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Private Equity-Rekordlauf hält trotz abkühlender Konjunktur an

2014 bis 2019 sind die bislang besten Jahre in der Private-Equity-Geschichte. Allein Buy-out-Fonds haben 2019 551 Milliarden US-Dollar investiert. Immer häufiger sind börsennotierte Unternehmen das Ziel. Das Fundraising ist nahe am Allzeithoch, 2019 flossen 894 Milliarden US-Dollar in neue Fonds.

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Alexander Schmitz, Partner von Bain Capital in Düsseldorf
© Bain Capital

Handelskonflikte und rückläufiges Wirtschaftswachstum können das Geschäft der globalen Private-Equity-(PE-)Branche vorerst nicht bremsen. Im Gegenteil: Die Branche erlebte zuletzt die besten sechs Jahre ihrer Geschichte. Von 2014 bis 2019 flossen insgesamt rund 3,2 Billionen US-Dollar in Buy-out-Transaktionen, davon allein 551 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr. In ihrem elften "Global Private Equity Report" beleuchtet die internationale Unternehmensberatung Bain & Company die Hintergründe des Rekordlaufs und stellt dar, was die besten Fonds auszeichnet.

Hoher Anlagedruck durch viel "Dry Powder"
Der Rekordlauf manifestiert sich auch in hohen Mittelzuflüssen. 2019 hat die PE-Branche mit 894 Milliarden US-Dollar den zweithöchsten Betrag der vergangenen 16 Jahren eingeworben. Auch die Summe des nicht-investierten Kapitals erreichte bis Ende 2019 mit 2,5 Billionen US-Dollar einen Rekordwert. Das ist mehr als doppelt so viel wie vor zehn Jahren. "Die PE-Branche kann auf ein weiteres sehr gutes Jahr zurückblicken", betont Bain-Partner Rolf-Magnus Weddigen, der die PE-Praxisgruppe im deutschsprachigen Raum leitet. "Doch für diesen Erfolg musste sie schwer arbeiten. Der Anlagedruck ist enorm, der Wettbewerb hart - und die Bewertungen sind höher denn je."

Hohe Bewertungen führen zu sinkendem Buy-out-Transaktionsvolumen
Vor diesem Hintergrund erklärt sich 2019 auch der Rückgang des Buy-out-Transaktionsvolumens um gut zehn Prozent auf 551 Milliarden US-Dollar. Angesichts der starken Konkurrenz, die bei klassischen Zielobjekten herrscht, wird die Übernahme börsennotierter Unternehmen für PE-Fonds zunehmend attraktiver. Im vergangenen Jahr waren acht der zehn größten Buy-out-Transaktionen Public-to-Private-Deals. Ihr Volumen belief sich auf 204 Milliarden US-Dollar.

Günstige Rahmenbedingungen für Exits, verringerte Haltedauer
Die hohen Bewertungen und der harte Wettbewerb haben für die PE-Branche allerdings auch eine positive Seite: Bestehende Beteiligungen lassen sich zu attraktiven Konditionen veräußern. 2019 summierte sich der Wert aller Exits auf 405 Milliarden US-Dollar. Lag die durchschnittliche Haltedauer von Portfoliounternehmen 2014 noch bei sechs Jahren, waren es zuletzt nur noch 4,3 Jahre. Attraktive Exits ermöglichen hohe Ausschüttungen an die Limited Partners. Seit nunmehr neun Jahren übersteigen die Ausschüttungen der Buy-out-Fonds die Einzahlungen.

Weniger Fonds werben mehr Geld ein
Offenkundig beginnt sich am PE-Markt die Spreu vom Weizen zu trennen. Beim Fundraising fließt immer mehr Geld in immer weniger Fonds. 2019 meldeten 238 Buy-out-Fonds ihr Closing, zwei Jahre zuvor waren es noch 388 gewesen. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Fondsgröße um rund zwei Drittel auf 444 Millionen US-Dollar. Bain-Partner und Branchenkenner Alexander Schmitz stellt fest: "Investoren setzen immer stärker auf Buy-out-Fonds mit einer starken Leistungsbilanz und einer fokussierten Strategie."

Bain-Report arbeitet vier Erfolgskriterien heraus
1.            Branchenfokus. Renditestarke Spezialisten kennen ihre Branche, deren Chancen sowie deren Risiken besser als andere und profitieren von diesem Know-how.
2.            Länder-/Deal-Fokus. Andere Fonds konzentrieren sich auf eine Region oder Assetklasse und setzen sich hier gegen jeden Wettbewerber durch.
3.            Wertsteigerung im Portfolio. Branchenübergreifend wissen diese Fonds genau, wie sie den Wert bestimmter Unternehmen steigern können, und folgen einem festgelegten Drehbuch.
4.            Marktmacht. Kapitalkräftige Fonds punkten bei Deals mit ihren umfassenden Ressourcen und meistern selbst komplexeste Transaktionen.

ESG-Berücksichtigung steigt
Nach Überzeugung von Marktkenner Weddigen sind derartig fokussierte PE-Gesellschaften in Zukunft klar im Vorteil. Zudem gilt es, die Themen Umwelt, Soziales und Ethik (Environmental, Social and Governance; ESG) verstärkt zu berücksichtigen: "Jeder Fonds braucht klare ESG-Richtlinien. Impact Investing könnte die Spielregeln im PE-Geschäft in den kommenden Jahren grundlegend verändern", so Weddigen.

Digitale Disruption ist eine weitere große Herausforderung
Im Vorfeld einer jeden Transaktion ist mittlerweile zu prüfen, wie und wann der digitale Wandel die jeweilige Branche trifft und wie sich das Geschäftsmodell des Zielobjekts ändert. Bain-Experte Schmitz sieht das aktuelle Umfeld dennoch als Chance: "In Zeiten des Umbruchs bieten sich immer wieder Gelegenheiten für neue Beteiligungen. Diese können PE-Fonds mit einer fokussierten Strategie nutzen und so auch in einem schwierigeren Umfeld attraktive Renditen erwirtschaften." (kb)

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