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Vorsicht vor der Benchmark bei Emerging Markets Aktien!

Prashant Khemka, Manager des GS Growth & Emerging Markets Broad Equity Portfolios und CIO für Emerging Market Aktien bei Goldman Sachs Asset Management (GSAM), weist auf Klumpenrisiken und andere Schwachstellen bei klassichen Emerging Markets Indizes hin.

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GSAM-Mann Prashant Khemka

Die Aktienmärkte der Emerging Markets (EM) haben sich in den letzten sechs Jahren um insgesamt 70 Prozent schlechter entwickelt als ihre Pendants in den Industrieländern. Daher sind Schwellenländeraktien mittlerweile bei den meisten Investoren untergewichtet. Doch gerade in den letzten Wochen nach dem Brexit-Referendum richten viele wieder den Blick auf diese Anlageklasse. "Die Rekordzahl der derzeitigen Investorenanfragen bei GSAM erweckt den Eindruck, dass große Vermögensinhaber auf der ganzen Welt diese Positionen gerade wieder aufzubauen versuchen. Eine strategische Allokation zugunsten dieser Anlageklasse ist unabdingbar", findet Prashant Khemka. 

Die Chancen auf Outperformance stehen nicht schlecht

Immerhin seien die Wachstumsmöglichkeiten besser und die Bewertungen weniger anspruchsvoll. Zudem böten die Emerging Markets von allen Aktienmärkten die meisten Alpha-Gelegenheiten – oder anders ausgedrückt: das größte Potenzial zur Generierung von Überrenditen, ist sich Khemka sicher: "Und gerade in einer renditearmen Welt ist Alpha überaus wichtig. Das führt zu unserer überzeugungsstärksten Einschätzung hinsichtlich Anlagen in EM-Aktien: Man soll die Benchmark meiden und lieber aktiv investieren." 

Benchmark-Schwächen: State Owned Enterprises - SOE mit 28 Prozent Gewicht

Wie alle nach Marktkapitalisierung gewichteten Benchmarks hat der Emerging Markets Index das Manko, in die Vergangenheit gerichtet zu sein. Die Gewinner von gestern sind übergewichtet, die größten Anlagechancen der Zukunft dagegen eher unterrepräsentiert. Khemka geht ins Detail: "Doch der EM-Index hat auch seine ganz eigenen Schwächen. Es fängt damit an, dass Unternehmen im Staatsbesitz (kurz SOE) einen Anteil von 28 Prozent an der MSCI EM Benchmark einnehmen. In China, dem größten Land im Index, entfallen rund zwei Drittel des Exposures auf solche SOE. Diese Betriebe fungieren faktisch als verlängerter Arm des Staates und dienen häufig eher Regierungs- oder öffentlichen Interessen als denen von Minderheitsaktionären. Diese falsche Interessenausrichtung kann gute Corporate Governance untergraben und so zu massiven Kapitalfehlallokationen sowie einer schwachen Ertragskraft führen. Kein Wunder also, dass SOE unseren Analysen zufolge in den letzten fünf Jahren gegenüber den Aktien privatwirtschaftlicher Unternehmen eine kumulierte Underperformance von 40 Prozent verzeichnet haben."

Hohe Gewichtung von Energie- und Rohstoffunternehmen: 15 Prozent

Diese stellen fast 15 Prozent des Index. Die meisten befinden sich im Staatsbesitz oder stehen unter staatlichem Einfluss. "Wenn die Rohstoffpreise steigen, werden höhere Umsätze von diesen Unternehmen traditionell in Bereiche geleitet, die dem Staat, aber nicht unbedingt den Aktionärserträgen förderlich sind", weiß Khemka zu berichten. Investoren könnten daher die Rohstoffpreise noch so gut vorhersagen, es nutze ihnen nichts, da der Zusammenhang zwischen Preisen und Aktionärserträgen einfach nicht bestehe. GSAM investiert derzeit weniger als 2 Prozent des Portfolios in Rohstoff- und Energietitel.

Schwellenländer-Banken machen 17 Prozent des Index aus 

Diese Branche ist durch Staatsbesitz oder politische Einmischung ähnlich stark belastet. In ganz Asien ist die Mehrheit der börsennotierten Geldinstitute staatlich geführt, in China sind es praktisch alle. Seit Jahren leiten chinesische Banken Kredite in strategisch wichtige Branchen, um entsprechend ihrer Zielvorgabe die wirtschaftliche Stabilität – und nicht die Rentabilität – zu fördern. Khemka: "Aber eben jene Banken könnten jetzt die Wachstumsverlangsamung in China und das Risiko dieser ganzen Kreditschöpfung am stärksten zu spüren bekommen. Die Schwierigkeit für kapitalisierungsgewichtete passive Strategien besteht darin, dass chinesische Institute fast 5 Prozent und damit eine größere Indexkomponente des MSCI EM repräsentieren als ganz Russland oder Mexiko." 

Staatliche Einflussnahme ist nicht das einzige Problem

Der Telekommunikationssektor, der sieben Prozent in dem kapitalisierungsgewichteten Index ausmacht, ist voll von Unternehmen der Privatwirtschaft. Sie sind jedoch einem scharfen Verdrängungswettbewerb ausgesetzt, verfügen nur über begrenzte Preismacht und schaffen es einfach nicht, mehr als die Kapitalkosten zu verdienen. "Wir tun uns entsprechend schwer, in diesem Sektor Anlagegelegenheiten zu finden", lautet das Resumé von Khemka. 

Börsen, E-Commerce und Konsum sind attraktive Kapitalanlagen

Als aktive Fondsmanager ziehen die GSAM-Experten ein investierbares EM-Aktienuniversum von ungefähr 6.000 Unternehmen in Betracht, verglichen mit rund 800 Unternehmen in der MSCI EM Benchmark. Eine Ausweitung des Schwellenmarktuniversums bietet eine deutlich größere Flexibilität bei der Titelselektion: Unattraktive Unternehmen, die den Index dominieren, können gemieden und stattdessen solche mit einem höheren Renditepotenzial ausgewählt werden. Unser Portfolio ist zur Hälfte in Emerging Markets Unternehmen investiert, die nicht im Standardindex enthalten sind.

Besser Börsen-Aktien als Bank-Aktien

Im Finanzsektor sehen Khemka und siene Kollegen bei GSAM Wertpapierbörsen als deutlich attraktivere Alternative zu staatlichen Banken, da sie nur einem begrenzten Wettbewerb ausgesetzt sind. Ferner zeichnen sie sich durch einen geringen Kapitalbedarf und starke Cashflows aus. "Wir sind mit unserem Portfolio zu mehr als 10 Prozent in Aktien von Börsen auf der ganzen Welt investiert – von Hongkong über Südafrika bis Mexiko. Für die Anleger in kapitalisierungsgewichteten ETFs repräsentieren Börsen weniger als 0,4 Prozent der EM-Benchmark", gibt der GSAm-CIO zu bedenken. 

Mobile Datennutzung als Turbo

Die Ausbreitung der mobilen Datennutzung in den Schwellenländern halten wir für ein weiteres interessantes Thema, allerdings nicht in Bezug auf den Telekomsektor. Die Datennutzung könnte in den nächsten fünf Jahren um das Zehnfache zulegen, wobei es bessere Möglichkeiten gibt, um in dieses explosive Wachstum zu investieren: über Unternehmen mit erfolgreichen E-Commerce- und Online-Plattformen oder entsprechenden logistischen Aktivitäten. Sie profitieren von der rasant zunehmenden Smartphone-Penetration, unterliegen aber nicht demselben Wettbewerbsdruck wie die den Index dominierenden Telekombetreiber. 

Konsumtitel sind reizvoll

"Vom E-Commerce einmal abgesehen erachten wir die Verbraucherbranchen generell als die attraktivste Gelegenheit, die die Schwellenländer zu bieten haben. Immerhin dürften in den nächsten zehn Jahren rund 1,5 Milliarden Menschen den Sprung aus der Armut in die Mittelschicht schaffen. Der private Konsum wird dabei in allen Bereichen kräftig steigen, angefangen bei solch banalen Dingen wie Gebäck bis hin zu Waschmaschinen und Medikamenten", ist Khemka überzeugt. 

Aktives Investieren als Schlüssel zum Erfolg 

Wie das Telekommunikationsbeispiel zeige, sei Wachstum allein sicher nicht ausreichend, um gute Anlagerenditen zu erzielen. Man könne jedoch zahlreiche Unternehmen finden, die an diesem starken Wachstum teilhaben und sich obendrein noch durch nachhaltig hohe Kapitalrenditen sowie eine solide Unternehmensführung auszeichnen – ganz zu schweigen von dem erheblichen Abschlag, mit dem sie zum Substanzwert gehandelt werden. So habe man bei GSAM auch im Vergleich zur Benchmark-Gewichtung 50 Prozent mehr Kapital in verbraucherorientierte Titel investiert. 

Strategische Quote ist ein Must

Die aufstrebenden Volkswirtschaften sind jung und dynamisch - und sie wachsen. Khemka und sein Team sind daher überzeugt, dass alle Anleger hier eine strategische Allokation unterhalten sollten. Jenen, die ein entsprechendes Engagement anstrebten, würden die Experten von GSAM jedoch zur Vorsicht vor der Benchmark raten. Aktien der Schwellenländer seien eben gerade keine Anlageklasse für passives Investieren. (kb)

 

 

 

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