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Daniel Stelter: Warum ein Deutscher ärmer als ein Grieche ist

Der Buchautor und renommierte Wirtschaftsexperte Daniel Stelter vertritt die These, dass Deutschland bei Weitem nicht so reich ist, wie die Politik oft behauptet. Auf dem FONDS professionell KONGRESS in Mannheim erklärte er anhand von Zahlen, wie er zu dieser Auffassung kommt.

Daniel Stelter
Daniel Stelter: "Man kann Rentenansprüche doch nicht zum Wohlstand dazurechnen, das Geld muss in der Zukunft schließlich erst erwirtschaftet und anderen Leuten weggenommen werden."
© Daniel Weisser / FONDS professionell

Das "Märchen vom reichen Land" verliert innerhalb von 30 Minuten seinen Zauber, wenn der Autor des Buchs mit dem gleichnamigen Titel erst einmal auf der Bühne steht. Der renommierte Ökonom Daniel Stelter legte in seinem Vortrag auf dem FONDS professionell KONGRESS in Mannheim anhand von nüchternen Zahlen dar, warum Deutschland keineswegs so reich ist, wie die Politik gern glauben macht.

Die Bundesrepublik verzeichnet zwar nahezu Vollbeschäftigung und der Export boomt. "Das ist aber verschiedenen Sonderfaktoren zu verdanken", erklärt Stelter. Diese basierten zum einen nicht auf Eigenleistung, zum anderen seien sie nicht nachhaltig. Ein Faktor, der Deutschland reicher aussehen lasse, als es der Fall ist, seien die seit Jahren extrem niedrigen Zinsen. "Diese haben den deutschen Export richtig befeuert", erläutert der Ökonom. Hinzu komme der schwache Euro, von dem ein Exportland wie Deutschland natürlich profitiere. 

Industrien aus dem Kaiserreich
"Man darf auch nicht vergessen, dass unser Exporterfolg auf Industrien basiert, die wir schon
seit dem Kaiserreich haben", sagt Stelter. Zweige wie die Automobilindustrie stehen nun aber vor einem Strukturwandel. "Die Frage ist, ob die Unternehmen diesen überleben, geschweige denn davon profitieren werden", gibt der Ökonom zu bedenken. Die starke Exportlastigkeit der deutschen Wirtschaft hält Stelter auch deswegen für riskant, weil die Ausfuhren vorrangig in Länder wie China gehen, die sich stark verschuldet haben. "Durch unsere Exportüberschüsse haben wir große Auslandsvermögen aufgebaut", sagt er. In einer Welt immer höherer Schulden keine gute Idee, findet Stelter – und belegt es mit Zahlen.

So habe Deutschland zwischen 2004 und 2018 einen kumulierten Leistungsbilanzüberschuss von rund 2.800 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das Nettoauslandsvermögen sei aber auf nur 1.600 Milliarden Euro gestiegen. Daraus ergebe sich ein Verlust in Höhe von knapp 1.200 Milliarden Euro. "Da hätten wir unsere Autos genauso gut verschenken können", findet der Ökonom.

Die Griechen sind vermögender
Ein Blick auf die Vermögen der Bundesbürger zeigt ebenfalls, dass Deutschland nicht so märchenhaft reich ist wie landläufig angenommen. Zwar liegt die Bundesrepublik nach Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB) für das Jahr 2017 mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf von 39.500 Euro klar vor Frankreich, Italien, Spanien, Portugal oder Griechenland. Auch bei der Sparquote sind die Bundesbürger weit vorn. Aufgrund der hohen Abgabenlast, der Vorliebe für festverzinsliche Sparprodukte und der jahrelangen steuerlichen Förderung von Lebensversicherungen fallen die Deutschen beim Vermögen aber zurück. "Im Median liegt das Haushaltsvermögen bei 60.800 Euro", sagt Stelter. Zum Vergleich: Selbst in Griechenland beläuft es sich immerhin auf 65.100 Euro.

"Da hilft es auch nichts, wenn Angela Merkel erklärt, man müsse zum Vermögen ja die großzügigen Rentenansprüche der Deutschen hinzurechnen", so Stelter. Erstens seien die Rentenansprüche einer Studie der Allianz zufolge in Ländern wie Österreich, Norwegen oder Finnland deutlich höher als in der Bundespublik. Zweitens stellten sie kein netto vorhandenes Vermögen dar. "Man kann Rentenansprüche doch nicht zum Wohlstand dazurechnen, das Geld muss in der Zukunft schließlich erst erwirtschaftet und anderen Leuten weggenommen werden", so Stelter. 

Das Werk von Mario Draghi
Der vielgepriesenen "schwarzen Null", einem nahezu ausgeglichenen Bundeshaushalt also, kann der kritische Ökonom aktuell auch nicht viel Gutes abgewinnen. "Die schwarze Null ist zum Teil das Werk von Mario Draghi", sagt Stelter. Immerhin habe die Bundesregierung in den Jahren von 2009 bis 2018 nur wegen des niedrigen Zinsniveaus sage und schreibe 136 Milliarden Euro gespart. Hinzu kommt eine Ersparnis in Höhe 46 Milliarden Euro aufgrund der deutlich gesunkenen Arbeitslosigkeit. Aus eigener Kraft habe die Bundesregierung zwischen 2009 und 2018 tatsächlich 280 Milliarden Euro gespart.

Insgesamt ergibt sich also eine Verteilungsmasse von über 460 Milliarden Euro. "Wenn man statt vernünftige Investionen in die Zukunft zu tätigen aber Projekte umsetzt wie die Rente mit 63 oder das Müttergeld, dann gibt man Versprechen für viele kommende Jahre ab", sagt Stelter. Ein Unternehmen müsste dafür Rückstellungen bilden, der Staat nicht.

Steigende Staatsverschuldung
"Richtig gerechnet haben wir damit eine steigende Staatsverschuldung", so der Ökonom. Allein im Jahr 2016 sei diese durch die neuen Gesetze der Bundesregierung um 15 Prozentpunkte vom BIP gestiegen. "Die schwarze Null ist eine Lüge, die uns vorgaukelt, wir wären reich", erklärt Stelter. "In Wirklichkeit sind wir es aber nicht, weil Versprechen abgegeben werden, die keiner bezahlen kann." (am)

 


Daniel Stelter diskutiert am 13. Institutional Money Kongress (25. bis 26. März 2020 im Wiesbadener Congress Center) im Rahmen von "IM Spezial" mitHans Joachim Schellnhuber und Vertretern der Plattform Net Zero Asset Owner ­Alliance darüber, ob Impact Investing nur ein Feigenblatt sei. Aber auch andere Nachhaltigkeitsthemen werden kritisch erörtert.

Neugierig geworden? Nähere Informationen sowie eine Anmeldemöglichkeit finden Sie nachfolgend.

 

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