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Verarbeitende Gewerbe im Zentrum des Handelsstreits: Warum nur, warum?

Wer erinnert sich noch an die späten 90er Jahre? Auf dem Höhepunkt des Hype um die New Economy, wurde das verarbeitende Gewerbe als "Old Economy" verspottet. Das Festhalten an der Industrie schien angesichts der Konkurrenz durch Billiglohnländer aussichtslos.

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© vegefox.com / stock.adobe.com

Zehn Jahre später, nach der Finanzkrise, begannen viele Länder wieder, ihre Bemühungen um die Reindustrialisierung zu verstärken. Heute, im aktuellen Handelsstreit, liegt der Schwerpunkt auf Industriegütern. Koreanische Geschirrspüler, kanadischer Stahl und chinesische Solarmodule gehörten zu den ersten Produkten, die mit Strafzöllen belegt wurden. In den kommenden Monaten könnten deutsche Autos zu den nächsten Zielen Trumps gehören.

Wie wichtig ist die Fertigung heute?
Dieser Frage gingen die Experten der DWS nach. Der untenstehende Chart enthält dazu einige aufschlussreiche Antworten. Es zeigt sich, dass der Anteil der Produktionstätigkeit am gesamten Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Land zu Land sehr unterschiedlich ist. Sollte sich der globale Handelskonflikt verschärfen, hätten Länder mit einem höheren Industrieanteil natürlich mehr zu verlieren. Daher ist China sehr verwundbar, und das gilt auch für Deutschland. Die deutsche Abhängigkeit hat in den letzten Jahren sogar - entgegen dem globalen Trend - zugenommen.

Was ist los mit dem Verarbeitenden Gewerbe?
Anteil der Wertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes am BIP in Prozent 

Quelle: Weltbank, DWS; Stand vom 15. Mai 2019

Was steckt hinter dem Trend des sinkenden Industrie-Anteils am BIP? 
Und was erklärt die erneute Besessenheit vieler Handelskrieger mit dem Verarbeitenden Gewerbe? Die beiden Fragen sind recht eng miteinander verbunden, meinen die DWS-Experten. Etwa zwei Jahrhunderte Wirtschaftsgeschichte legen nahe, dass die Industrie vor allem ein Opfer des eigenen Erfolgs geworden ist. Produktivitätssteigerung ist tendenziell einfacher zu realisieren, wenn es darum geht, Dinge zu erzeugen, als persönliche Dienstleistungen anzubieten. Mit der Zeit schrumpft daher der Anteil der Arbeitsplätze und der Wertschöpfung in der Fertigung tendenziell.

Politische Brisanz
Die Fließbänder boten lange solide Arbeitsplätze und zahlten gute Löhne für Generationen von relativ gering qualifizierten Arbeitnehmern. Hinzu kommt, dass Waren tendenziell einfacher zu zählen und zu besteuern sind. So ist es vielleicht kein Wunder, dass die US-Regierung es für politisch vorteilhaft hält, ausländische Waren mit Zöllen zu belegen. Das Problem ist, dass auch anderswo viele politische Entscheidungsträger die Produktion innerhalb ihrer eigenen Grenzen wiederbeleben wollen. Leider ist es unwahrscheinlich, dass das für die Weltwirtschaft insgesamt gut funktionieren wird, sagen die DWS-Experten. (kb)

 

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