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Teures wird teurer - und Billiges bleibt billig

Corona hat die Zweiteilung der Aktienmärkte nicht beendet. Die bisherigen Favoriten bleiben weiterhin gefragt. Das spreche gegen die Qualität des Aufschwungs, meinen die Experten der DWS Group.

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Gespaltener Markt: Tech-Titel sind everybody's Darling, von substanzstarken Titeln will kaum jemand etwas wissen.
© Fotolia

Wer schon länger an der Börse handelt, weiß, dass es für jedes Ereignis eine entsprechende Börsenweisheit gibt. Für das Gegenteil aber auch. Wer Mitte März Sorge hatte, an den Aktienmärkten ins fallende Messer zu greifen, wird beim Blick auf sein Portfolio heute weniger Freude verspüren als die Mutigeren, die kauften, als die Kanonen donnerten. Wer dachte, letztlich zählen die Gewinne, hatte zumindest kurzfristig das Nachsehen gegenüber jenen, die zu wissen meinen, dass man nicht gegen die US Federal Reserve - sie steht stellvertretend für alle großen Zentralbanken - wetten sollte.

Wo bleibt die vielzitierte Mean Reversion?
Und wer auf "Mean-Reversion", also die Bewegungen zurück zum Durchschnitt, setzt, basierend auf dem Glauben, dass kein Trend ewig währt und eine Rotation der Anlagestile entsprechend unvermeidlich ist, der wartet noch heute auf die Bestätigung. Ebenso wie jene, die sich an der Empirie orientieren, wonach in einem neuen Konjunkturzyklus zunächst die Substanzwerte am besten laufen.

Substanzwerte mit einem kleinen Lebenszeichen, aber das ist keine Trendwende
Zwar haben diese Woche die Substanzwerte die Wachstumswerte öfters mal deutlich hinter sich gelassen, doch das kann dem seit 2007 bestehenden Trend, in dem das Segment Wachstum outperformt, bisher nichts anhaben, analysiert die DWS Group. Dieses Segment wird einmal mehr von der Technologiebranche, zumal der amerikanischen, dominiert.

Sektorunwucht besteht fort
Zugespitzt lässt sich diese Sektorunwucht, die sich auch in regionalen Renditeunterschieden widerspiegelt, daher am Vergleich zwischen dem US-Technologiesektor und dem europäischen Bankensektor (stellvertretend für Substanzwerte) zeigen. Liegt ersterer dieses Jahr schon wieder über fünf Prozent vorne, haben die Finanztitel die Hälfte ihres Wertes abgegeben.

Kein Einzelphänomen
Bewertung versus Drei-Monats-Entwicklung der Sub-Sektoren des S&P 500 Index

Teure Sektoren liefen in den letzten drei Monaten weiter
Die Börsenrallye der vergangenen drei Monate wurde vornehmlich von jenen Sektoren getragen, die ohnehin schon teuer waren (auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV)), während die billigen weiter gemieden wurden, stellen die Experten der DWS fest.

Der entsprechende Börsenspruch dazu lautet übrigens "cheap for a reason"
Also billig aus gutem Grund. Aber heißt das gleichzeitig, dass die gut laufenden Sektoren aus gutem Grund so teuer sind? So viel für sie auch spricht, fragt man sich doch, wie lange einzelne Sektoren so gut laufen können, wenn links und rechts von ihnen alles zusammenbricht und mithin die ganze Wirtschaft daniederliegt? Und wenn die USA nach Schätzungen der DWS erst 2022 ihre Wirtschaftsleistung von 2019 wieder erreicht haben werden?

Rohstoffe und Anleihen nicht im Aktienhausse-Modus
Auch aus den Kursverläufen dieser Anlageklassen lässt sich nicht gerade ein rasanter Wirtschaftsaufschwung herauslesen. Das würde zumindest erklären, warum die Substanzwerte weiterhin relativ schwächer laufen, so die DWS-Fachleute. Denn ein normaler Aufschwung ist das hier sicherlich nicht. Und das wiederum erklärt, warum die DWS zumindest aus relativer Betrachtung heraus einige dieser teuren Sektoren weiterhin mag. Kurz gesagt, in ungewöhnlichen Zeiten hält sich die DWS erst recht an die Devise: "Wette nicht gegen die Fed oder gegen große Technologiewerte". (kb)

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