Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
| Regulierung
twitterlinkedInXING

Blockchain-Technologie gegen Zentralbank-Macht: Wer wird obsiegen?

Kryptowährungen wie Blockchain bergen disruptive Kräfte in sich, die nicht nur das Geld, sondern auch Wirtschaft- und Gesellschaft weitreichend verändern können. Denn Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum und Co. setzen Zentralbanken unter Druck, indem sie ihnen das Geldmonopol streitig machen.

1489394287_bitcoin3.jpg
© Fotolia

Die schwedische Riksbank geht in die Modernisierungsoffensive. Sie will eine digitale Währung, die „e-Krone“, als Ersatzbargeld mit neuer Kontoführungs- und Zahlungstechnologie anbieten: Man soll seine Kronen-Guthaben, die bislang bei schwedischen Geschäftsbanken gehalten werden, bei der Riksbank speichern und mit ihnen bequem bezahlen können. Eine schlechte Nachricht für schwedische Banken, denn sie bekommen Konkurrenz von ihrer eigenen Zentralbank.

Wäre eine e-Krone eine Alternative für Nachfrager von Kryptowährungen?

"Vermutlich nicht", sagt Professor Dr. Thorsten Polleit (Bild links), Chefökonom der Degussa Goldhandel GmbH. "Die e-Krone wäre ein nach wie vor durch die Riksbank monopolisiertes und manipulierbares Fiat-Geld. Genau das aber wollen Kryptowährungs-Nachfrager nicht – nicht in Form von Bargeld, Geschäftsbanken-Buchgeld oder Zentralbank-Digitalgeld. Dass der Versuch der Riksbank vergeblich ist, lässt sich absehen."

Selbst die Blockchain-Technologie werde den Zentralbanken nicht weiterhelfen. Mit ihr könnte zwar das staatliche Fiat-Geld einfacher, schneller und billiger transferiert werden, als es die Geschäftsbanken bislang anböten. "Aber wer wird staatliches Fiat-Geld nachfragen, das zwar mittels Blockchain transferiert wird, das jedoch von der staatlichen Zentralbank beliebig vermehrt und entwertet werden kann?", fragt sich Polleit zu Recht. "Bitcoin erscheint da als Geld attraktiver zu sein – vielleicht auch in Form von „Colored Bitcoins“, die zu 100 Prozent gedeckt sind mit beispielsweise physischem Gold oder Silber. Nein, wie auch immer die Reaktionen der Zentralbanken ausfallen: Ihr Fiat-Geld hat der Konkurrenz durch Kryptowährungen nichts Vergleichbares entgegensetzen."

Technologie besiegt Zwangsmacht durch Blockchain-Technologie

Wie schnell sich die Entmachtung des staatlichen Geldes in der Praxis materialisiere, so Pöolleit weiter, stehe allerdings auf einem anderen Blatt. Zwar gebe es beeindruckende Entwicklungen in der Kryptowährungs-Welt. Beispielsweise hätten Japan und Australien Bitcoin bereits als Zahlungsmittel akzeptiert. Doch die Beharrungskräfte, die die Nachfrage nach dem staatlichen Fiat-Geld stützten, seien groß.

Hindernisse gibt es genug

Bevor Menschen sich von einer etablierten Währung abwenden und sie durch eine andere ersetzen, muss schon einiges passieren. Beispielsweise muss die Inflation stark ansteigen, damit sie von der schlechte(re)n (inflationären) Währung zur besseren (nichtinflationären) Währung wechseln; oder die Transaktionskosten des neuen Geldes müssen deutlich niedriger sein; oder aber die Menschen müssen die moralisch-ethischen Defizite des Fiat-Geldes erkennen – und aus diesem Grund besseres Geld wollen. Polleit weiter: "Es gibt weitere Hindernisse, die einem schnellen Durchmarsch der Kryptowährungen im Wege stehen. So kann zum Beispiel die Leistungsfähigkeit der Bitcoin-Zahlungsverkehrsabwicklung noch nicht mithalten mit der Kapazität der Fiat-Geld-Zahlungssysteme. Auch gibt es noch keine entwickelten Märkte für Bitcoin-denominierte Wertpapiere. Und natürlich wird der Staat versuchen, sein Zwangsgeldmonopol zu verteidigen."

Der Staat greift schon heute diskriminierend ein: Differenzbesteuerung

Schon heute greift er diskriminierend ein. Zum Beispiel unterliegen Bitcoin, Gold und Silber der (Differenz-)Besteuerung: Wer beispielsweise Operationskosten in Höhe von 4000 Euro mit einem Bitcoin bezahlt, muss nachweisen, zu welchem Preis er den Bitcoin erworben hat. Wenn er sie für 1000 Euro gekauft hat, ist die Differenz von 3000 Euro zu versteuern.

Entzaubertes Fiat Money

Doch die Technik mache Fortschritte, werde leistungsfähiger, und auch eine steuerliche Benachteiligung werde sich nicht aufrechterhalten lassen, wenn erst einmal eine hinreichend große Zahl von Menschen die Vorteilhaftigkeit der Kryptowährung erkannt und schätzen gelernt habe, ist Polleit überzeugt. Zudem werde das Tiefzinsumfeld, für das die Zentralbanken gesorgt hätten, um das Fiat-Geldsystem vor dem Kollaps zu bewahren (und aus dem sie vermutlich nicht mehr entkommen können), den Kryptowährungen neue Fans zuspielen. Polleit führt aus: "Ohne seine Eigenverzinsung verliert das Fiat-Geld in Form von Sicht-, Termin- und Sparguthaben einen seiner wichtigsten Verbündeten, der bislang die Nachfrage nach unverzinslichem Geld - wie Bitcoin, Gold und Silber - geschmälert hat. Was auch immer die Triebkräfte sein mögen: Die Folgen für das staatliche Fiat-Geld, die eine Währungskonkurrenz in Gang setzt, sind gewaltig."

Werden die Zentralbanken in ihre Schranken verwiesen?

Die Minimalkonsequenz sei laut Polleit, dass die Zentralbanken in die Schranken verwiesen würden. Sie könnten nicht mehr wie bisher die Fiat-Geldmenge beliebig ausweiten, um Staaten und Banken vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren. Ansonsten würde die Nachfrage nach Fiat-Geld und damit auch seine Kaufkraft schwinden. Die Verschuldungsmöglichkeiten für den Staat gingen zurück, und auch seine Besteuerungsspielräume schwänden, wenn Umsätze in den Kryptowährungsraum abwandern könnten.

Die Maximalkonsequenz wäre, dass das Fiat-Geld wertlos werde. Seine Kaufkraft könnte im Extremfall auf null fallen. Polleit: "In der Währungshistorie gibt es zahlreiche Beispiele dafür. Ohne die Macht des Fiat-Geldes lässt sich der Staat, wie wir ihn heute kennen – als beständig ausufernder territorialer Zwangsmonopolist mit Letztentscheidungsmacht über alles und jeden –, nicht mehr aufrecht erhalten.

Bitcoin & Co als disruptive Veränderungskraft zum Besseren

Ein dezentrales, marktbasiertes Geld würde für sehr viele Menschen auf dem Globus ökonomisch äußerst vorteilhaft, geradezu segensreich sein, und es bräuchte schon eine dauerhaft stabile Kartellierung der nationalstaatlichen Mächte beziehungsweise so etwas wie eine einheitliche Weltregierung, um den Durchbruch einer überlegenen Produkt- beziehungsweise Technikinnovation dauerhaft zu verhindern. Man sollte daher die disruptive Veränderungskraft zum Besseren, die mit den technologiegetriebenen Kryptowährungen einhergeht, nicht unterschätzen, mient Ökonom Polleit.

Störfeuer für Bitcoin: China und Jamie Dimon nehmen Kryptowährungen ins Visier

Am 8. September 2017 berichtete das chinesische Wirtschaftsblatt „Caixin“, die chinesischen Behörden erwögen die Schließung von Bitcoin-Handelsplattformen. Am 13. September verkündete BTC China, Chinas erste und größte Bitcoin-Börse, sie werde den Handel am Monatsende einstellen. Bereits am 4. September hatte China die sogenannten Initial Coin Offerings (ICO) verboten, durch die Unternehmen, die an Cyber-Währungen arbeiten, sich finanzieren. (ICO werden häufig als „Währungskandidaten“ gesehen, sind im Grunde für Unternehmen nichts anderes als eine Form der Außenfinanzierung, durch die die regulierten Börsen umgangen werden können.) Wie das Handelsblatt mit Bezugnahme auf chinesische Börsen berichtete, werden rund 90 Prozent des weltweiten Cyberwährung-Handels über chinesische Plattformen abgewickelt. Am 13. September 2017 wurde zudem berichtet, dass der CEO von J.P. Morgan Chase, Jamie Dimon, Bitcoin als Betrug bezeichnet hat. In einer Ansprache auf einer Investoren–Konferenz in New York sagte Dimon, Cyberwährungen könnten nicht funktionieren, weil sie „aus dem Nichts“ geschaffen worden seien.

Bitcoin-Kurs unter Druck

Beide Nachrichten – ein mögliches Handelsverbot in China und der Vorwurf des Betrugs durch den Vorsitzenden einer der weltweit führenden Großbanken – haben die Preise der Kryptowährungen nun stark unter Druck gesetzt. Ob allerdings eine Einschränkung oder gar ein Verbot des Krypotwährungshandels sich dauerhaft durchsetzen lässt, ist fraglich – zumal dann, wenn eine wachsende Zahl von Marktteilnehmern das Verwenden von Kryptowährungen als vergleichsweise vorteilhaft ansieht und danach strebt, Zugang zum Kryptowährungshandel zu erhalten. OPolleit dazu: "Verwendung und Handel des Bitcoin sind schließlich global, und eine gleichgerichtete Verbotspolitik aller Staaten dürfte nur schwer durchsetzbar sein und könnte zudem auch lediglich eine Schnittstelle betreffen, den Tausch zwischen Fiat-Währungen und Kryptowährungen."

Polleit kontert Jamie Dimon

Polleit hält fest: "Die Bedenken, der Bitcoin sei Betrug, weil er aus dem Nichts entstanden sei, lassen sich (geldtheoretisch) entkräften. Um es kurz zu machen: Geld muss nicht notwendigerweise aus einem physisch verfügbaren Sachgut entstanden sein, sondern aus einem Gut (physischer oder virtueller Art), das bereits eine Wertschätzung genossen und damit einen Marktpreis hatte, bevor es als Geld verwendet wurde. Diese Überlegungen lassen sich aus dem sogenannten Regressionstheorem ableiten. Entscheidend für den Erfolg des Bitcoin ist vielmehr, ob er die Geldfunktionen so gut erfüllen kann wie alternative Geldarten, einschließlich der heutigen Fiat-Währungen." Ein Vergleich zeige hier, dass Bitcoin durchaus gute Chancen habe, mitzuhalten. Die Schlussfolgerung, Bitcoin sei Betrug, weil es angeblich aus dem Nichts entstanden sei, könne also nicht überzeugen. (kb) 

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen