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Umfeld für Halbleiter- und Investitionsgüteraktien ist günstig wie nie

Seit mehr als 20 Jahren ist David Dudding Fondsmanager, und die Corona-Pandemie gehört sicher zu seinen prägendsten beruflichen Erlebnissen. Allerdings nicht, was die Auswirkungen auf die Aktienmärkte betrifft.

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David Dudding, Portfoliomanager des Threadneedle (Lux) Global Focus
 
© Columbia Threadneedle

Prägend war die Corona-Pandemie insoferne für David Dudding, Portfoliomanager des Threadneedle (Lux) Global Focus, nicht, als die Regierungen weltweit solche Mengen Geld im Kampf gegen die Pandemie und ihre Folgen bereitgestellt haben, dass die Börsen nur kurz auf Tauchstation gingen. Im Vergleich dazu zogen der Zusammenbruch des Neuen Marktes kurz nach der Jahrtausendwende und die Finanzkrise 2008 mit den anschließenden Diskussionen, ob Griechenland in der der Euro-Zone bleibt, tiefere und länger anhaltende Krisen nach sich.

Corona-Maßnahmen belasten künftiges Wachstum
Dudding: "Aus meiner Sicht haben die Regierungen richtig gehandelt. Aber natürlich gibt es eine Rechnung, die wir irgendwann bezahlen müssen. Denn wer sich verschuldet, bedient sich an künftigem Wachstum. Das macht es auf lange Sicht nicht unbedingt einfacher. Aktuell befinden wir uns in einem Umfeld starken zyklischen Wachstums, das mit höherer Inflation einhergeht. In einem solchen Umfeld entwickeln sich Value-Aktien, sprich günstig bewertete Titel, historisch betrachtet besonders gut. Denn für die betreffenden Unternehmen ist es dann einfacher zu wachsen. Dagegen profitieren Growth-Titel von strukturellem, langfristigem Wachstum. Das macht sie unabhängiger von der Konjunktur – so, wie wir es seit 2008 erlebt haben. Ich denke, dass ein großer Teil der Value-Rallye mittlerweile gelaufen ist. Gleichzeitig spricht einiges dafür, weiterhin auf strukturelles Wachstum zu setzen. Denn im Grunde hängt alles an den Inflationserwartungen. Diese nehmen aktuell und kurzfristig betrachtet zu. Aber was langfristig passiert, ist noch völlig offen. Es gibt nach wie vor starke desinflationäre Kräfte. Und wie gesagt: Wer sich verschuldet, bedient sich an künftigem Wachstum. Das spricht auch aus heutiger Sicht langfristig für Growth-Aktien."

Auto- und Ölaktien sind derzeit kein Thema
Insofern haben Dudding und Kollegen im Portfolio des Threadneedle (Lux) Global Focus seit Ende vergangenen Jahres keine größeren Änderungen vorgenommen, sondern allenfalls kleine Anpassungen. Dudding führt aus: "Wir haben in den vergangenen Monaten weder in Auto- noch in Öl-Aktien investiert, und auch bei Banken haben wir uns zurückgehalten. Denn wir kaufen niemals Titel, nur weil sie günstig sind. Stattdessen konzentrieren wir uns auf Unternehmen, die auf lange Sicht eine gute Mischung ergeben. Und auf hervorragende Geschäftsmodelle, die langfristig erfolgreich sind. Das geht nicht ohne Berücksichtigung von Umwelt- und sozialen Kriterien sowie Aspekten der Unternehmensführung."

Qualitätswachstum am Beispiel von L’Oréal
Ein gutes Beispiel dafür ist der Kosmetikkonzern L’Oréal, der seit quasi 100 Jahren in Duddings Schema des Qualitätswachstums passt: "Das Unternehmen ist die weltweite Nummer Eins im Beauty-Segment und gewinnt stetig neue Marktanteile. Viele Geschäftsbereiche sind relativ unabhängig von der Konjunktur. Bei der Digitalisierung schreitet der Konzern flott voran. Und er nimmt das Thema Nachhaltigkeit ernst, etwa in Bezug auf Verpackungen. Daher gefällt L’Oréal uns bereits seit vielen Jahren."

Außerdem hält man schon lange Aktien des Zahlungsdienstleisters Mastercard, des Technologieunternehmens ThermoFisher, des Technologienkonzerns Alphabet mit der Suchmaschine Google und der Videoplattform Youtube sowie des in Hongkong ansässigen Lebensversicherers AIA. Dies alles sind aus Sicht Duddings vielversprechende Buy-and-hold-Positionen.

Chip-Engpass bietet aktuelle Anlagechancen
Was jüngste Anpassungen betrifft, so hat man bei Columbia Threadneedle in den zurückliegenden Monaten seine Positionen im Bereich Basiskonsumgüter etwas zurückgefahren. Stattdessen hat man die Gewichtung bei Chipherstellern erhöht. Denn aktuell wird immer deutlicher, dass es einen Engpass bei Halbleitern gibt. Davon dürften in den kommenden Jahren auch einige jener Unternehmen stark profitieren, die Maschinen und Ausrüstung für die Chip-produzierenden Konzerne herstellen. Denn Halbleiter-Riesen wie TSMC oder Samsung müssen ihre Fertigungskapazitäten in den USA oder Europa dringend erhöhen – und dazu in neue Produktionsmittel investieren. Unter dem Chipmangel leiden an vorderster Stelle die Automobilhersteller. Aber die Knappheit wirkt sich mittlerweile auf viele Bereiche aus, selbst bei Toastern stockt die Produktion. Die Nachfrage, die mit Abflauen der Corona-Krise einsetzte, ist überraschend stark.

Man lernt mir aus....
Dudding kann sich nicht erinnern, dass das Umfeld, in Halbleiter-Hersteller und Investitionsgüterkonzerne zu investieren, jemals so gut war wie jetzt. Und er ist optimistisch, was die mittelfristigen Aussichten angeht. Das ist das Großartige an seinem Beruf: dass er auch nach 20 Jahren immer wieder Gelegenheiten bietet, die es so bislang noch nicht gab. (kb)

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