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Philipp Vorndran, Flossbach: "Der Euro ist mehr Lira als D-Mark"

Der Euro lähmt starke Wirtschaftsnationen, meinen die Flossbach-Strategen Philipp Vorndran und Thomas Lehr. Sie zweifeln die Zukunft der Währungsunion an.

Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege bei Flossbach von Storch
Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege bei Flossbach von Storch
© Christoph Hemmerich / stock.adobe.com

Den Euro gibt es als Buchgeld nun schon seit 20 Jahren. Ob die Währung aber auch ihren 50. Geburtstag er- und überlebt, ist laut Philipp Vorndran und Thomas Lehr, Investmentstrategen beim Kölner Asset Manager Flossbach von Storch, nicht gesichert. "Zweifel sind immer erlaubt. Die Geschichte hat uns gelehrt, dass Währungsgemeinschaften nicht für die Ewigkeit gemacht sind, die Lateinische Münzunion etwa ist ein gutes Beispiel gewesen", sagt Vorndran.

Eine Währungsgemeinschaft habe nur dann Bestand, wenn es auch eine gemeinsame Wirtschafts- und Fiskalpolitik gebe. Das sei in der Eurozone nach wie vor nicht der Fall. Die Einheitswährung verhindert darum laut Ansicht der Strategen, dass Unterschiede zwischen wirtschaftlich stärkeren und schwächeren Mitgliedern über Marktmechanismen ausgeglichen werden können. "Als es noch Schilling, Lira, Peseta oder D-Mark gab, war dieser Mechanismus die Auf- und Abwertung der Währung. Die Italiener beispielsweise haben oft davon Gebrauch gemacht, um über niedrigere Preise an Wettbewerbsfähigkeit zu gewinnen. Der Euro beraubt sie dieser Möglichkeit. Er ist wie ein Gefängnis", meint Vorndran.

Eine gemeinsame Wirtschafts- und Fiskalpolitik ist nach seiner Ansicht auf europäischer Ebene gar nicht umsetzbar. Denn kein EU-Bürger wäre glücklich, wenn er beispielsweise einen Griechenland-Solidaritätszuschlag bezahlen müsse. "Über den Länderfinanzausgleich in Deutschland wird gestritten, seit es ihn gibt. Es wäre zwar schön, wenn es auf europäischer Ebene anders wäre, nur realistisch ist das nicht", sagt Vorndran.

Sparer zahlen die Zeche
Der Euro sei sehr schwach, da er auch hochverschuldete Mitgliedsstaaten tragen muss. Eine Zinserhöhung kommt laut Lehr darum auch nicht in Betracht: "Die Zeche zahlen nicht zuletzt die Sparer, insbesondere in den Ländern, deren Haushalte vergleichsweise solide dastehen." Das lasse den Unmut wachsen, was tragisch sei. "Der Euro ist heute mehr Lira als D-Mark", ergänzt Vorndran. Die Gefahr, dass die Gemeinschaftswährung, die eigentlich als Friedensstifter gedacht war, dadurch zum Spaltpilz wird, sei nicht gerade klein. (fp)

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