die italienischen Zinsen noch vor einem halben Jahr bei 3,5 Prozent lagen!" (kb)

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