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Sustainability-Linked-Bonds (SLBs) unter der Lupe

SLBs sind stärker auf dem Vormarsch als je zuvor. Das gesamte Emissionsvolumen der SLBs hat sich in diesem Jahr im Vergleich zu den vorigen zwei Jahren verdoppelt. Die Anzahl der SLBs laut Bloomberg lag Ende April 2021 bei 76 Bonds, nun hat sich diese seitdem auf 116 erhöht (Stand 23.06.2021).

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Laura Lemle, Mitglied im Portfoliomanagement Team der Security Kapitalanlage AG 
© Security KAG

Das Interesse an Sustainiblity-linked-Bonds ist also keineswegs abgeflacht, sondern hat sogar noch zugenommen. womit diese spezielle Assetklasse immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Vielfältige Ausstattung der Bonds verursacht Klassifizierungsschwierigkeiten
Die Klassifizierung kann grundsätzlich von zwei Aspekten angenähert werden, entweder nach der finanziellen Gestaltung oder nach der Nachhaltigkeitskomponente der Bonds, wie Laura Lemle, Mitglied im Portfoliomanagement Team der Security Kapitalanlage, in ihrem neuesten Blog-Eintrag schreibt. Bei der Betrachtung der finanziellen Eigenschaften (sogenannte Covenants) von SLBs, führt die Nichterreichung der im Vorhinein definierten Nachhaltigkeitsziele — in den meisten Fällen — zu einer Kuponerhöhung der Anleihe und somit zu einer finanziellen Mehrbelastung für den Emittenten.

Coupon Step-up bei Zielverfehlung häufig anzutreffen
Das häufigste Ausstattungsmerkmal bei SLBs ist ein Coupon Step-Up von 25, 50 oder gar 75 Basispunkten. In zirka 50 Prozent der Fälle sind SLBs mit einen Step-Up Coupon zwischen 5-25 Basispunkten ausgestattet. Oft definieren aber Emittenten nicht nur eine sondern gleich mehrere Nachhaltigkeitsziele, somit wird der Coupon Step-Up entweder für jedes Nachhaltigkeitsziel getrennt angewendet, oder wird abhängig davon ob eines oder mehrere Nachhaltigkeitsziele nicht erreicht wurden unterschiedlich hoch sein. 

Kosten in der Realität bei Zielverfehlung
Wie viel kostet es aber nun in der Realität für einen Emittent wenn dieser seine Nachhaltigkeitsziele verfehlt?  Laura Lemle dazu: "Wenn man den SLB von Pfleiderer heranzieht, sieht man, dass die zweimalige Erhöhung der Kupons mit jeweils 12,5 Basispunkten bei Verfehlen des Sustainability Performance Target (SPT) um die zwei Millionen US-Dollar zu bezahlendem Betrag ausmacht. Eine gute Möglichkeit ,die zu bezahlenden Summen zu reduzieren beziehungsweise aufzuteilen, ist die Bestimmung von mehreren Zielen mit kleineren Coupon Step-Ups oder die Verwendung von Pricing Step-Ups als Strafe und Pricing Step-Downs als Belohnung für die Nachhaltigkeitsperformance." 

SLBs nach ihrem Nachhaltigkeitsziel in Kategorien eingeteilt
Als zweite Möglichkeit können die Bonds nach ihrem Nachhaltigkeitsziel in Kategorien eingeteilt werden, weiß Lemle: "Die häufigsten vorkommenden Targets sind: Reduktion von Greenhouse-Gas Emissionen, die Erreichung von bestimmte ESG-Scores, die Installierung von Erneuerbare Kapazitäten und andere Punkte aus der Sustainable Development Goals (SDGs). Es können aber auch gleichzeitig mehrere SPTs definiert werden. In den meisten Fällen wird nur ein Ziel gewählt, aber es kommt immer öfters vor, dass SLBs gleich zwei bis drei Targets nennen." 

Drei SLBs mit unterschiedlichen Ausstattungsmerkmalen am Seziertisch
Zuerst wird ein Standard SLB von Suzano, der brasilianische Papierproduzent vorgestellt. Suzano hat als Sustainability Performance Target (SPT) die Reduktion der Greenhouse Gas (GHG) Emissionen auf 0,19 tCO2e/ton gewählt, welche mit einer 10,9-prozentige Reduktion seit 2015 äquivalent ist. Wenn das Ziel nicht erreicht wird, erhöht sich der Kupon um 25 Baispunkte. Für die Messung der Zielerreichung wird die durchschnittliche GHG Emission von 2024 und 2025 als Basis betrachtet. Das Emissionsvolumen bei der SLB von Suzano entsprach einer Höhe von 1,05 Milliarden Euro. 

Der Pfleiderer Group BV - ein High Yield Emittent – platzierte gleichzeitig zwei SLBs am Kapitalmarkt in der Höhe von 750 Millionen Euro. Sie haben zwei Targets gesetzt, einerseits die Erhöhung der Verwendung von recycled Materialien mit vier Prozent, anderseits die Reduktion des ökologischen Fußabdrucks mit acht Prozent. Beide Targets werden bis Maturity zweimal beobachtet, und zwar am Ende des Jahres 2022 und 2025. Wenn die Targets nicht erreicht werden, muss das Unternehmen ein Step-Up von jeweils 12,5 Basispunkten bezahlen. Im schlechtesten Fall ergibt sich einer jährlichen Summe von um die zwei Millionen US-Dollar, die durch den Emittenten bezahlt werden muss. 

Der österreichische Immobilienentwickler UBM Development AG platzierte vor ein paar Wochen die erste Hybrid SLB mit einem Emissionsvolumen von 150 Millionen Euro. Bei dem Bond ist das definierte Nachhaltigkeits-Ziel, jenes einen gewissen ESG-Rating-Schwellenwert nicht zu unterschreiten. Wenn der Grenzwert unterschritten wird, erhalten Investoren jeweils eine Rückzahlungsbetragsanpassung von 0,10 Prozent am Beobachtungstag, an dem das Anpassungsereignis stattfindet. Somit erhöht sich am Laufzeitende der Rückzahlungsbetrag.   

Sind diese zu zahlenden „Strafen“ ein hinreichend großer Anreiz?
"Es wird sich in der näheren Zukunft herauskristallisieren, wie gut Unternehmen mit Nachhaltigkeitsrisiken umgehen können respektive wollen, um ihre Coupon Step-Ups zu verhindern", sagt Lemle. Bisher hätten nur Corporate Emittenten SLBs begeben. Wird dieses Bondformat wirklich nur eine Möglichkeit für Unternehmen sein, Kapital zu schöpfen, oder werden eventuell in der Zukunft auch Staaten SLBs emittieren können beziehungsweise wollen? Die nicht allzu ferne Zukunft wird es zeigen.... (kb)

 

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