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US-Treasuries: Auslandsbestände sacken im April ab – ein Warnsignal?

Auslandsgläubiger der USA reduzieren ihre Treasury-Bestände um fast 50 Miliarden US-Dollar. Die jüngsten Daten aus der TIC-(Treasury International Capital)-Datenbank zu Beständen an US-Staatstiteln in ausländischen Depots lassen aufhorchen, meint Elmar Völker.

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Elmar Völker, Senior Fixed Income Analyst der LBBW
© LBBW

Ausländische Anleger haben ihre Bestände demnach im April um rund 47 Milliarden US-Dollar verringert, was dem stärksten Rückgang seit Dezember 2017 entspricht. Zeigen sich hier etwa bereits die ersten Rückwirkungen der zunehmend konfrontativen internationalen Politik der USA, die ausländische Investoren verschreckt oder gar zu Vergeltungsmaßnahmen  in Form einer Abkehr von Dollar-Assets motiviert?

Vergeltungsmaßnahme der anderen?
"Es wäre unseres Erachtens verfrüht, eine derart weitreichende Schlussfolgerung
aus einem einzelnen Monatswert zu ziehen. Die Zeitreihe der TIC-Bestände ist sehr schwankungsanfällig, und das Ausmaß der Veränderung im April liegt noch im Rahmen des Üblichen: Allein in den letzten zwei Jahren wurde in vier Fällen ein noch stärkerer Rückgang verzeichnet", weiß Elmar Völker, Senior Fixed Income Analyst der LBBW, zu berichten.

Starker Rückgang bei Beständen Russlands fällt auf  
Beim Blick auf die Treasury-Bestände einzelner Staaten gibt es gleichwohl einige Auffälligkeiten: Die Bestände Russlands, die sich in den vergangenen drei Jahren
recht stabil knapp unter 100 Milliarden US-Dollar bewegt hatten, haben sich nun innerhalb eines Monats glatt halbiert. Als Vermutung steht hier eine radikale Diversifizierungsstrategie
seitens der russischen Regierung als Reaktion auf die verschärften US-Sanktionen gegen das
Land im Raum. ​Angesichts der bekannten Zuordnungsprobleme der TIC-Statistik steht diese Erklärung jedoch zunächst unter dem Vorbehalt einer (temporären) Verzerrung der Daten.

Off-Shore-Standorte ebenfalls mit deutlichem Minus - dank der US-Steuerreform
 Stark rückläufig waren im April überdies die kumulierten Treasury-Bestände einer Auswahl beliebter Off-Shore-Zentren für Wertpapierdepots, darunter Irland: Die Treasury-Bestände auf der Grünen Insel sanken im Monatsvergleich um 17 Milliarden US-Dollar, seit
Jahresbeginn sogar um 26 Milliarden US-Dollar. In diesem Fall erscheint ein Zusammenhang mit der Repatriierung von Auslandsanlagen durch US-Unternehmen im Zuge von Trumps Steuerreform durchaus plausibel. Ein beträchtlicher Teil der Bestandsverringerung in der TIC-Datenbank wäre mithin faktisch gar keine Abkehr ausländischer Anleger, so Elmar Völker weiter.

Strukturelle Verschiebung in der Gläubigerstruktur bisher ohne Marktverwerfungen
In der Summe lässt sich auf Basis der TIC- Bestandsdaten konstatieren, dass die Treasury-
Positionen ausländischer Anleger seit Jahresbeginn per Saldo in einen moderat sinkenden Trend übergegangen sind, nachdem diese im Vorjahr stark gestiegen waren. Da das ausstehende marktgängige Volumen an US-Staatstiteln angesichts der lockeren Fiskalpolitik der Trump-Regierung zugleich kräftig im Steigen begriffen ist, sank der Anteil der Ausländer an der US-Staatsverschuldung in der Folge zuletzt auf 41,5 Prozent und damit den niedrigsten Stand seit rund 15 Jahren (siehe Grafik).

Dieser rückläufige Trend beim ausländischen Anteil ist bereits seit Anfang 2015 mit kurzen Unterbrechungen intakt. Eine strukturelle Verschiebung in der US-Gläubigerstruktur liegt mithin nahe – ohne dass dies bisher jedoch zu sichtbaren und nachhaltigen Verwerfungen am weltweit bedeutendsten Staatsanleihemarkt geführt hätte. Eher im Gegenteil: die zunehmende
Verflachung der US-Dollar-Zinskurve belege eine anhaltend hohe Nachfrage nach langlaufenden Treasuries, so Völker. Und weiter: " Angesichts dieser Bestandsaufnahme wären wir auch zurückhaltend damit, den jüngsten Rückgang der ausländischen Treasury-Positionen als Warnsignal für einen bevorstehenden Ausverkauf zu werten."

Fazit: Keine Alarmstimmung, aber auch keine Entwarnung!
Gegen Alarmstimmung sprechen überdies die Daten zu den Netto-Käufen langlaufender Treasuries: Zwar sind für den Monat April bei den ausländischer Anlegern aus dem öffentlichen Sektor starke Netto-Verkäufe zu verzeichnen, welche mit der Entwicklung der Bestandsdaten
korrespondieren. Dem standen allerdings Netto-Käufe aus dem Privatsektor in fast gleicher Höhe gegenüber. Ein ähnliches Bild ergibt sich für die kumulierten Netto-Käufe seit Jahresbeginn: Eine moderate Netto-Verkaufsneigung im öffentlichen Sektor, die sich gegenüber ihrer Extrem-Ausprägung der Jahre 2015/16 erheblich abgemildert hat, wird durch Netto-Käufe auf der privaten Seite sogar leicht überkompensiert.

Kommt es am Ende gar zu einem Käuferstreik?
Eine Alarmstimmung zu verneinen, heißt indes laut LBBW Research nicht, Entwarnung zu geben. Völker abschließend: "Der hohe und tendenzielle weiter wachsende Finanzierungsbedarf des Zentralstaates halte den Treasurymarkt potentiell anfällig für einen möglichen Käuferstreik oder auch für eine mögliche politische „Geiselnahme“ im Zuge des eskalierenden Handelskonflikts mit dem wichtigsten Gläubiger China – wiewohl Chinas Regierung jegliche Spekulationen in diese Richtung bisher offiziell stets von sich gewiesen hat." (kb)
 

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