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Stehen wir wieder einmal vor einer Dekade anämischer Aktienrenditen?

Makro-Kennzahlen betreffend die Bewertung des Aktienmarktes liefern Investoren eine fundamentale Abschätzung des Risiko-/Ertragsverhätnisses, wenn sie zu einem bestimmten Punkt des Zyklus investieren möchten. Aktuell ist der Markt so teuer wie zur Jahrtausendwende.

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Joseph Carson, ehemaliger Chefökonom von AllianceBernstein
© Archiv

Die Historie zeigt, dass Investoren, die ihren Einstieg in den breiten Markt timen, dann am besten fahren, wenn sie auf einem niedrigen Bewertungsniveau, gemessen an  makroökonomischen Bewertungsmaßstäben, einsteigen und so jene Investoren, die die ganze Zeit über im Markt investiert sind, klar outperformen. Gegenwärtig lassen diese Makro-Bewertungen nur einen Schluss zu: In den nächsten Jahren sind lediglich anämische Renditen zu ewarten. 

Rekordhohe Makro-Aktienbewertungen signalisieren dürre Renditen in den Folgejahren
Die folgende Grafik setzt die Marktkapitalisierung der US-Aktien zum nominalen US-BIP in Relation. Dabei stellt sich heraus, dass das relative Bewertungshoch von 1,9-Mal der Jahreswende 1999/2000 wieder eingestellt wurde. 

Das Timing gemäß der Makro-Bewertung hat seine Meriten
Investoren, die vom Bewertungshoch 2000 gemäß der Makro-Kennzahlen bis zum Hoch 2007 investiert waren, haben im S&P 500 Index nur eine anualisierte Performance von weniger als einem Prozent pro Jahr erreicht und liegen damit weit unterhalb des Wertes von sieben Prozent jährlich, der auf lange Sicht am US-Aktienmarkt erzielbar ist. Anlegen allerdings, die im Bewertungstief der letzten 20 Jahre, sprich im dritten Quartal 2002, einstiegen und zum Bewertungs-Hoch 2007 ausgestiegen sind, haben erstaunliche 13 Prozent pro Jahr erzielt. 

Professor Jeremy Siegel, Professor of Finance an der Wharton School und Autor des Buches  “Stocks for the Long Run”, sagte bereits 1999, es sei falsch, Aktienrenditen in die Zukunft zu extrapolieren, da es eine Mean Reversion, also die Rückkehr zum Durchschnitt bei der Bewertung von Aktien, gebe. Daher gab es 1999 angesichts des hoch bewerteten Aktienmarktes ein schlechtes Risiko-/Ertragsverhältnis, vor dem Siegel warnte. Und tatsächlich war das folgene Jahrzehnt ein verlorenes mit sogar negativen annualisierten Renditen im  Zeitraum von 1999 bis 2009.

Wiederholt sich die Geschichte?
Joseph Carson, ehemaliger Chefökonom von AllianceBernstein, ist der Ansicht dass Siegels Äußerungen von 1999 auf die exzessiven Aktien-Bewertungen von 2019 und die damit verbunden schlechten Renditechancen für die nächsten zehn Jahre angewendet werden können. Träte nämlich der S&P 500 nun zehn Jahre auf der Stelle, würde die Rendite über den Zeitraum von 2009 bis 2029 wieder dem langfristigen Durchschnitt entsprechen, allerdings zur Gänze in den ersten zehn Jahren der beiden Dekaden, also zwischen 2009 und 2019, gemacht worden sein. 

Mean Reversion ist im Auge zu behalten
Investoren scheinen aktuell diese Mean Reversion bei der Makro-Bewertung des Aktienmarktes vergessen zu haben. Neben der Historie wiegt jedoch noch anderes schwer, nämlich die steigende Verschuldung durch das Gelddrucken der Notenbanken, die Konkurse schwacher Firmen verhindern und damit den nächsten Wirtschaftszyklus schwächen, weil diese unproduktiven Zombies mitgeschleppt werden. Zudem wird die höhe Verschuldung der Unternehmen und des Staates zu Lasten der Investitionen gehen und mehr Mittel für die Bedienung des Fremdkapitals binden. Der Ausbau der Rolle des Staates wird überhaupt zu mehr Regulierung, höheren Unternehmenssteuern und steigenden Belastungen für Gutverdienende führen, ist Joseph Carson überzeugt. (kb)

 

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