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Rohöl: Größter Anstieg in der Geschichte

Am Samstag kam es zu einem Drohnenanschlag auf zwei bedeutende Ölanlagen in Saudi Arabien, den die Huthi-Rebellen für sich reklamierten. Knapp sechs der zehn Millionen Fass Förderung pro Tag wird hier getätigt und sind daher betroffen.

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© James / stock.adobe.com

Der Rohölpreis Brent verzeichnete zur Wochenauftakt den größten prozentualen Kursanstieg seit der Auflage des Kontraktes 1988. In der Spitze schossen die Notierungen um knapp 20 auf 71,95 USD je Fass nach oben, um 10:00 Uhr MEZ waren es 65,60 USD je Fass. Die heftige Marktreaktion ist leicht nachvollziehbar. So traf ein Drohnenangriff am Samstag zwei Ölanlagen Saudi Arabiens von herausragender Bedeutung - das Khurais Ölfeld und die Abqaiq Rohölraffinerie - die zusammen für knapp sechs Millionen Fass Ölförderung pro Tag und damit für rund 60 Prozent der Gesamtförderung des Landes bzw. rund füfn Prozent des weltweiten Bedarfs stehen.

Zur weiteren Einordnung berichten die Experten der BayernLB, dass China und Indien in den ersten acht Monaten dieses Jahres die Erdöleinfuhr aus Saudi Arabien um 2,3 Millionen Fass erhöht haben, nachdem der Iran von den USA mit Sanktionen überzogen wurde und als Lieferant ausfiel.

Rohölpreis Brent mit sehr kräftigem Sprung zu Handelsbeginn
10 Minuten Werte, Hochkurse

Quelle: Bloomberg, BayernLB Research

Gegenmaßnahmen der USA und weitere Anschläge?
Der Drohnenangriff und der damit verbundene deutliche Anstieg des Rohölpreises löst natürlich unweigerlich die Frage aus, wie es nun weitergeht? Keine Frage, der Anschlag ist einer historischen Ausmaßes, gemessen an der Förderung und Verarbeitung der beiden oben genannten Ölanlagen. Rund fünf Prozent der Ölförderung Saudi Arabiens kann nicht von anderen Ländern aufgefangen werden, auch von den USA nicht, wissen die Epxetren der BaayernLB. Länder, die dazu noch am ehesten in der Lage wären, sind dazu entweder aktuell nicht imstande (Venezuela) oder mit Sanktionen überzogen (Iran). Von daher sei davon auszugehen, dass sich der Ölpreis nur dann wieder auf das Niveau von vor dem Anschlag zurückbilden wird, wenn die Reparaturen vollständig abgeschlossen sind.

Historische Vergleiche sind immer schwierig
Aber Libyen (2011) oder die Iran-Sanktionen (2018) liefern einen groben Anhaltspunkt. Damals war es so, dass der Ölpreiseffekt umso stärker war, je länger der Förderausfall andauerte. Eine nur kurze Unterbrechung dürfte daher den Rohölpreis zwischenzeitlich nicht mehr als fünf IS-Dollar je Fass erhöhen. Je länger sich die Arbeiten hinziehen (mehr als 3 Monate), desto größer ist der Preiseffekt (bis zu 15 US-Dollar auf 75 US-Dollar je Fass). Den Preis entlastend wirkt zwar, dass die weltweite Erdölnachfrage aufgrund der konjunkturellen Schwächephase, die voraussichtlich auch 2020 anhält, anämisch ist und bleibt. Zudem könnten die USA einen Teil ihrer strategischen Erdölreserven im Umfang von 630 Millionen Fass freigeben, und die OECD-Lagerhallen sind sehr gut gefüllt.

Die USA haben aber bereits durchklingen lassen, dass sie nicht die dem Iran nahestehenden Huthi-Rebellen, sondern den Iran selbst für den Anschlag verantwortlich machen. Das bedroht die zuvor geschürte Hoffnung auf eine Annäherung, die durch die Entlassung des Sicherheitsberaters Bolton geschürt wurde. Darüber hinaus ist es keineswegs sicher, dass es nicht zu weiteren Anschlägen wie am Samstag kommt.

Auswirkungen vor allem am kurzen Ende der Kurve – noch?
Terminpreise von Rohöl Brent in US-Dollar je Fass

Quelle: Bloomberg, BayernLB Research

Fazit: Erdölpreisprognose mit Aufwärtsrisiken
Keine Frage, der Anschlag in Saudi Arabien und die damit verbundenen Reaktionen hat die Risikoprämie auf Rohöl spürbar erhöht, schreiben die Experten der BayernLB. UNd weiter: "Die weitere Entwicklung hängt natürlich davon ab, ob sich die Lage wieder zügig beruhigt oder ob eine weitere Eskalation bevorsteht. Dies kann derzeit von niemandem verlässlich antizipiert werden. Demzufolge halten sich externe Analysten auch mit diesbezüglichen Vorhersagen und Prognoseänderungen zurück. Ähnlich halten wir es. Aus fundamentaler Sicht gibt es keinen Grund, von unserer Ölpreisprognose von 60 US-Dollar je Fass abzurücken, zumal die IEA letzte Woche die OPEC noch vor einer Ölschwemme warnte. Gleichwohl dürfte der Markt nun eine erhöhte Risikoprämie in den Ölpreis einbauen, die sich zwar zunächst vor allem auf das kurze Ende der Ölpreiskurve konzentriert, sich aber immer mehr auf längere Laufzeiten ausdehnt, je länger sich die Lage im Nahen und Mittleren Osten nicht beruhigt. Abschließender Hinweis: Es bedarf sicher nicht extra der Erwähnung, dass für die Weltwirtschaft ein abrupter und dauerhafter Ölpreisanstieg angesichts des negativen Ausblicks zur Unzeit kommen würde." (kb) 

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