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Replik der Bundespensionskasse zur kritisierten Wienwert-Kooperation

Die Bundespensionskasse ist aufgrund ihrer Kooperation mit dem Wiener Immobilienunternehmen, das derzeit einen Strauß mit der FMA ausficht, in die Schlagzeilen geraten. Die Vorsorgeeinrichtung geht daran, der Kritik den Wind aus den Segeln zu nehmen, und trifft die nötigen Klarstellungen.

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Die österreichische Bundespensionskasse sieht sich aufgrund einer Geschäftsverbindung mit der Unternehmensgruppe „Wienwert“ derzeit Anfeindungen ausgesetzt. Der Grund dafür ist, dass der Luxemburger Immobilienspezialfonds „Wohnen Plus Fonds“, bei dem die Bundespensionskasse der einzige Investor ist, eine Kooperation mit Wienwert abgeschlossen hat. Wienwert war in den letzten Wochen und Monaten aufgrund schwacher Eigenmittelausstattung und vermuteter juristischer Verfehlungen bei der Bewerbung einer Unternehmensanleihe seitens der FMA hart kritisiert worden.

Syndikatsvertrag

Der Wohnen Plus Fonds investiert in Immobilien in deutschen und österreichischen Großstädten, hält aber derzeit nur 50 Prozent an zwei Wiener Immobilien. Die anderen 50 Prozent der Immobilien werden von Wienwert gehalten. Auf den Grundstücken sollen leistbare Mietwohnungen errichtet werden. 

Wienwert werde zukünftig alle ihre Immobilienprojekte ausschließlich gemeinsam mit der Bundespensionskasse finanzieren, beide Syndikatsmitglieder würden jeweils 50 Prozent an den jeweiligen Immobilien-Projektgesellschaften halten, ließ das Unternehmen in einer Presseaussendung vom 9. August 2017 wissen. Deren Titel lautet im Übrigen "Wienwert schließt Syndikatsvertrag mit staatlichen Pensionsfonds aus der Europäischen Union ab". Die Bundespensionskasse wurde nicht expressis verbis genannt, da deren Wunsch nach Publizität enden wollend ist.

Der Fonds ist bei seinen Investments nicht an Wienwert gebunden 

"Keiner unserer Immobilienfonds ist an ein einzelnes Immobilienunternehmen exklusiv gebunden, und es gibt keine Vereinbarung mit Dritten, irgendeine Anzahl von Immobilien zu erwerben. Auch in Wien investieren wir nicht exklusiv mit Wienwert. Unsere Fonds können sich die Unternehmen aussuchen", erklärte Mag. Alexander Hornich, Prokurist der Bundespensionskasse auf Anfrage. 

Wienwert matcht sich mit der Aufsicht 

Die österreichische Finanzmarktaufsicht FMA beäugt derzeit besonders kritisch Wienwert. Die Aufsicht stößt sich daran, dass das Immobilienunternehmen, das für seine hohen Renditeversprechungen in ganzseitigen Inseraten auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt ist, in Anleihenprospekten seine Situation geschönt darstelle und Anlegern nicht klar genug dargelegt werde, dass diese das Risiko der Mutter Wienwert Holding AG mitkaufen. Diese musste ihre Prognosen für ein neuerliches negatives Eigenkapital im Jahr 2016 heuer bereits auf ein Minus von über 27 Millionen Euro nach oben schrauben. Der Grund dafür sind Umstrukturierungen: Aus der vorherigen, ins Schleudern geratenen Wienwert AG wurde die Wienwert Holding AG. Die tatsächliche Bilanz für 2016 wird bis Ende August erwartet. Wegen unrichtiger Prospektangaben könne Wienwert laut FMA eine Verwaltungsstrafe von bis zu 100.000 Euro drohen.

Öffentliche Gelder 

Manche Medien lassen anklingen, dass im Falle einer Schieflage von Wienwert der Wohnen Plus Fonds und damit die Bundespensionskasse Verluste erleiden könnte. Bei der Bundespensionskasse wird aus gutem Grund besonders genau hingeschaut: Denn diese überbetriebliche Pensionskasse steht zu 100 Prozent im Eigentum der Republik Österreich und verwaltete per Ende 2016 rund 789 Millionen Euro für die Zusatzpensionen der Bundesbediensteten sowie der Landeslehrer. Zum Stichtag verwaltete die Bundespensionskasse Konten für 227.670 Dienstnehmer. Neben den begünstigten Dienstnehmern umfasst der Bestand auch leistungsberechtigte Bürger, deren Anzahl jedoch aufgrund der kurzen Laufzeiten noch sehr gering ist.  

Pensionsgelder stehen nicht im Feuer 

Die Pensionskasse stellte in ihrer Aussendung klar, dass keine Pensionsgelder in das Unternehmen Wienwert AG oder WW Holding AG eingebracht würden und dies auch nicht beabsichtigt sei. Des weiten wurde dezidiert betont, dass die Bundespensionskasse in ihrem Anlageportfolio (a) keine Anleihe der Wienwert AG oder der WW Holding AG, (b) keine Beteiligung an der Wienwert AG oder der WW Holding AG und (c) keine sonstige Finanzierung der Wienwert AG oder der WW Holding AG halte. 

Bundespensionskasse hat sich rechtlich abgesichert  

Welche Konsequenzen würde die Bundespensionskasse tragen, wenn Wienwert Pleite ginge? Es gebe "entsprechende vertragliche Vereinbarungen, die garantieren, dass der wirtschaftliche Erfolg unabhängig davon gesichert ist", so Hornich. Typischerweise könnten hinter so einer Formulierung etwa Vorkaufs- beziehungsweise Aufgriffsrechte für die Wienwert-Anteile an den Immobilien-Projektgesellschaften stehen. (aa/eml/kb)

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