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Peter E. Huber: Inflation kommt so sicher wie das Amen in der Kirche

Die Sorge vor wirtschaftlich bedingten Preisflauten ist einfach nicht totzukriegen. Dabei stehen alle Zeichen auf einer baldigen Wiederkehr der Inflation, meint Starcapital-Gründer Peter E. Huber in seinem aktuellen Kommentar.

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Peter E. Huber, Starcapital: "Die Inflationsraten werden in den kommenden Jahren anziehen. Und zwar deutlich stärker als die Zinsen, denn die Notenbanken sind weiter an negativen Realzinsen interessiert."
© FONDS professionell

Starcapital-Gründer Peter E. Huber war sich selten so sicher: Die Inflation kommt! Wer dagegen argumentiert, lässt wichtige Trends unberücksichtigt, wie Huber in der aktuellen Ausgabe seines Kommentars erläutert. (ps)


Seit der Finanzkrise 2008 haben wir immer wieder betont, dass das wirtschaftliche Umfeld – insbesondere in Europa – durch "Nullwachstum, Nullzinsen, Nullinflation“ gekennzeichnet ist, während andere Experten vor Inflationsgefahren gewarnt haben. Inzwischen hat sich allerdings ein Paradigmenwechsel ergeben.

Wir gehen seit einiger Zeit davon aus, dass sich ein konjunktureller Aufwärtstrend etabliert hat, die Zinswende hinter uns liegt und auch die Inflationsraten wieder ansteigen werden. Konkret erwarten wir in vier bis fünf Jahren einen Anstieg der Konsumentenpreise auf über fünf Prozent und ein Renditeniveau bei den zehnjährigen Bundesanleihen, das mindestens zwischen zwei und drei Prozent liegt (heute: 0,3 Prozent). Entsprechend haben wir unsere Rentenportfolios ausgerichtet.

Auch diesmal wird unsere Projektion von den meisten Kapitalmarktexperten massiv infrage gestellt. Und tatsächlich scheint im Augenblick wenig dafür zu sprechen. Die Ölpreise bilden sich bereits wieder zurück, das Lohnwachstum bleibt verhalten, und entsprechend sinken die Renditen am Rentenmarkt genauso wie die Inflationsraten und die Inflationserwartungen. Haben wir uns also geirrt und müssen unsere Ansichten korrigieren?

Nun, wir haben nie von einem schnellen Anstieg der Inflationsraten und der Zinsen gesprochen. Die deflationären beziehungsweise disinflationären Kräfte sind immer noch sehr stark. Warum wir trotzdem bei unserer Überzeugung bleiben, wollen wir nachfolgend nochmals detailliert erläutern.

Never fight the central banks
Der mächtigste Einflussfaktor auf die Entwicklung der Zinsen und Inflation ist die Politik der Notenbanken. Als 1980 steigende Ölnotierungen zum zweiten Mal die Konsumentenpreise in die Höhe trieben, begann die amerikanische Notenbank unter Paul Volcker, die Inflation zu bekämpfen, indem sie einfach die Geldmarktzinsen deutlich über die Teuerungsraten anhob. Diese Politik war sehr wirkungsvoll und wurde praktisch bis 2008 beibehalten. Am Schluss war die Inflation besiegt und es gab teilweise sogar Deflation.

Im Zuge der Finanzkrise 2008 fand ein Wechsel in der Politik der Notenbanken statt. Um deflationäre Gefahren abzuwenden, wurden Tausende Milliarden an neu gedrucktem Geld ins System gepumpt und die Realzinsen unter null gedrückt. Als neues Ziel wurde angegeben, dass man die  Inflationsrate auf zwei Prozent hochtreiben wolle. Auch dieses Ziel wird nicht von heute auf morgen erreicht, sondern ist ein Prozess.

Außerdem ist es eine Illusion, dass die Zentralbanken die Inflation punktgenau steuern können. Vielmehr ist ein deutliches Überschießen der  Inflation zu erwarten, wenn sie erst mal richtig in Schwung kommt. Dazu ist allerdings auch eine deutliche Belebung der bisher moderaten Kreditnachfrage nötig.

Globalisierungseffekte laufen aus
Durch die Globalisierung wurde massiv Produktion in Billiglohnländer verlagert und damit Druck auf die Güterpreise (und teilweise auch auf die Preise für Dienstleistungen) ausgeübt. Verstärkt wurde diese Entwicklung durch die rasante Verbreitung des Internets. Jeder Nachfrager konnte mit wenigen Mausklicks erkennen, wer wo weltweit ein bestimmtes Produkt zum günstigsten Preis anbot.

Gleichzeitig wurden in Niedriglohnländern wie China massiv Fertigungskapazitäten aufgebaut, die in Teilbereichen auch zu einer Überproduktion führten. Dies resultierte letztendlich in einem massiven Druck auf die Produzentenpreise, die in China Ende 2015 bis auf minus sechs Prozent führten. China exportierte also Deflation.

Mit dem Auslaufen der Globalisierungseffekte und dem Abbau von Überkapazitäten hat sich diese Entwicklung normalisiert. Und die Produzentenpreise (als Vorläufer der Konsumentenpreise) ziehen unter Schwankungen wieder deutlich an.

Neuer Rohstoffzyklus
Der deutliche Verfall der Öl- und Rohstoffpreise seit 2011 hat dazu geführt, dass die Energie- und Rohstoffkonzerne ihre Investitionen in die Erschließung neuer Lagerstätten in den letzten Jahren drastisch zurückgefahren haben. Mit der üblichen zeitlichen Verzögerung von mehreren Jahren wird das auch dieses Mal zu einem Abbau des Überangebots und zu steigenden Rohstoffpreisen führen (Stichwort "Schweinezyklus"). Der leichte Konjunkturaufschwung weltweit wird sich positiv auf die Nachfrage auswirken – der Kupferverbrauch beispielsweise liegt beim Bau von Elektroautos deutlich höher als bei der Produktion herkömmlicher Automobile.

Etwas schwieriger ist die Situation beim Erdöl zu beurteilen. Doch sollte man hier berücksichtigen, dass ein Liter Öl heute mit 50 US-Dollar pro Barrel (= 156 Liter) bereits sehr billig ist. Eine Flasche Mineralwasser ist da erheblich teurer. Und die Erschließung neuer Quellen wird immer aufwändiger.

Steigende Löhne und Gehälter
Ein Hauptargument der "Deflationisten“ ist, dass sich die Löhne und Gehälter nur wenig verändern und die für eine Inflationsspirale notwendigen Zweitrundeneffekte daher nicht gegeben seien. Tatsächlich ist das Wachstum der Lohnkosten erstaunlich moderat und liegt in den USA und in Deutschland derzeit nur bei 2,5 Prozent bis 3,0 Prozent.

Dies ist unseres Erachtens allerdings eine Milchmädchenrechnung, denn der Löwenanteil des globalen Wirtschaftswachstums wird seit Längerem von China erbracht. Dort steigen die Lohnkosten seit Jahren mit zweistelligen Zuwachsraten. Und in den USA, Deutschland und Japan herrscht inzwischen praktisch Vollbeschäftigung, und in manchen Bereichen werden bereits die Fachkräfte knapp. Auch dies dürfte allmählich zu steigenden Lohnkosten führen.

Die Inflationsraten werden in den kommenden Jahren anziehen. Und zwar deutlich stärker als die Zinsen, denn die Notenbanken sind weiter an negativen Realzinsen interessiert. Denn nur mit dieser "financial repression“ lässt sich die schwelende Staatsschuldenkrise überhaupt noch wirksam managen. Immerhin sind die Staatsschulden seit der großen Finanzkrise munter um mehr als 50 Prozent weiter gewachsen und nur noch durch "Inflationierung“ in den Griff zu bekommen. Deutschland macht gerade vor, dass die Staaten auch bei einem Wirtschaftsboom mit temporären Haushaltsüberschüssen keinen Gedanken daran verschwenden, auch nur einen Euro für die Rückführung ihrer horrenden Verschuldung einzusetzen. Daran sollte jeder erkennen, woher der Wind weht! 

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