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Pensionsfondsriese macht Kotau vor dem Zeitgeist (Kommentar)

ABP, Pensionsfonds der öffentlich Bediensteten in den Niederlanden mit Asset von etwas mehr als 400 Milliarden Euro, trennt sich nach öffentlichem Druck von seinen restlichen Beständen im Wert von zirka 3,3 Milliarden Euro an Tabakaktien und Unternehmen, die ihr Geld mit Nuklearwaffen verdienen.

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© Fotolia

Abgewickelt werden soll dieses "Disengagement" innerhalb eines Zeitraums von einem Jahr, berichtet Reuters. ABP wolle mit diesem Schritt eine Stufe weiter in Richtung einer verantwortliche und nachhaltigen Anlagepolitik gehen, hieß es in einer Mitteilung des Pensionsfonds. Anwartschafts- und Leistungsberechtigte, Arbeitgeber und andere Stakeholder hätten in steigendem Ausmaß ihre Bedenken darüber geäußert, das man in den Bereichen Tabak und Nuklearwaffen investiert sei, weswegen ABP nun aussteige. Die Entscheidung spiegle die neuen Investmentkriterien wider.

Der Zeitgeist regiert ungeniert die Anlagepolitik

Erik van Houwelingen, ABPs Head of Investment Policy, sagte, diese Investments hätten einige Zeit lang ein Dilemma dargestellt und die Entscheidung reflektiere geänderte soziale Vorstellungen, neue Gesetze und Regulierungen. Der Direktor der holländischen Herzstiftung, Floris Italianer, gratulierte im Übrigen ABP zur führenden Rolle, den Tabakkonsum möglichst hintanzuhalten und rief andere Institutionelle dazu auf, es ABP gleichzumachen und Investments in dem todbringenden Sektor zu stoppen. Rauchen sei bei weitem der wichtigste Grund für Krankheiten und Todesfälle in den Niederlanden, 20.000 Tote seien aufgrund des Rauchens und dessen Folgen jährlich im Land zu beklagen. Wie ist das alles einzuordnen?

Ein "Wehret den Anfängen" wurde offenbar versäumt

Nachdem dem Lobbyismus Tür und Tor geöffnet zu sein scheint und der Nanny- und Gouvernanten-Staat immer weitere Bereiche in Anspruch nimmt, ist es nur noch ein Frage der Zeit, bis Vorsorgeeinrichtungen etwa auch Nahrungsmittelaktien verkaufen müssen, sterben doch in Europa hunderttausende an den Folgen von Diabetes und Adipositas. Die von Pressure Groups vielerorts geforderte "Fettampel" zur Sichtbarmachung des Fettgehalts von Lebensmitteln ist dabei der erste Schritt in diese Richtung. Auch Autoaktien werden bald verpönt sein, schließlich kommen Menschen bei Autounfällen zu Tode.

Gedanken wie diese ließen sich für fast alle Sektoren entwickeln. Ein Beispiel für Tech-Aktien gefällig? Auch ein intensiver Gebrauch von Mobiltelefonen und Computern ist schädlich, staatlich verordnete Zwangsabschaltungen die Konsequenz - doch halt, dann funktioniert die Überwachung der Bürger nicht mehr, solange nicht Smart Home-Applikationen flächendeckend eingesetzt werden!

Fazit: Orwell'sche Zeiten sind angebrochen

Asset Allokation und damit verbundene Diversifikation wird in einem mit Denk- und Handelsverboten beladenen Umfeld immer schwieriger, speziell wenn der defensive Nahrungsmittelsektor Opfer des Zeitgeists wird. Renditeüberlegungen haben selbstverständlich in den Hintergrund zu treten. Fest steht allerdings: Mit einem liberalen Gesellschaftsmodell hat das alles nichts mehr gemein. Dauerempörte und Berufsdemonstranten sind aufgefordert, sich des Themas anzunehmen, falls deren Kampf gegen den Kapitalismus, die Wende nach Rechts in Europa, das Global Warming und vieles mehr dies zeitlich endlich einmal zuließe.... (kb)

 

 

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