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So skrupellos frisierten Ex-Allianz-Manager offenbar Fondskennzahlen

Das Drama um die Hedgefonds von Allianz Global Investors entpuppt sich als regelrechte Räuberpistole. Drei ehemalige Portfoliomanager manipulierten den Ermittlern zufolge ungeniert Kennzahlen. Für die Allianz-Tochter wiederum wirft der Skandal die Frage nach einer Fusion auf.

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© JHVEPhoto / stock.adobe.com

Was der Chef des US-Wertpapieraufsicht SEC, Gary Gensler, der Öffentlichkeit präsentiert, klingt wie aus einem Kriminalroman: dreist manipulierte Kennzahlen, konspirative Treffen auf einer verlassenen Baustelle sowie ein vermeintlicher Besuch der Toilette, der zur Flucht genutzt wird. Doch all dies trug sich bei dem Debakel rund um die Structured-Alpha-Strategien von Allianz Global Investors zu. Der Fall weitete sich zu einem Skandal aus, führte zur Verbannung des Fondsanbieters vom US-Markt und brockte der Muttergesellschaft Allianz einen Schaden in Höhe von rund sechs Milliarden US-Dollar ein. Aktionärsvertreter zeigen sich erschrocken, dass die Allianz so lange offenbar nichts von den Vorgängen bemerkt hat.

Die Structured-Alpha-Fonds warben unter institutionellen Investoren mit einer ausgefeilten Risikoabsicherung, die über ausgeklügelte Optionsstrategien erfolgte. Doch den drei Portfoliomanagern dämmerte 2015, dass die mehrfachen Sicherungslinien immer teurer wurden. Sie standen vor der Wahl: eine geringere Rendite hinzunehmen oder günstigere Absicherungen einzugehen. Den Fahndern zufolge entschieden sich die Ex-Allianz-Manager für letzteres – ohne die Investoren darüber zu informieren.

Zahl vor dem Komma halbiert
Den Ermittlern zufolge tischten die drei Beschuldigten dann ungeniert Lügen auf, um Verluste zu verstecken. Dabei "manipulierten sie zahlreiche Finanzberichte und andere Informationen, die den Anlegern zur Verfügung gestellt wurden, um das Ausmaß des wahren Risikos von Structured Alpha und die tatsächliche Performance der Fonds zu verschleiern", meint die SEC.

Die dabei an den Tag gelegte Unverfrorenheit überraschte selbst die hartgesottenen Ermittler. So sollen die Manager in einem Risikoreport für die Anleger mögliche Verluste in einem Crash-Szenario von minus 42,1505 auf minus 4,1505 Prozent reduziert haben – "einfach indem sie die Zwei weggelassen haben". In einem weiteren Beispiel sollen sie Verluste von minus 18,26 auf minus 9,26 Prozent "geglättet" haben, indem sie die Zahl vor dem Komma halbierten.

Auf die Toilette – und getürmt
Im Zuge des Marktverfalls durch die Corona-Pandemie ließen sich die Verluste jedoch nicht länger verheimlichen. Die Manager verloren ihren Job, die Strategien wurden eingestellt. Die Anleger, meist US-Pensionsfonds, klagten auf Schadenersatz. Die Ermittlungen von SEC und Staatsanwaltschaft förderten manche Kuriosität ans Licht. So trafen sich angeblich zwei der Beschuldigten auf einer verlassenen Baustelle, um ihre Aussagen gegenüber der SEC abzustimmen. Der dritte Manager wiederum nutzte während einer Befragung durch die Behörden einen vermeintlichen Gang zur Toilette, um zu türmen.

Mittlerweile stellten sich alle Verdächtigen, zwei bekennen sich schuldig und kooperieren mit den Ermittlern. Die Anwälte von einem der Manager entgegnen hingegen den Vorwürfen, die Anklage sei ein "wenig durchdachter Versuch der Regierung, die Auswirkungen der beispiellosen, durch Covid verursachten Marktverwerfungen vom März 2020 zu kriminalisieren", berichtet die Nachrichtenagentur "Bloomberg". Die Verluste seien bedauerlich, jedoch "nicht das Ergebnis eines Verbrechens".

Wie geht es für Allianz GI weiter?
Allianz GI wiederum bekannte sich des Wertpapierbetrugs für schuldig und zahlt eine Milliardensumme an geschädigte Investoren und Bußgelder, um den Fall beizulegen. Das Unternehmen selbst habe keine Rolle bei dem Betrug gespielt, betont das Haus gegenüber "Bloomberg". Die Manager hätten "isoliert" gehandelt und "schwerwiegende Verfehlungen" begangen. In der Folge bleibt die Tochter des Versicherers jedoch für zehn Jahre vom US-Geschäft ausgeschlossen. Dieses gibt die Gesellschaft an den US-Fondsanbieter Voya Investment Management ab.

In diesem Zuge verliert Allianz GI rund 120 Milliarden Dollar an verwaltetem Vermögen. Damit fehlt dem Anbieter künftig rund ein Sechstel des weltweiten Fondsvolumens von rund 640 Milliarden Euro. Dies nährt Spekulationen um einen Verkauf. In Branchenkreisen werde eine Übernahme durch den deutschen Branchenprimus DWS diskutiert, kolportiert das "Handelsblatt". Die Deutsche-Bank-Tochter zeigte sich zuletzt offen für Zukäufe. Auch eine Fusion mit der anderen Asset-Management-Tochter der Allianz, Pimco, wird ins Spiel gebracht. Dies gelte jedoch unter Investoren wie Insidern als unrealistisch, berichtet das "Handelsblatt". (ert)

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