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Pimco und andere Bondriesen setzen weiterhin auf die EU-Fiskalunion

Pandemie, Schulden und Italiens Haushaltsprobleme sind für die größten Geldmanager der Welt kein Hindernis, auf Europa zu setzen. Ihr Kalkül lautet: Früher oder später - durch die Pandemie wohl früher - kommt die Fiskalunion in der EU zustande.

Nicola Mai, Credit-Analyst in der Portfoliomanagementgruppe bei Pimco
Nicola Mai, Leiter Analyse europäische Staatsanleihen bei Pimco
© Pimco

Portfolio-Manager bei Pacific Investment Management Co. (Pimco), Axa Investment Managers und AllianceBernstein rechnen damit, dass die Anleihekurse der schwächsten EU-Länder weiter anziehen werden, obwohl die Renditen bereits nahe ihrer Allzeittiefs liegen. In Italien, Europas erstem Epizentrum der Krise, sind die Anleihen wieder auf das Niveau vor dem Lockdown geklettert und die zehnjährigen Renditen liegen mittlerweile unter einem Prozent.

Ein Prozent Rendite ist besser als nichts
Für Anleger, die krampfhaft nach Renditen suchen müssen, gibt es gute Gründe, europäische Vermögenswerte zu kaufen. Die politische Führung hat eine enorme Menge an Anreizen für die Region angestoßen. Und vor dem Hintergrund negativer Renditen bei Bonds im Volumen von etwa 16 Billionen US-Dollar sind geringe Zinsen immer noch besser als gar keine.

Anker schirmt Staatsbilanzen ab
Investoren könne sich auf “einen monetären Anker, der die Bilanzen der Staaten abschirmt” verlassen, sagte Nicola Mai, Leiter Analyse europäische Staatsanleihen bei Pimco, im Talk mit Bloomberg. Der Vermögensverwalter, der 1,8 Billionen Dollar betreut, hat eine „moderate“ Übergewichtung bei italienischen und spanischen Papieren. “Der Bauch der Kurve ist der Teil, in dem wir einen gewissen Wert sehen”, fügte er hinzu und bezog sich auf Anleihen mit einer Laufzeit zwischen fünf und zehn Jahren.

Zuerst Angst, dann Rallye
Peripherie-Staatsanleihen konvergieren mit deutschen nach den März-Verwerfungen

Italienische Anleihen zogen am Dienstag an, die Renditen der zehnjährigen Bonds fielen unter das Fünf-Monats-Tief aus der Vorwoche. Am Mittwoch gaben die Kurse marginal nach. Der Renditeaufschlag gegenüber zehnjährigen Bundesanleihen ist diese Woche um vier Basispunkte gesunken, nachdem er in jedem der letzten drei Monate zurückgegangen ist.

Schuldenlast
Der Kauf von Bonds der europäischen Peripherieländer ist jedoch mit Risiken verbunden. Die Anti-Establishment-Partei Fünf-Sterne-Bewegung ist der größte Partner in der Koalition von Ministerpräsident Giuseppe Conte, und es ist möglich, dass eine populistische Partei mit extremen Ansichten irgendwann mehr Macht erlangt, sagte Mai. Das andere Problem ist die extreme Schuldenlast Italiens. Die Verschuldung des Landes, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, hatte schätzungsweise bereits 150 Prozent überschritten, als die Regierung eine weitere Ausgabenrunde von 25 Milliarden Euro genehmigte. “Was Italien von seinen Nachbarn unterscheidet, sind die schwachen langfristigen Aussichten des Landes - wirtschaftliche Fragilität kann für eine hoch verschuldete Nation besonders katastrophal sein”, schrieb der Bloomberg-Intelligence-Ökonom David Powell jüngst in einem Bericht.

Fiskalunion
Unterstützt wird die optimistische Haltung der Investoren gegenüber europäischen Bonds durch ein wirtschaftliches Hilfspaket in Höhe von 750 Milliarden Euro, das die Anleger als Garantie der stärksten europäischen Länder interpretiert haben, ihr gesamtes Arsenal zur Rettung der schwächsten Mitglieder einzusetzen. Die Spanne zwischen italienischen und deutschen Renditen, ein Maß für das Risiko in Europa, ist seit einem jüngsten Höchststand im März um mehr als 150 Basispunkte gesunken. “Die Anleger hoffen, dass die EU in ‘x’ Jahren wie eine echte Fiskal-, Währungs- und politische Union aussehen wird”, sagte Alessandro Tentori, Chief Investment Officer bei Axa Investment Managers. “Das ist sehr positiv für risikoreiche Vermögenswerte.” 

Zehnjährige Italiener haben noch Renditepotential
Er sagte, Axa habe das Engagement in italienischen Anleihen im Juni erhöht und prognostiziert, dass die zehnjährige Rendite auf 0,75% fallen könnte. Die Tatsache, dass Italien und Spanien immer noch positive Renditen bieten, könnte ausreichen, um Investoren zu locken, nachdem ein Viertel aller Investment-Grade-Bonds eine Verzinsung unter null Prozent aufweist.

Die globalen Märkte “bieten nur ein sehr geringes Ertragspotenzial, was bedeuten sollte, dass mehr Anleger auf das höhere Rendite- und Ertragspotenzial Italiens setzen”, sagte John Taylor, Co-Leiter für europäische festverzinsliche Wertpapiere bei Alliance Bernstein. (kb)

 

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