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Totgesagte leben länger: Das gilt auch für das 60:40 Portfolio

Ein "Balanced Portfolio", bestehend aus 60 Prozent US-Aktien und 40 Prozent US-Treasuries, galt jahrzehntelang als heiliger Gral der Vermögensanlage. Zuletzt kamen angesichts niedriger Anleiherenditen Zweifel auf, doch 2020 dürfte trotz aller Unkenrufe ein gutes Jahr für den Ansatz werden.

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Das für tot erklärte 60:40 Portfolio gab auch 2020 wieder ein starkes Lebenszeichen von sich. Für Trauerreden ist es eindeutig zu früh. 
© eyetronic / stock.adobe.com

Trotz allem Händeringen und Verfassen von Nekrologen auf das berühmte 60:40 Portfolio wird wohl 2020 ein weiteres Jahr mit solider Performance für den viel geschmähten Ansatz werden. Ein entsprechend gestioniertes Modellportfolio liegt year-to-date etwas mehr als 13 Prozent im Plus, wie ein entsprechender Bloombergindex zeigt. Damit ähnelt 60/40 der Performance des S&P 500 Total Return Index und lässt den HFRX Global Hedge Fund Index mit einem Wertzuwachs von 3,5 Prozent deutlich hinter sich zurück.

Widerstandsfähige Strategie
Die im Corona-Jahr 2020 mit all seinen Herausforderungen erneut bestätigte Widerstandsfähigkeit des traditionellen 60:40 Portfolios widerlegt viele Kritiker, die seit geraumer Zeit das Ende des Ansatzes propagieren. 2019 prognostizierte etwa Morgan Stanley eine Periode anämischer Renditen für das 60:40 Portfolio. Anfang 2020 begann eine Debatte darüber, durch welche Assetklassen man Anleihen wohl ersetzen sollte. Vincent Deluard, GlobalerMakro-Stratege  bei der StoneX Group, meinte gegenüber Bloomberg, es sei bemerkenswert, wie gut sich das 60:40 Portfolio geschlagen und in einem solch schwierigen Jahr die langjährige Durchschnittsperformance erreicht habe. Dabei sei das laufende Jahr in mehrerlei Hinsicht alles andere als gewöhnlich verlaufen. 

Kritiker verkennen oft das langfristige Ziel des Ansatzes
So gibt es in diesem Jahr Phasen, wo Renten und Aktien in die gleiche Richtung laufen und damit eine positive Korrelation aufweisen, was im Gegensatz zur intendierten Schutzfunktion der Bonds steht, die dann zulegen sollten, wenn Aktien schwächeln. Für Kritiker war dieser Shift Grund genug, den Ansatz in ein schlechtes Licht zu rücken. Die Argumentation lautete: Anleihen könnten kein Aktienhedge sein, wenn beide Assetklassen gleichzeitig steigen oder fallen. Doch das verkennt die Idee hinter einem 60:40 Konzept, das auf lange Sicht dem Investor ein diversifiziertes Portfolio bieten will. Das Konzept ist jedenfalls keine kurzfristig ausgerichtete Absolute Return Hedgefonds-Strategie. Aber selbst auf kürzere Sicht hat sich das 60:40 Portfolio als resistent erwiesen. Am Höhepunkt der Furcht vor der Corona-Pandemie im März fiel das traditionelle Mischportfolio weniger stark als der S&P 500, was die Vorteile dieser Diversifikation belegt. 

Nuklearer Winter
Vor einem solchen warnte Deluard früher in diesem Jahr, als er an die Wertentwicklung des 60:40 Portfolios dachte, die sich jener verlorenen 70er-Jahre annähern könnte. Nathan Thooft, Global Head of Asset Allocation bei Manulife Asset Management in Boston, meinte das traditionelle Balanced Portfolio sei zwar nicht tot, man müsse aber mit deutlich niedrigeren Renditeerwartungen als in den letzten Jahrzehnten rechnen. J.P. Morgan Asset Management kürzte vor kurzem die Renditeerwartungen für das 60:40 Portfolio auf 4,2 Prozent jährlich für die nächsten Jahre zusammen Ebenso reduzierte man die Returnerwartungen für ein globales Aktienportfolio auf 5,1 Prozent pro Jahr.

Korrelationsvorteil
Solomon Tadesse, Stratege bei der SocGen, merkt an, dass der durch die Pandemie ausgelöste Deflationsdruck und die in diesem Ausmaß noch nie dagewesene Expansion der Geldpolitik als Antwort zu niedrigeren Korrelationen zwischen den einzelnen Assetklassen führen werde. Ein 60:40 Portfolio sollte davon profitieren. Die Skepsis bezüglich der künftigen Performance eines 60:40 Portfolios und - allgemein gesprochen - der Cross Asset Performance vernachlässige den Aspekt, dass die Korrelation zwischen den Renditen der Asseklassen heftigen Rückenwind erfahre. Tadesse erwartet, dass sich die starke Performance der Strategie fortsetzen werde. (kb)
 

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