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Timing ist alles, doch schwer zu meistern

„Timing ist alles“ ist eine Binsenweisheit: Gute Börsentage zu verpassen, kostet viel Geld. Nur an guten Tagen zu investieren, ist nicht realistisch. Welchen Einfluss die Top-Tage haben und wie schwer Timing ist, zeigt Sven Lehmann in seiner DAX-Analyse.

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Sven Lehmann, Fondsmanager des HQT Global Quality Dividend
© HQ Trust

Sven Lehmann, Fondsmanager des HQT Global Quality Dividend hat sich die Entwicklung des DAX seit dem Jahr 1965 angeschaut. Er berechnete, was mit gutem Timing möglich gewesen – und was passiert wäre, wenn der Anleger immer knapp danebengelegen hätte. Für seine Berechnungen auf Tagesbasis nahm er an, dass der Investor den DAX morgens gekauft und abends verkauft hat. An Tagen, an denen der Anleger nicht investiert war, lag das Geld unverzinst unter der Matratze.

Doch wehe, sie hätten immer einen Tag daneben gelegen. Wie der Ertrag ausgesehen hätte, wenn man nur an den besten Tagen in den DAX investiert gewesen wäre - versus der Performance, wenn man jeweils einen Tag zu früh respektive zu spät investiert hätte, zeigt die folgende Grafik.

Nur einen Tag neben den besten Tagen investiert, ist ein Desaster

Quelle: HQ Trust

Erkenntnisse
„Sehr langfristig orientierte Anleger konnten seit dem Jahr 1965 mit dem DAX eine Performance von 6,1 Prozent p.a. erzielen," hält Lehmann fest. „Den gleichen Ertrag hätten sie erreicht, wenn sie nur an den 55 besten Tagen seit 1965 in den DAX investiert waren. Insgesamt umfasst die Zeitspanne 14.524 Handelstage.“ Das Problem dabei ist nur: Trifft der Investor die Tage nicht exakt, fällt der Ertrag viel niedriger oder sogar negativ aus.

Lehmann: „Dazu zwei Beispiele: Wer immer am Tag nach einem der Top-55-Tage gekauft hätte, hätte anstelle der 6,1 lediglich 0,64 Prozent p.a. verdient. Am Tag vor den Top-55-Tagen wären es sogar –1,13 Prozent p.a. gewesen.“ Und weiter: „Die Wahrscheinlichkeit genau nur alle 55 Tage zu treffen, liegt bei 1:1,72*10^156. Das ist ungefähr so wahrscheinlich wie 19mal hintereinander im Lotto sechs Richtige plus Superzahl zu haben.“

Vergessen Sie Timing, bleiben Sie einfach immer dabei!
Die Berechnung zeige, so Lehmann, wie groß die Differenzen seien, wenn man die Top-Tage verfehlt, die sich nicht vorhersagen lassen. Anleger sollten daher besser langfristig investieren als mit kurzfristigen Trades auf den schnellen Euro zu spekulieren.

Für die Statistiker
Der erste Top-55-Tag war der 7. August 1967 mit +4,7 Prozent, der beste Handelstag insgesamt der 13. Oktober 2008 +11,4 Prozent. Da es den DAX offiziell noch nicht seit 1965 gibt, hat HQ Trust die Rückrechnung auf Basis von Refinitiv-Daten durchgeführt. (kb)

 

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