Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:

News Übersicht

| Märkte
twitterlinkedInXING

VanEck: Warum der Goldsektor vor einer Fusionswelle stehen könnte

Sobald sich die zahlreichen Unternehmen aus der Goldförderbranche zu mehr Zusammenschlüssen motivieren könnten, würde für deren Aktionäre echter Mehrwert generiert werden, meint Joe Foster, Portfolio Manager bei VanEck.

Joe Foster, Portfolio Manager bei VanEck
Joe Foster, VanEck
© Van Eck

Der stark fragmentierte Goldminensektor steht vor eine Fusionswelle. Diese wird zwar aus zeitlicher Sicht nicht sofort beginnen, wird aber mit jedem Quartal wahrscheinlicher. Laut Ansicht von Joe Foster, Portfolio Manager bei VanEck, würden die Goldbranche und ihre Aktionäre bei einer Konsolidierung beachtliche Gewinne erzielen. Foster begründet dies mit einem Blick auf andere Rohstoffsektoren:

Mehr Konzentration wäre sinnvoll
Schätzungen von Pollitt & Co. zufolge entfielen auf 25 Prozent der Unternehmen nur gerade 45 Prozent der gesamten Goldproduktion. Bei Eisenerz und Kupfer stammen dagegen 50 Prozent der globalen Produktion von vier bzw. zehn Unternehmen. Auch Fachpersonal scheint rar zu sein. Einer internen Studie von Resource Capital Fund zufolge lagen 107 Bergbauprojekte, die es von der Machbarkeitsstudie bis zum Bau schafften, um durchschnittlich 38 Prozent über dem Budget.

Das größte Synergie- und Wertschöpfungspotenzial bieten Fosters Ansicht nach die vielen Single-Asset-Unternehmen. Historisch gesehen waren diese Unternehmen Fusions- und/oder Übernahmekandidaten für größere Produzenten. Inzwischen schrecken Produzenten aber aus folgenden Gründen vor Fusionen und Übernahmen etwas zurück:

  • Die gesamten Risiken eines Zielunternehmens sind nur schwer abzuschätzen.
  • Viele große Unternehmen wollen nicht zum Kerngeschäft zählende Vermögenswerte verkaufen.
  • Transaktionen mit einer Prämie bringen Arbitrageure mit sich, die den Aktienkurs des Käufers erheblich drücken.
  • Am Ende bestehen die Aktienbücher größtenteils aus Arbitrageuren, was den Aktienmarkt monatelang durcheinanderbringt.
  • Bei den meisten Produzenten liegt der strategische Fokus nicht mehr auf Wachstum durch Übernahmen, sondern auf organischen Wachstumsmöglichkeiten.
  • Anleger stehen Fusionen und Übernahmen mittlerweile ablehnend gegenüber, weil Unternehmen in der Vergangenheit zu viel dafür bezahlt haben.

Ein effizienter Weg, um den verborgenen Wert von Unternehmen mit nur einer Liegenschaft freizusetzen, sei laut Foster die Fusion unter Gleichen. Die Schaffung größerer Unternehmen mit mehreren Liegenschaften hat unter anderem folgende Vorteile:

  • Mehr Fachpersonal, das im gesamten operativen Betrieb einsetzbar ist.
  • Geopolitische Risiken werden auf mehrere Länder verteilt.
  • Beschaffungsumfang, der bessere Preise für Material und Geräte ermöglicht.
  • Geringere Gemein- und Verwaltungskosten.
  • Der Zugang zu Kapital ist billiger.
  • Die Attraktivität für größere institutionelle Anleger wird gesteigert.
  • Mehr Wertschöpfungsmöglichkeiten.

Rechenbeispiel zeigt Gewinnpotential von Fusionen
Mit der Konsolidierung von Single-Asset-Unternehmen zu größeren Unternehmen mit mehreren Bergwerken lassen sich diese Vorteile unter Umständen nutzen, und aus der Bewertungsänderung resultiert ein großes Potenzial. Foster führt als Beispiel eine hypothetische Firma „Mergco” an, die aus der Fusion von drei Single-Asset-Unternehmen hervorginge: Detour Gold, Pretium Resources und Sabina Gold & Silver.

Ihren Unternehmenspräsentationen vom September 2019 zufolge produzieren Detour und Pretium in ihren beiden Bergwerken etwa 1,1 Millionen Unzen pro Jahr. Sabina hingegen hat ein startbereites Projekt, das über 200.000 Unzen pro Jahr produzieren könnte. Alles sind große Projekte in Kanada mit Bergwerken mit langer Lebensdauer. Mergco hätte eine Marktkapitalisierung von insgesamt 5,2 Milliarden US-Dollar und würde nach den Bewertungen von RBC Capital Markets zu einem gewichteten Durchschnittspreis/Nettoinventarwert (P/NAV) von 0,83X gehandelt.

Demgegenüber hat Kirkland Lake seinen Geschäftsberichten vom September 2019 zufolge ebenfalls eine Produktion von etwa einer Million Unzen, die hauptsächlich aus den sicheren Ländern Kanada und Australien stammen. Kirkland betreibt verschiedene Explorations- und Entwicklungsprojekte, die in Zukunft für Wachstum sorgen könnten. Seine Marktkapitalisierung liegt bei 9,4 Milliarden US-Dollar, und es wird zu einem P/NAV von 1,92X gehandelt.

„Wir behaupten, dass Mergco infolge guter Unternehmensführung und des Größenvorteils eine Bewertung erzielen könnte, die näher bei der Bewertung von Kirkland liegt. Bei einer Fusion unter Gleichen müsste der Aktienkurs von Mergco um 131 Prozent steigen, um die P/NAV-Bewertung von Kirkland zu erreichen“, erklärt Foster.

Auch wenn die Neubewertung nur halb so hoch ausfiele, wäre dies für die Aktionäre von Mergco immer noch eine erfreuliche Überraschung. Eine Fusion ohne Prämien reduziert zudem die Zahl der Arbitragepositionen, wodurch das Kurspotenzial der Aktie steigt.

Fusionen noch selten
Es gäbe weltweit viele Kombinationen von Single-Asset-Unternehmen, die Fosters Ansicht nach von einer solchen Konsolidierung profitieren würden. Warum aber ist es nicht zu solchen Kombinationen gekommen?

  • Die Unternehmensleitung hängt am alten M&A-Modell und hofft, das Unternehmen mit einer Prämie zu verkaufen.
  • Ein festgefahrenes Management, das seine Arbeitsplätze schützt.
  • Verwaltungsräte, die den Wert für die Aktionäre nicht maximieren wollen.

„Für Single-Asset-Goldunternehmen und ihre Aktionäre ist es unserer Ansicht nach an der Zeit, über Fusionen und Übernahmen (M&A) nachzudenken und neue Strategien zu entwickeln, um die mittleren und großen Unternehmen der Zukunft aufzubauen“, erklärt Foster abschließend. (aa)

 

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzerklärung zu. Mehr erfahren