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sentix ortet gefährliche Blase am Anleihenmarkt und geht short

sentix misst eine gefährliche Selbstüberschätzung vieler Investoren am Rentenmarkt und glaubt, dass die Bondhausse bald zu Ende geht. Aufgrund des derzeit am Rentenmarkt beobachteten ‚greater fool‘-Syndroms wechselt der Asset Manager auf die Shortseite.

Patrick Hussy, sentix
Patrick Hussy, sentix
© sentix

Am Anleihemarkt drohen nach Einschätzung von Patrick Hussy massive Kursverluste. „Nie zuvor waren Bundesanleihen so teuer und so riskant wie aktuell“, erklärt der Fondsmanager von sentix Asset Management und Geschäftsführer der auf Sentimentanalyse und Behavioral Finance spezialisierten sentix. Gemäß der sentix-Positionierungsdaten sind Anleger so hoch in Anleihen investiert wie zuletzt 2008. „In ihrem Allmachtsglauben an die Notenbanken haben sie sich den Rentenmarkt neu erschlossen und unterliegen nun entweder einer spekulativen Übertreibung – oder sie vertrauen ihr Geld Staaten an, die sich schon bald massiven ökonomischen Problemen gegenübersehen.“

Short im Bund-Future, Gold verkauft
Sentix hat in seinem Multi-Asset-Fonds sentix Risik Return -M- Fonds in dieser Woche daher den Rentenbestand abgesichert und Short-Positionen im Bund-Future aufgebaut. Gleichzeitig wurde die Schwäche am Aktienmarkt für kleinere taktische Aufstockungen von Aktien genutzt, auch wenn der Fonds im defensiven Bereich bleibt. Komplett abgebaut wurde nach dem rasanten Goldpreisanstieg die Goldposition.

Garantierte Verluste
Die Renditen von sicheren Anleihen wie Bundesanleihen oder US-Treasuries fallen immer weiter: Seit Jahresanfang ist zum Beispiel die Rendite zehnjähriger Bunds von plus 0,24 Prozent auf minus 0,71 Prozent im Tief vergangene Woche zurückgegangen, die von dreißigjährigen von plus 0,88 Prozent bis auf minus 0,27 Prozent. Aktuell sind es kaum mehr.

Hussy rechnet vor, was Anleger damit derzeit verlieren: „Eine unverzinste Bundesanleihe mit Fälligkeit im August 2029 kostet aktuell 107 Prozent, so dass bereits bei Kauf ein garantiertes Minus von 7 Prozent für den Anleger feststeht.“ Hinzu komme die Inflation von 1 bis 2 Prozent im Jahr. „Mit Bundesanleihen wird man binnen zehn Jahren also locker 15 bis 20 Prozent verlieren – mit Bundesgarantie.“

Bei dreißigjährigen Anleihen, die mittlerweile ebenfalls Negativrenditen aufweisen, stelle sich bei einer durchschnittlichen Inflation von 1,5 Prozent nach 30 Jahren ein Minus von 37 Prozent ein. Für einen Daueranleger in Bunds bedeute das aktuelle Umfeld somit einen garantierten Kapitalverlust. „Nicht nur der Tod ist sicher, sondern auch der fehlende Ertrag“, bemerkt Hussy.

„greater fool“-Syndrom beobachtet
Es gebe nur zwei Gründe, solche Anleihen zu halten: „Entweder sind Anleger Opfer einer spekulativen Übertreibung und unterliegen dem ‚greater fool‘-Syndrom.“ Das bedeutet, dass sie überteuerte Assets kaufen, weil sie glauben, diese zu noch höheren Preisen an einen anderen „Narren" weiterverkaufen zu können. Oder der Markt habe doch recht und gebe Hinweise auf kommende größere Verwerfungen. „Dann läge zwar keine Blase bei Bonds vor, aber ein massives Risikosignal.“ In diesem Fall stünden die Stabilität des Finanzsystems, die Zukunft der Banken- und Versicherungsbranche sowie die Ertragskraft der Unternehmen im Risiko.

Allerdings rechnet der Fondsmanager damit eher nicht. „Uns scheint es sehr wahrscheinlich, dass es zu einer Umkehr in der Politik und damit zu wieder steigenden Staatsverschuldungen kommen wird, auch in Deutschland“, bemerkt Hussy mit Blick auf mögliche Verwendungsfelder von Staatsgeldern in den Bereichen Klimawandel, Flüchtlingskrise und Rezessionsbekämpfung. Dadurch werde sich das Angebot an Anleihen wieder erhöhen und die Wahrscheinlichkeit für Inflation steigen. „Auch in diesem Szenario wären spürbare Zinssteigerungen und entsprechende Kursverluste am Anleihenmarkt zu erwarten.“

Durch die von sentix im Fonds vorgenommen Absicherungen soll das Risiko von Kursverlusten in Bondbeständen minimiert und erst bei deutlich höheren Renditen wieder investiert werden. „Bessere Chancen ergeben sich bei Aktien, wobei das Thema Rezession noch nicht ausgestanden ist“, erklärt Hussy. Seit Jahresanfang kommt der Fonds auf ein Plus von 3,6 Prozent, Hussy sieht dies als Beleg für eine Fortsetzung der guten Performance aus dem Krisenjahr 2018. (aa)

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