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Währungsmärkte im Bann der Corona-Krise

Der Devisenmarkt gerät in Folge der Corona-Pandemie in Bewegung. Währungen, die als "sichere Häfen" gelten, sind gefragt. Alle anderen haben zum Teil massive Kursverluste verzeichnet. Einige Investoren wittern Chancen, müssen aber genau hinschauen, meint Dr. Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank.

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© Fotolia

Die Corona-Krise hat die Devisenmärkte durcheinandergewirbelt. Bei einigen Währungen stehen hohe Kursverluste zu Buche. Innerhalb der G10-Währungen hat es die Norwegische Krone mit einem Minus von 14 Prozent schwer erwischt (siehe Grafik). Unter den Schwellenländer-Währungen sticht der brasilianische Real mit einem Rückgang seit Jahresbeginn von mehr als 30 Prozent heraus. Dagegen hat sich beim weltweit wichtigsten Währungspaar Euro/US-Dollar verhältnismäßig wenig getan. Ist es nun an der Zeit, bei der einen oder anderen Währung einzusteigen? Die Experten der VP Bank zeigen, dass derzeit nicht nur Bewertungsargumente eine Rolle spielen.

Kursentwicklung der bedeutendsten Währungen

Quelle: VP Bank

Sichere Häfen (USD, EUR, JPY, CHF)
In Krisen ist der US-Dollar Gewinner. Dies ist seinem Status als Weltreservewährung Nummer eins geschuldet. Dabei stehen nicht nur volkswirtschaftliche Faktoren im Vordergrund. Was zählt, ist die Verfügbarkeit des Dollars.

"Die Größe des Währungsraumes spielt eine entscheidende Rolle, genauso wie die weltweite Akzeptanz als Tauschmittel. Ob nun die US-Wirtschaft unter dem Corona-Virus ächzt oder die US-Verschuldung stark ansteigt, ist also in akuten Gefahrenlagen nicht von Bedeutung. Was zählt, ist alleine die Funktion als allgemein anerkanntes Zahlungsmittel. Es muss dementsprechend nicht weiter verwundern, dass die Nachfrage nach dem US-Dollar stark steigt, sobald es an den Finanzmärkten zu großen Verlusten kommt", analysiert Chefökonom Dr. Thomas Gitzel (Bild links).

Euro relativ stark
Allen Unkenrufen zum Trotz konnte auch der Euro gegenüber den meisten Währungen seit Jahresbeginn zulegen. Damit ist auch die europäische Gemeinschaftswährung als sicherer Hafen einzuordnen. Es gelten dabei ähnliche Argumente wie beim US-Dollar. Allerdings dürfte noch ein weiterer Aspekt hinzugekommen sein. Dr.Gitzel: "Als Niedrigzinswährung lud der Euro zu sogenannten Carry-Trades ein. Dabei werden Kredite in Euro aufgenommen und in höherverzinslichen Devisen angelegt. Da gerade diejenigen Zentralbanken, die noch Spielraum hatten, die Zinsen senkten, wurden diese Carry-Trades rückabgewickelt – weil kaum noch ein Zinsvorteil besteht. Damit floss Kapital in den Euro-Raum zurück. Gleiche Effekte treffen auch auf den Japanischen Yen zu, der unter den G10-Währungen als einzige Währung seit Jahresbeginn gegenüber dem USD aufwerten konnte. Während beim US-Dollar und Euro die Grösse des Währungsraumes eine wichtige Rolle spielt, ist der Schweizer Franken ein «sicherer Hafen» in Reinform. Die Schweiz gilt als Hort der Solidität. Nicht ohne Grund spricht man auch von der «Alpenfestung». Für viele Anleger bleibt die Schweiz deshalb in Krisenzeiten ein Zufluchtsort."

Risiken für die Weltwirtschaft verharren auf hohem Niveau
Damit dürften sichere Häfen vorerst gefragt bleiben. US-Dollar, Euro, Schweizer Franken und Yen werden auf Sicht der kommenden Wochen tendenziell Stärke gegenüber den übrigen Währungen zeigen. Untereinander werden sie sich weitgehend seitwärts bewegen. Dem Franken trauen die Exoetren der VP Bank hingegen aufgrund seiner hohen Solidität gegenüber dem Euro relative Stärke zu. Mittel- bis langfristig rechnen sie mit einer tendenziellen US-Dollar-Schwäche. Der Greenback sei unter fundamentalen Gesichtspunkten überbewertet. Für einen Abbau der Überbewertung bedürfe es aber zunächst der Überwindung der Corona-Krise mit all ihren Begleiterscheinungen.

Schwellenländer - die Angst vor dem Zahlungsausfall (BRL, ZAR, TRY)
Der Blick auf den Kursverlauf so mancher Schwellenländerwährung könnte einen Kaufreflex auslösen. Egal ob nun Brasilianischer Real (BRL), Südafrikanischer Rand (ZAR) oder Türkische Lira (TRY), nie zuvor handelten sie gegenüber dem US-Dollar und Euro auf so schwachen Niveaus. Dabei liesse sich die Liste noch verlängern, viele Emerging Markets-Währungen verbuchten im Zuge der Corona-Pandemie Rekordtiefstände. Wer aber bei Schwellenländerwährungen argumentiert, tiefer könne es kaum gehen, wird regelmäßig eines Besseren belehrt. Beispiel Real: 2015 sah die brasilianische Währung nach einer vierjährigen Talfahrt mit Kursverlusten von mehr als 60 Prozent gegenüber dem US-Dollar wie eine einmalige Kaufgelegenheit aus. Mittlerweile wurde aus der vierjährigen Talfahrt eine neunjährige mit Einbußen von knapp 75 Prozent gegenüber dem Greenback. Engagements in Schwellenländerwährungen bedürfen also einer gewissen Demut, wie Dr. Gitzel es nennt.

Schwächer und schwächer: der Brasilainische Real im jahrelangen Sinkflug

Quelle: VP Bank, Datastream Refinitiv

Massive Abwertungen schaffen neue Fakten
Viele Schwellenländer kämpfen mit einer hohen Fremdwährungsverschuldung, vor allem in US-Dollar oder auch Euro. Diese Verbindlichkeiten werden umgerechnet in die jeweilige Landeswährung aufgrund der Kursverluste größer. Obendrein sind die Deviseneinnahmen gesunken wegen niedriger Rohstoffpreise und einer aufgrund der schwachen weltwirtschaftlichen Lage gleichzeitig auch tieferen Rohstoffnachfrage. Werden aber keine Dollars mehr in die Kasse gespült, können die Verbindlichkeiten nicht mehr bedient werden. Im schlimmsten Falle droht ein Zahlungsausfall. In diesem Teufelskreis sind Südafrika und Brasilien bereits gefangen. Die Türkei ist zwar kein nennenswerter Rohstoffexporteur, doch die Problematik ist ähnlich. Das Land leidet unter der Verschuldung in Fremdwährungen und einer hierzu geringen Devisenausstattung. Mit dem infolge des Corona-Virus eingebrochenen Tourismus versiegt eine wichtige Hartwährungs-Einnahmequelle. Die Gefahr eines Zahlungsausfalls besteht deshalb auch hier.

Falsche Sippenhaft
Da Emerging Markets-Währungen von Anlegern gerne in Sippenhaft genommen werden, färben Krisen auf solide Länder und deren Währungen ab. Mexiko etwa glänzte in den vergangenen Jahren mit einer verhältnismäßig soliden makroökonomischen Entwicklung. Doch auch der Peso büsste seit dem Jahr 2011 um mehr als 50 Prozent gegenüber dem US-Dollar ein, der Abwärtssog des Real riss den Peso gewissermaßen mit.

Résumé
"Gerade aufgrund des latenten Risikos von Zahlungsausfällen bleiben wir bei Emerging Markets-Währungen vorsichtig und raten vor überstürzten Käufen ab", sagt Dr. Gitzel. Dazu mahne auch der Gleichlauf von politischen Unsicherheiten mit dem breiten Emerging-Markets-Währungsindex. (kb) 

 

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