Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:

News Übersicht

Globale Aktien: Hilft Disziplin bei der Beherrschung fundamentaler Risiken?

Ad

Institutional Money Kongress: Klaus Petersen, Portfolio Manager Macquarie ValueInvest Global Equity, wird Ihnen darlegen, wie man „bottom-up“ mit gezielter und gut strukturierter Einzeltitelauswahl langfristig attraktive Renditen erzielen kann.

Anzeige
| Vermischtes
twitterlinkedInXING

RBC-GAM-Manager: "Viele von uns haben einen schlechten Job gemacht"

Das zur Royal Bank of Canada gehörende RBC Global Asset Management, der größte Vermögensverwalter Kanadas, stellt in Deutschland, Österreich und der Schweiz das Geschäft auf neue Beine. Überzeugen will man Kunden unter anderem mit einem kompromisslosen Zugang zum Begriff "aktives Management".

Simon Gregory
Simon Gregory, Fondsmanager bei RBC Global Asset Management: "Jede noch so kleine Finanzinformation ist heute binnen einer Sekunde am Markt und durchanalysiert. Man steuert nicht viel bei, wenn man sich darauf stützt."
© RBC GAM

RBC GAM, eine Tochter der größten kanadischen Bank RBC, bemüht sich seit einigen Monaten ausdrücklich um einen neuen Zugang zu den Märkten der DACH-Region. Vergangenen April holte das Unternehmen mit dem langgedienten Vertriebsprofi Roland Schmidt erstmals einen Spezialisten explizit für den deutschsprachigen Raum.

Bis dahin waren Deutschland und Österreich im Rahmen des gesamtkontinentaleuropäischen Engagements abgedeckt worden. Wobei hier vorwiegend eine Betreuung vermögender Kunden beziehungsweise von Family Offices stattfand – RBC GAM setzt in diesem Bereich seit langem auf die Expertise und auf die Verbindungen des mit zahlreichen europäischen Adelshäusern verwandten Kanadiers Hermann von Leiningen.

Großanleger vergab Mandat
Was nun die neue DACH-Strategie betrifft, habe man kürzlich ein großes Mandat im höheren dreistelligen Millionenbereich in der Region gewonnen, so Schmidt. Bei weiteren "Schönheitswettbewerben" gab es ebenfalls positive Rückmeldungen. Der Fokus liege vorerst auf Wholesale und institutionellem Geschäft, es stehen aber auch Retail-Anteilsklassen zur Verfügung.

Punkten will man etwa mit einer strengen Auslegung von aktivem Management. Fundamentale Daten treten in den Hintergrund, investiert wird – salopp formuliert – auf Basis von Aspekten, die ein Computer nicht analysieren könnte, wie Simon Gregory, Mitglied des Investmentteams des Global Equity Focus Fund, erklärt. Was das Thema betrifft, geht er mit seiner Zunft hart ins Gericht.

"Ein aktiver Manager sollte sich auf so etwas nicht einlassen"
"Wenn ich über die aktiven Stockpicker als aggregierte Gemeinschaft nachdenke, dann haben viele von uns einen schlechten Job gemacht. Sie haben nicht die versprochene Leistung abgeliefert und nicht ihre Benchmarks geschlagen, insbesondere nach Gebühren", sagte der Fondsmanager im Gespräch. Der Grund liege darin, dass sich etliche Kollegen trotz der massiven Abflüsse von Anlegergeld in passive ETFs nicht aus der Komfortzone herausbewegt haben, in der man vor 20 oder 30 Jahren mit Pauschalstrategien noch gutes Geld machen konnte.

"Cash zu halten bei fallenden Märkten und voll investiert sein bei Wachstum, oder Top-Down-Entscheidungen wie 'Small Caps unterbewerten', das kann heute keine Option mehr sein für einen aktiven Manager", so Gregory. Schließlich könne man die gesamte Themenpalette von Value über Momentum bis Technologie auch über einen ETF kaufen. "Ein aktiver Manager sollte sich auf so etwas nicht einlassen", meint Gregory.

Sein Team habe – zumal rund um das Auftauchen der günstigeren passiven Strategien, die so häufig aktive Portfolios outperformen – den Fokus bewusst geschärft: "Für uns wird es erst interessant bei Faktoren, die das Geschäft in der Zukunft beeinflussen, die aber nicht im Finanzbericht zu sehen sind", so Gregory. Dazu zählen Aspekte wie Investitionen in die Mitarbeiter, Kundenbasis, Kundenservice, Produktpaletten, Investitionen in Wissenschaft und Technologie, mögliche Relevanz in der Zukunft, gesellschaftliche Berechtigung für das Geschäftsmodell oder Anreize für das Management. "Unternehmen, die darauf gute Antworten geben können, sind schwer zu finden, sie sind vom Markt regelmäßig entweder schlecht gepreist oder sie werden ignoriert. Uns verschafft das Vorteile", so Gregory.

Deutsche Post statt Facebook
Momentan zählen Danaher Corp, United Health und Roche zu den Top-Holdings im Global Equity Focus Fonds. Aber auch eine Deutsche Post ist unter den Top-10 zu finden. Ein großer Teil der Unternehmen, die vordergründig exzellent aussehen, wird aber aussortiert. Facebook ist etwa nicht im Portfolio: "Die Einkünfte aus dem Geschäft sind hervorragend. Aber wir hatten immer Bedenken, weil das Businessmodell sehr davon abhängt, Daten von Kunden zu verkaufen. Dazu kommt das System von Likes und Not-Likes, das emotionalen Druck erzeugt. Das 'S' von ESG war da aus unserer Sicht ein zentrales Risiko, das nicht richtig eingepreist ist. Wir haben gesagt, früher oder später wird sich das auswirken."

Ein aktives Aktien-Management habe nur dann eine Berechtigung, wenn es Unternehmen abseits eines Finanzberichts so weit analysieren kann, dass daraus die richtigen Schlüsse für die Zukunft gezogen werden. "Jede noch so kleine Finanzinformation ist heute binnen einer Sekunde am Markt und durchanalysiert. Man steuert nicht viel bei, wenn man sich darauf stützt", so Gregory. Außerdem seien Margen und Co. nur das Ergebnis dessen, was vor vielen Jahren investiert wurde: "Reduktionen bei der Investition in Mitarbeiter wirken anfangs ja positiv auf die Margen. Aber dann gehen die besten Leute, die schlechtesten bleiben, und auch die sind unzufrieden. Und als nächstes laufen dann die Kunden davon."

Keine Sorgen wegen kurzfristiger Effekte
So aufwändig die Beurteilung der Unternehmen für aktive Manager ist, so locker kann man offenbar bezüglich der globalen Wirtschaft bleiben. Brexit oder Handelskriege beunruhigen Gregory für das Jahr 2019 nicht sonderlich. "Wir schauen wirklich nicht zu viel auf die Makro-Ebene", sagt er. Natürlich könne der Brexit das Vertrauen der Konsumenten erschüttern. "Aber wir glauben sehr stark an den Erfindergeist. So viele Probleme es auch gibt, so viele Lösungen gibt es".

Und diese würden wiederum eine Investmentchance darstellen. Gregory verweist hier auf das erfolgreiche iPhone, das Apple während der Finanzkriese lanciert hatte: "Man sieht, egal, was am Finanzmarkt passiert, gute Geschäftsmodelle bestehen weiter", sagt der RBC-GAM-Mann abschließend. (eml)

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen