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Schwellenländer müssen bei der Dekarbonisierung miteinbezogen werden

Peter Eerdmans, Head of Fixed Income bei Ninety One, beschäftigt sich dieses Mal mit dem Netto-Null-Ziel bei Anleihen mit speziellem Fokus auf den Schwellenländern und dem von Ninety One entwickelten Net Zero Sovereign Index.

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Peter Eerdmans, Head of Fixed Income bei Ninety One
© Ninety One (vormals Investec AM)

Nachdem die Vereinten Nationen ihren jüngsten Klimabericht als „Alarmstufe Rot für die Menschheit“ bezeichnet haben, kann es keinen Zweifel mehr daran geben, dass schnell gehandelt werden muss, um den Klimawandel zu begrenzen. Auch die Finanzbranche hat dies erkannt. Viele Vermögensverwalter und Investoren sind dazu übergegangen, sich rein auf berichteten Kohlenstoffemissionen zu fokussieren und Investitionen auszuwählen, die das Portfolio grün aussehen lassen, ohne sich für eine tatsächliche Emissionsreduzierung einsetzen zu müssen. "Schwellenländer müssen bei der Dekarbonisierung miteinbezogen werden", sagt Peter Eerdmans, Head of Fixed Incomebeim Asset Manager Ninety One.

Zwei analytische Ansätze zur Messung der CO2-Intensität
Generell werden zwei analytische Ansätze zur Messung der Kohlenstoffintensität im Portfolio verwendet. Der erste konzentriert sich auf Scope 1 (direkte Emissionen, z. B. aus Büros und Fabriken), Scope 2 (Emissionen aus eingekaufter Energie) und die bekanntermaßen schwer zu berechnenden Scope 3-Emissionen (alle anderen Emissionen, einschließlich der Emissionen, die in der Lieferkette bei der Nutzung und Entsorgung eines Produkts entstehen). Der zweite Ansatz ist die Taxonomie für nachhaltige Aktivitäten der Europäischen Union, die ab Januar 2022 für alle börsennotierten Unternehmen mit Sitz in der EU und mehr als 50 Mitarbeitern gelten wird.

Standardisierte Anwendung der Methoden
Diese Methoden der Kohlenstoffmessung werden in der Regel standardisiert angewandt, um Portfolios zu konstruieren, die die schlimmsten Übeltäter ausschließen: Länder und Unternehmen mit hohen Scope-1- und Scope-2-Emissionen einerseits (da die Scope-3-Emissionen technisch noch zu schwierig in großem Maßstab zu aggregieren sind) und Unternehmen, die sich nicht an die Taxonomie anpassen, andererseits. Was die Scope-Methodologie dabei jedoch nicht berücksichtigt ist das Ausmaß, in dem ein Unternehmen sein Geschäftsmodell und beziehungsweise oder seine Strategie auf den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Welt ausrichtet.

Schwierige Transition und deren Finanzierung
"Das lässt sich besonders am Beispiel der Schwellenländer veranschaulichen, die dem Klimawandel überproportional stark ausgesetzt sind. Das akute Risiko bei den beschriebenen Kapitalallokationsmodellen besteht darin, dass den Schwellenländern und den dort ansässigen Unternehmen aufgrund des Status Quo die finanziellen Mittel entzogen werden, die sie für den Übergang zu Netto-Null-Emissionen benötigen" so Eerdmans.

Was ebenfalls nicht vergessen werden sollte
Investoren könnten zudem durch die Einflussnahme auf Unternehmen, die womöglich noch keinen ausgereiften Übergangspfad gefunden haben, einen größeren Einfluss erzielen als bei den ohnehin schon grünen Firmen. Zudem sei angemerkt, dass gerade in den Unternehmen mit noch ausbaubaren Übergangsplänen ein größeres Potential für die Reduktion von Kohlenstoffemissionen schlummert.

Doch wie sollten Asset Manager und Investoren dann vorgehen? 
Eerdmans dazu: "Zunächst einmal sollten sie Kapital für die Finanzierung des Übergangspfades bereitstellen - sowohl in dedizierten Allokationen als auch in der Art und Weise, wie sie den Fortschritt in Bezug auf die Klimaziele in ihren Kernportfolios messen. Dafür brauchen sie bessere Werkzeuge, um entscheiden zu können, was der richtige und faire Weg ist, um ein auf Netto-Null ausgerichtetes Portfolio aufzubauen. Deshalb wurde von Ninety One der Net Zero Sovereign Index entwickelt, um dem wachsenden Bedürfnis von Investoren und Asset Managern nach einem Messinstrument gerecht zu werden, mit dem sie prüfen können, ob ihre Staatsanleihen-Portfolios in Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens stehen und sich auf einem glaubwürdigen Weg zu Netto-Null befinden.

Proprietärer Net Zero Sovereign Index als neues Messinstrument für Govies
Der Net Zero Sovereign Index umfasst 115 Schwellen- und Industrieländer und ist der erste Index, der die gesamte Bandbreite der Schwellenländer abdeckt. Er zielt darauf ab, das Engagement von Staatsanleihen-Investoren gegenüber Regierungen zu unterstützen, um politische Entscheidungsträger zur Verantwortung zu ziehen und positive Veränderungen zu fördern.

Gerade der Bereich Elektrizität bietet hier Potential für Übergangsfinanzierung
Viele Schwellenländer sind bei der Stromerzeugung immer noch stark auf Kohle angewiesen, sodass 25 bis 40 Prozent der gesamten Kohlenstoffemissionen auf fossile Brennstoffe entfallen. Weitere 9 bis 18 Prozent entfallen auf den Verkehr. Da Elektrofahrzeuge ein sauberes Energienetz benötigen, um ihren vollen Nutzen zu entfalten, ist es möglich, durch eine Umstellung auf eine emissionsfreie Stromerzeugung die Gesamtemissionen in vielen Schwellenländern um 40-50 Prozent zu reduzieren. Eerdmans führt aus: "Hierfür müsste allerdings unter anderem das verfügbare Kapital für den Ausbau der erneuerbaren Energien aufgestockt werden sowie ein fairer Übergang für jene Arbeitnehmer und Bevölkerungsgruppen finanziert werden, deren Jobs durch die Abkehr von fossilen Brennstoffen gefährdet sind." (kb)

 

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