Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:

Haben Sie jemals ein Einhorn gesehen?

Ad

Mutige Positionen in heute richtungsweisenden Technologieunternehmen sowie fünf Jahrzehnte Immobilieninvestments zeugen von unserer umfassenden Erfahrung im Bereich Private Assets. Wir kennen uns in Bereichen aus, die vielen nicht vertraut sind. Sprechen Sie uns an.

Anzeige
| Märkte
twitterlinkedInXING

Wer hat Angst vorm Brexit?

Salome Preiswerk, Gründerin und CEO des Robo-Advisors Whitebox Services GmbH mit Sitz in Feiburg im Breisgau, jedefalls nicht. Als Value-Investoren interessieren sie und ihre Kollegen sich nicht für Katastrophenängste und Weltuntergangsfantasien.

preiswerk_salome_portrait_klein_quer.jpg
Salome Preiswerk hat als typische Value-Investorin eine völlig rationale, emotionslose Sicht auf den Brexit und britische Aktien: "Statt auf den Lärm aus der Politik hören wir auf die Stimme der Vernunft. Was bedeutet das? Dass wir bei unseren Anlageentscheidungen stets und ausschließlich auf Daten und Fakten achten. Und die sehen für britische Unternehmen vergleichsweise gut aus." 
© Whitebox

Die Angst vor einem chaotischen Brexit verunsichert viele. Als Folge davon sind britische Aktien derzeit unbeliebt und relativ preiswert, obwohl die fundamentalen Rahmenbedingungen vor allem für global ausgerichtete Gesellschaften nach wie vor gut sind. Auf ihrem gegenwärtigen Kursniveau hält Whitebox britische Standardwerte daher für attraktiv.

Die Aufregung um den Brexit nimmt wieder einmal zu
Am 15. Januar stimmt das britische Parlament über das Brexit-Abkommen ab, am 29. März soll der Austritt der Briten aus der EU vollzogen werden. Es bleibt also noch genügend Zeit für wilde Spekulationen und neue Schreckensszenarien. Viele Investoren zeigen sich verunsichert, manche meiden britische Aktien wie der Teufel das Weihwasser. Salome Preiswerk wird konkret: "Bei uns ist es umgekehrt: Je unbeliebter britische Aktien werden, desto besser gefallen sie uns. Ja, wir haben eine positive Sicht auf den britischen Aktienmarkt. Viele werden sich jetzt fragen, wie um Himmels Willen gerade mit dem Brexit vor der Tür jemand britische Aktien gut finden kann. Ganz einfach: Alle Zutaten für die gesteigerte Beachtung durch einen Value-Investor sind gegeben: Britische Aktien sind ungeliebt, vergleichsweise günstig und fundamental robust. Sie sind zudem eine rare Gelegenheit in der aktuellen Zeit mit vielen nach wie vor überteuerten Anlageoptionen."

Drei Faktoren, von denen relevante Aktien-Verlustrisiken abhängen
Dazugehört das Bewertungsniveau der Aktien beziehungsweise der Einstiegspreis, zu dem diese erworben wurden, dann die fundamentalen Rahmenbedingungen und schließlich die  Verschuldung der Unternehmen.

Britische Aktien sind relativ niedrig bewertet
Britische Aktien sind derzeit vergleichsweise preiswert. Eine Kombination verschiedener fundamentaler Bewertungsmaßstäbe ergibt ein eindeutiges Bild: Der britische Aktienmarkt ist zwischen 30 und 45 Prozent günstiger als der US-Markt bewertet. Das ginge ja noch. Doch auch Aktien aus China, der Schweiz, Portugal, Irland oder Mexiko sind momentan im Durchschnitt teurer als britische Dividendenpapiere.

Diese relativ niedrige Bewertung ist nach Ansicht von Whitebox insbesondere im Fall britischer Standardwerte nicht gerechtfertigt und zeigt, wie viel Angst und Abneigung in den aktuellen Preisen steckt. Denn dieser Tage wird schnell vergessen, dass die britische Wirtschaft nicht mit britischen Aktien gleichzusetzen ist. Die im FTSE 100 enthaltenen größten britischen Aktiengesellschaften erwirtschaften 70 Prozent ihrer Umsätze außerhalb Großbritanniens. Es handelt sich also meist um multinationale Konzerne, deren Erfolge kaum von der Entwicklung der britischen Binnenwirtschaft abhängen. Außerdem profitieren viele dieser Unternehmen von der Abwertung des britischen Pfundes gegenüber den Währungen wichtiger Handelspartner. So notiert der Euro gegenüber dem britischen Pfund heute etwa zehn Prozent höher als am Tag des Brexit-Referendums. Importe britischer Güter sind aus Perspektive der Euro-Länder also entsprechend günstiger und damit attraktiver.

Fundamentaldaten sind gut
Die Umsätze und die Gewinne britischer Aktiengesellschaften haben sich in den vergangenen 25 Jahren robust entwickelt und es gibt derzeit keinerlei Anzeichen dafür, dass sich das in näherer Zukunft ändern wird. Dass das durchschnittliche Umsatz- und Gewinnwachstum in der jüngeren Vergangenheit etwas schlechter ausgefallen ist als in anderen wichtigen Aktienmärkten liegt vor allem an dem recht hohen Anteil, den große Energie- und Bergbauunternehmen an britischen Aktienindizes haben. Die sinkenden Rohstoffpreise haben britische Marktbarometer damit stärker belastet als die Indizes der meisten anderen Industrieländer. Das Brexit-Referendum hatte dagegen bislang nur einen sehr geringen Einfluss auf die fundamentale Entwicklung britischer Aktiengesellschaften.

Britische Unternehmen sind nicht überschuldet
Auch die Verschuldung britischer Unternehmen bereitet derzeit keine Sorgen. Ein klares Warnsignal für eine zu hohe Verschuldung liegt dann vor, wenn die Eigenkapitalrenditen im Verhältnis zu den erzielten Gewinnmargen ungewöhnlich hoch ausfallen. Preiswerk dazu: "Bei britischen Aktiengesellschaften ist der Unterschied zwischen Gewinnmargen und Eigenkapitalrenditen derzeit deutlich geringer als in den 1990er und 2000er Jahren. Wir sehen daher keine Anzeichen für eine akute Überschuldung britischer Unternehmen."

Mehr Chancen als Risiken
Sicher, der Brexit kann auch negative realwirtschaftliche Auswirkungen haben. Beispielsweise könnten sich die inländischen Gewinnmargen aufgrund stagnierender Verkäufe und höherer Importkosten verringern, wovon in erster Linie Gesellschaften betroffen wären, die einen Großteil ihrer Umsätze in Großbritannien erwirtschaften. Angesichts der momentan hohen Ausschüttungsquoten könnten zudem die Dividendenrenditen tendenziell zurückgehen. Außerdem könnten Investoren von britischen Unternehmen in dem neuen politischen Umfeld grundsätzlich höhere Risikoprämien verlangen. Solche fundamentalen Unsicherheiten sollten sachlich gegen die Chancen abgewogen werden, die britische Aktien langfristig bieten. Nach Meinung von Whitebox werden die realwirtschaftlichen Risiken angesichts der Unsicherheiten über die Umsetzung und die Folgen des Brexit derzeit stark überbewertet. Zwar könnte es kurzfristig durchaus zu weiteren Kursverlusten kommen, aber ein Großteil dieser Unsicherheiten sollte sich in den aktuellen Aktienkursen bereits widerspiegeln. 

„Aktien kaufen, wenn die Kanonen donnern“
Eine alte Börsenweisheit besagt, man soll „Aktien kaufen, wenn die Kanonen donnern“. Als langfristig orientierten Value-Investoren reicht Whitebox Kanonendonner als Grundlage für Anlageentscheidungen alleine nicht aus. Er hält den Robo-Advisor aber auch nicht von Investitionen ab, wenn er so viele furchtsame, ungeduldige Invetsoren aus einem Aktienmarkt getrieben hat, dass dessen Bewertung günstig erscheint. Preiswerk; "Wir halten es dann mit Warren Buffett, der einmal gesagt hat: „Die Börse ist eine Einrichtung für die Übertragung von Geld von den Ungeduldigen zu den Geduldigen.“ Und für genau diese geduldigen Investoren könnten sich jetzt Chancen für einen günstigen Einstieg in britische Standardwerte ergeben." (kb)

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen