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Swisscanto Invest über die Aussichten von High Yield Bonds

Der Leiter High Yield bei Swisscanto Invest ist für Hochzinsanleihen optimistisch gestimmt und nennt einige Kaufargumente für dieses Credit-Segment.

Roland Hausheer, Leiter High Yield bei Swisscanto Invest
Roland Hausheer, Swisscanto Invest
© Swisscanto Invest

Die Ausfallraten im Universum der High Yield-Anleihen erreichten im Jahr 2020 mit 6,8 Prozent in den USA und vier Prozent in Europa ihren Zenit. Dies ist der höchste Stand seit der Finanzkrise 2007/08. Der Höhepunkt dürfte jedoch durchschritten sein, meint Roland Hausheer, Leiter High Yield bei Swisscanto Invest in einer aktuellen Marktkommentierung.

Analysiert man die monatlichen Insolvenzen, so fällt auf, dass diese schon seit mehreren Monaten kontinuierlich fallen. Im Januar und Februar dieses Jahres wurde sogar kein einziger Ausfall verzeichnet. "Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzen wird und wir im Jahr 2021 substanziell tiefere Ausfallraten von nur zwei Prozent sehen werden", prognostiziert Hausheer. Momentan preist der Markt eine Ausfallrate von etwa 3,5 Prozent ein.

Generell haben High Yield-Unternehmen beträchtliche Liquiditätspuffer aufgebaut, um die Corona-Pandemie zu überstehen. Dies wurde über die Beanspruchung von Staatshilfen, die Emission von Anleihen oder Aktien sowie durch Kostensparprogramme erreicht. Im Durchschnitt erhöhte sich die Liquidität der Unternehmen somit um rund 50 bis 70 Prozent.

Investoren gieren nach neuem Material, falls attraktive Renditen geboten werden
Der wesentlichste Faktor dabei sei der sehr gute Zugang zum Kapitalmarkt. Selbst diejenigen Unternehmen, die von der Pandemie am härtesten getroffen wurden - namentlich Flug- oder Kreuzfahrtgesellschaften - haben gegenwärtig keinerlei Probleme, am Kapitalmarkt Geld aufzunehmen. Und dies, obwohl sie momentan nur einen Bruchteil des normalen Umsatzes erzielen. Die Nachfrage scheine geradezu unbeschränkt.

So konnte American Airlines vergangene Woche eine Jumbo-Anleihe in Höhe von rund 6,5 Milliarden US-Dollar platzieren. Trotz des riesigen Volumens überstieg die Nachfrage die Emissionsgröße um ein Vielfaches. Der Markt setzt laut Hausheer somit ein klares Zeichen, dass er die momentane Krise als temporär betrachtet und davon ausgeht, dass sich mit der weltweiten Ausrollung von Impfkampagnen bald wieder eine gewisse Normalisierung einstellen wird.

Ein Rekord nach dem anderen
Während sich Unternehmen wie American Airlines höher verschulden müssen, um die Pandemiekrise zu überstehen, widerspiegelt dies in keiner Weise die Hauptaktivität am Neuemissionsmarkt. Der High Yield-Markt verzeichnete in 2020 ein Rekordvolumen an Neuemissionen und ist auch in 2021 bereits wieder rekordverdächtig gestartet.

Gleichwohl betrifft die weitaus größte Mehrheit der Transaktionen - rund 65 Prozent in 2020 und ca. 80 Prozent im bisherigen Jahresverlauf - Refinanzierungen von bestehenden Schulden. Mit anderen Worten: High Yield-Unternehmen betreiben ein konservatives Bilanzmanagement und generieren keine neuen Schulden, sondern erneuern bestehende zu günstigeren Konditionen, merkt Hausheer an.

Spätestens zur Mitte dieses Jahres erwartet Hausheer mit der schrittweisen Öffnung der Wirtschaft eine starke globale Konjunkturerholung. Swisscantos Makroökonomen haben ihre Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft für dieses Jahr jüngst auf rund 6,4 Prozent angehoben. Und eine aufstrebende Wirtschaft ist grundsätzlich sehr positiv für High Yield-Anleihen.

Aufhellung
Auf Unternehmensebene beobachtetet Swisscanto bereits seit dem 3. Quartal 2020 eine kontinuierliche Verbesserung der Unternehmenszahlen. Wichtige Bereiche wie der Automobil- oder Freizeitsektor, die sehr stark von der Pandemie betroffen waren, erholten sich sehr rasch, wodurch sich der Ausblick für Ausfallraten allgemein aufhellt. Auch das Umfeld für Energieunternehmen verbesserte sich aufgrund des starken Anstiegs des Ölpreises deutlich. Dies ist insbesondere deshalb wichtig, weil der Energiesektor für den Hauptteil der Insolvenzen verantwortlich war.

"Eine starke wirtschaftliche Erholung, deutlich sinkende Ausfallraten sowie die hohe Refinanzierungstätigkeit aufgrund eines gut funktionierende Primärmarktes sind die wesentlichen Gründe für unseren weiterhin sehr konstruktiven High Yield-Ausblick. Darüber hinaus dürfte die Geldpolitik weltweit noch lange ultraexpansiv bleiben. Nebst dem attraktiven Carry sehen wir durchaus auch Potenzial für weitere Spread-Verengungen. Vor allem in Sektoren, die stark durch Corona belastet wurden und günstige Bewertungen aufweisen. Dabei bleibt eine selektive Titelauswahl entscheidend", erklärt Hausheer abschließend. (aa)

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