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Übertreibt der letzte Finanzstabilitätsreport die Risikolage?

Der Bundesverband Alternative Investments e.V. (BAI), die zentrale Interessenvertretung der Alternative-Investments-Branche in Deutschland, plädiert für eine differenzierte Betrachtung vermeintlicher Risiken aus der Fondsbranche für die Finanzmarktstabilität.

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Frank Dornseifer, Geschäftsführer des Bundesverbands Alternative Investments e.V. (BAI)
© Jens Hänsel

Im jüngsten Financial Stability Review adressiert die EZB eine Reihe von potentiellen Risiken  für die Finanzmarktstabilität, die punktuell auch von der Fondsbranche ausgehen könnten. Als Folge von einem sich global abschwächenden Wirtschaftswachstum und dem anhaltenden Niedrigzinsumfeld hat die EZB in diesem Zusammenhang einen stärkeren Risikoappetit zum Beispiel bei Investmentfonds und Versicherungsunternehmen identifiziert, der sich vor allem im Anleihenbereich auswirkt.

Bonitäts- und Liquiditäts-Risiken bei Bonds sind nicht das einzig Besorgniserregende
Hier beobachtet die EZB zum einen eine stärkere Gewichtung von Bonds mit schwächeren Bonitäten und zum anderen eine deutliche Abnahme hochliquider Bonds in den Portfolien. Gleichzeitig haben Fonds im Euroraum ihre Barquote heruntergefahren. Durch die zunehmend wichtige Rolle von Investmentfonds und Versicherungsunternehmen z.B. bei der Finanzierung der Realwirtschaft befürchtet die EZB im Falle eines Marktschocks Verwerfungen, die auf das gesamte Finanzsystem ausstrahlen könnten.

Geringe Cashquote in Fonds und illiquide Anlagen machen die EZB auch nervös
BAI-Geschäftsführer Frank Dornseifer nimmt Stellung: „Die mahnenden Worte der EZB im jüngsten Finanzstabilitätsbericht zeigen das Dilemma bzw. die kausal verknüpften Dilemmata in bemerkenswerter Weise auf. Im andauernden Niedrigzinsumfeld haben klassische Zinspapiere, vor allem die mit hoher Bonität, mehr oder weniger ausgedient, und Investoren aller Couleur müssen umschichten; zum Teil in Anleihen aus dem Unternehmens- oder Staatssektor mit geringerer Bonität, oder eben in Alternative Investments wie Infrastruktur, Private Equity, Private Debt, etc. Diese Umschichtung muss nicht, kann aber im Einzelfall mit höheren Risiken verbunden sein.“

EZB-Warnung vor Risikoappetit bei Investmentfonds bedarf differenzierter Betrachtung 
Potentiell gefährlich ist aus Sicht der EZB, dass z.B. hochliquide Investmentfonds (UCITS bzw. OGAW) verstärkt schwächere Bonitäten bzw. illiquidere Papiere halten und dass es im Falle eines Marktschocks zu Notverkäufen, Preisverfall, etc. kommt, was unter Umständen zu Verwerfungen auf den Finanzmärkten insgesamt führt. Hierzu führt Dornseifer weiter aus: „Erstens handelt es sich also nicht um ein Problem der gesamten Fondsbranche, sondern um ein asset- bzw. strukturspezifisches Problem. Fonds, die per se als geschlossenes Vehikel konzipiert sind bzw. besondere Rücknahmerestriktionen vorsehen, und zumindest teilweise in illiquide Assets investieren, sind dem von der EZB identifizierten Risiko also nicht bzw. in deutlich geringerem Maße ausgesetzt. Diese Differenzierung ist wichtig."

Genau genommen warnt die EZB vor sich selbst
Mindestens genauso wichtig ist die zweite Feststellung, nämlich, dass die EZB im Ergebnis vor sich selbst warnt. Dornseifer dazu: "Es ist nun einmal die EZB, die die Zinsen festsetzt und damit (mit-) ursächlich dafür ist, dass die sogenannten sicheren Anlagen keinen Ertrag mehr abwerfen und Investoren ihr Portfolio umschichten. Und genau deshalb kann ich nur davor warnen, jetzt regulatorische Konsequenzen etwa bei Fonds und Versicherern zu fordern. Dann würde nicht nur Ursache und Wirkung miteinander verwechselt, sondern auch, dass z.B. dem Liquiditäts- und Stressmanagement bei Investmentfonds ohnehin ein sehr hoher Stellenwert beigemessen wird und die Anforderungen zudem ständig überprüft und angepasst werden. Für Investmentfonds ist dabei in Europa übrigens die europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA zuständig.“ (kb)

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