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So sieht Peter E. Hubers Anlagepolitik im Börsenjahr 2021 aus

Der Altmeister und sein Team nutzen steigende Aktienkurse zu einer schrittweisen Reduktion der Aktienquote auf 70 Prozent, die man langfristig aber beibehalten will, denn die Bewertungsmodelle ergeben ein solides langfristiges Aufwärtspotential. Zudem konzentriert man sich auf Value-Aktien.

Peter E. Huber
Altmeister Peter E. Huber, der wieder ins Fondsmanagement zurückgekehrt ist, 
nimmt sich kein Blatt vor den Mund und spricht Klartext: Europa sieht er in den Sozialismus abgleiten, während in Asien Marktwirtschaft zu finden ist.
© Christoph Hemmerich / Institutional Money

"Unsere Anlagen in Asien werden verstärkt und in Europa reduziert. Wir erhöhen unseren Bestand an Xetra-Gold auf zehn Prozent unseres Portefeuilles. Von Kryptowährungen lassen wir die Finger, da deren Entwicklung uns Rätsel aufgibt. Auch Anleihen stellen ein erhebliches Anlagerisiko dar und ergeben bei den historischen Rendite-Tiefstständen keinen Sinn", fasst Peter E. Huber, Fondsmanager und Partner der in Bad Homburg ansässigen Vermögensverwaltung Taunus Trust, die wesentlichen Punkte zusammen.

2020 hatte es in sich
"In unserer Modellrechnung aus dem Dezember 2019 gingen wir von einem DAX-Stand von 14.500 auf Sicht von zwölf Monaten aus. Ich persönlich hätte mir sogar Werte zwischen 15.000 und 16.000 vorstellen können. Doch wie so oft bei kurzfristigen Prognosen kam mit der Corona-Pandemie etwas Unvorhersehbares dazwischen. Unsere Kursziele werden deshalb voraussichtlich erst in diesem Frühjahr erreicht", resümiert Huber.

Ansonsten lief alles so ab wie in den letzten zehn Jahren auch
Hoch bewertete Märkte (USA/ S&P 500) wurden noch teurer, niedrig bewertete Märkte (Europa/ EuroStoxx 600) wurden noch preiswerter. Das Gleiche gilt für hoch bewertete Aktien à la Tesla gegenüber preiswerten Titeln à la BMW. Erstaunlich war allerdings die enorme Lücke, die sich zwischen der Entwicklung von Wachstums- und Substanzaktien auftat. So stieg der MSCI Welt-Aktienindex Growth um 23,3 Prozent, während der MSCI Welt-Aktienindex Value um 8,4 Prozent nachgab – jeweils auf Euro-Basis. Im Frühjahr waren die Abschläge bei den Substanzwerten sogar noch deutlich stärker. Huber dazu: "Dies hatte einen negativen Einfluss auf unsere Anlageergebnisse, da Value-Aktien und Turnaround-Situationen das traditionelle Jagdgebiet für Antizykliker bilden."

Entwicklung MSCI World Growth gegenüber MSCI World Value

Wie wird das Börsenjahr 2021?
Für 2021 scheint auf den ersten Blick eine Prognose relativ einfach, denn die trendbestimmenden Indikatoren laufen alle in die gleiche Richtung. Die Notenbanken feuern Liquidität aus allen Rohren und die Geldmengen explodieren. Die riesigen Fiskalprogramme zur Überwindung der Corona-Krise werden langsam konjunkturwirksam. Und die Unternehmensgewinne dürften sich von der massiven Rezession aufgrund der Lockdowns erholen. Nachholeffekte und Kostensenkungsprogramme sorgen genauso dafür wie die gute wirtschaftliche Entwicklung in Asien. Entsprechend optimistisch in seltener Eintracht ist die Stimmung der Anleger. Das eröffnet Raum für Überraschungen!

Hubers Prognosemodelle beruhen auf Bewertungsfaktoren wie Shiller-KGV und KBV
"Beide Indikatoren haben sich für lange Zeiträume (12-15 Jahre) als sehr zuverlässig erwiesen", weiß Huber. "Kurz- und mittelfristige Prognosen beruhen auf Ableitungen davon und bieten bestenfalls grobe Anhaltspunkte. Aus unserer Kapitalmarktforschung wissen wir, dass es keine Indikatoren gibt, die den Börsentrend auf Sicht von ein bis zwei Jahren exakt anzeigen können. Dies ist auch logisch, sonst wären die jährlichen Prognosen der verschiedenen Marktteilnehmer (Banken, Vermögensverwaltungen) deutlich zuverlässiger."

Profis fast einhellig leicht positiv gestimmt 
Gemäß einer Umfrage unter 23 Banken und Vermögensverwaltern (FAZ vom 24.12.) erwarten die Profis per Ende des Jahres im Schnitt einen DAX-Stand von 14.476. In seltener Einmütigkeit sieht nur ein Teilnehmer einen DAX unter 14.000 Punkten. Gegenüber dem Erhebungszeitpunkt entspricht das einem Zuwachs von 6,8 Prozent.

Huber sagt dazu: "Dies lässt angesichts der idealen Rahmenbedingungen doch auf eine gewisse Vorsicht schließen. In den USA sind die Stimmungsindikatoren dagegen bereits im überhitzten Bereich, der zur Zurückhaltung mahnt. Angesichts der aktuellen Corona-Zahlen scheint man allgemein davon auszugehen, dass die Zulassung verschiedener Impfstoffe zu einem Game-Changer wird und wir im Verlauf des Jahres wieder zu einem normalen Leben zurückkehren können. Sollte sich diese Erwartungshaltung nicht erfüllen oder bei den Impfstoffen sogar negative Nebenwirkungen auftreten, würde dies wahrscheinlich zu deutlichen Rückschlägen führen."

Modern Monetary Theory als zentrales Thema
Das zentrale Thema in den nächsten Monaten und Jahren werde aber sein, dass immer mehr Staaten der Modern Monetary Theory (MMT) huldigen, so Huber weiter. Vorreiter sei Japan, wo seit längerem exzessiv Geld gedruckt werde, um staatliche Schuldenprogramme zu finanzieren, ohne dass dies den Außenwert der Währung negativ beeinträchtige oder inflationäre Tendenzen erkennbar seien.

Vorbild Japan
Auch 2021 sollen 41 Prozent der Haushaltsausgaben über Schulden finanziert werden. Neue Staatsanleihen in Höhe von 43,6 Billionen Yen werden ausgegeben und von der Notenbank aufgekauft, die die Zinsen gleichzeitig auf einem rekordtiefen Niveau nahe null Prozent hält. Finanziert werden damit vorwiegend Sozialversicherungsausgaben wie Renten- und Gesundheitskosten sowie Corona-Pandemie-Hilfen. Japan ist heute mit einer Verschuldung von 266 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung das am höchsten verschuldete Industrieland. 

Inzwischen haben die meisten westlichen Staaten diese Strategie adaptiert
Sie haben ihre Geld- und Fiskalpolitik in historisch beispiellosem Ausmaß ausgeweitet. Die Staatsverschuldung in den USA ist letztes Jahr um mehr als vier Billionen US-Dollar gestiegen. Und in Europa hat der EZB-Rat in seiner Dezember-Sitzung das „Pandemie-Notfallankaufprogramm“ (PEPP) um 500 Milliarden Euro auf insgesamt 1.850 Milliarden Euro aufgestockt und kauft damit alle Neuschulden der EU-Mitgliedstaaten in 2021 auf. Wobei die Zinsen ebenfalls bei nahe Null oder sogar darunter gehalten werden. "Anders als in China, wo staatliche Ausgabenprogramme in Infrastrukturprojekte fließen (Straßen, Brücken, Universitäten, Schulen, Häfen, Eisenbahnen, Flugplätze) und Japan, wo wenigstens ein Teil der Notenbanktransaktionen in  den Ankauf von Produktivvermögen (Aktien) investiert wird, sind in Europa und den USA die Ausgabenprogramme fast ausschließlich unproduktive Sozialtransfers", so Hubers schonungslose Diagnose. 

Rekord-Weltverschuldung
Die Verschuldung in der Welt ist inzwischen auf den Rekordwert von 277 Billionen US-Dollar gestiegen, was 365 Prozent der jährlichen globalen Wirtschaftsleistung entspricht. Dieser Schulden-Tsunami müsste eigentlich Inflation auslösen.

Steigende Verschuldung der Welt seit 2013 in Millionen US-Dollar und in Prozent des BIP

(Quelle: IIF)

Die Inflation kommt zurück
In Europa sind die harmonisierten Verbraucherpreise im November um 0,3 Prozent gefallen. Die meisten Experten erwarten denn auch, dass die Inflation weiter niedrig bleibt. Huber ist hier anderer Ansicht: "Es wird übersehen, dass sich nach einer langen Periode sinkender Preissteigerungsraten bereits ein Paradigmenwechsel abzeichnet. Eine klassische Lohn-Preis-Spirale steht uns nicht bevor, da das Angebot an Gütern des täglichen Bedarfs die Nachfrage bei weitem übersteigt. Doch die Verlagerung der Produktion in Billiglohnländer scheint ihren Höhepunkt überschritten zu haben. Lieferketten werden neu organisiert, um sie sicherer zu machen. Die Rohstoffpreise steigen bei anziehender Weltkonjunktur. Die staatlich administrierten Preise wie etwa die CO2-Bepreisung ziehen ebenfalls an. Mehr Inflation wollen auch die Notenbanken, weil sie nur durch „financial repression“ noch die Last der steigenden Staatsverschuldung mildern können. "

Die Vermögenspreise (Immobilien, Aktien, Kunst) steigen schon seit längerem, und auch bei den Lebenshaltungskosten wird es tendenziell eine Trendumkehr geben. Auf lange Sicht wird sich das Zentralbankgeld seinem inneren Wert annähern – und der liegt bei null. Die Aufwärtsbewegung bei Gold und Bitcoin spiegeln dies bereits wider, denn sie müssen „geschürft“ werden und sind nicht beliebig per Knopfdruck vermehrbar.

Spreu und Weizen am Aktienmarkt
Die Aktienmärkte hängen wie Heroinsüchtige an der Nadel der exzessiven Geldvermehrung durch die Notenbanken und der Stimuli durch die staatlichen Ausgabenprogramme, und dies bei immer weiter abnehmenden wirtschaftlichen Wachstumsraten. Hubers Befund: "2021 dürfte es allerdings zu einer deutlichen Gewinnerholung bei den Unternehmen kommen, was vor allem den konjunktursensiblen Value-Aktien zugutekommen sollte. US-Aktien sind nach der phänomenalen Aufwärtsentwicklung der letzten zehn Jahre inzwischen teuer, zumal diese Aufwärtsentwicklung durch massive Aktienrückkaufprogramme verursacht wurde und sich die Unternehmensbilanzen deutlich verschlechtert haben."

Europa am Weg in den Sozialismus
"In Europa stellen wir einen Wandel von einer sozialen Marktwirtschaft in eine sozialistische Planwirtschaft fest, die zudem von einer wachsenden Bürokratie belastet wird. Statt Wohlstandsmehrung steht die Wohlstandsverteilung an erster Stelle", analysiert Huber treffsicher. Allein in Asien sei noch echtes marktwirtschaftliches Wachstum erkennbar, und viele Aktien seien niedrig bewertet. (kb)

 

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