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Paris ist nach dem Brexit zu einem Eldorado für Banker geworden

US-Finanzunternehmen haben jahrzehntelang London als Tor zum europäischen Binnenmarkt genutzt. Nun eröffnen sie in der französischen Hauptstadt Büros oder verstärken ihre bestehende Niederlassungen auf dem Kontinent, um ihren Zugang zum Euroraum zu behalten.

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Paris
© eyetronic / stock.adobe.com

Nach dem Brexit entwickelt sich Paris zu einem der heißesten Arbeitsmärkte in der europäischen Finanzbranche. Ein Pariser Investmentbanker berichtet, derzeit vergehe keine Woche, ohne dass ein Headhunter ihn anrufe und einen Job vorschlage, wie Bloomberg News berichtet. Einem anderen wurde im Juni überraschend das Salär angehoben, nachdem er wenige Monate zuvor bereits seine jährliche Gehaltserhöhung erhalten hatte.  

3.000 neue Arbeitsplätze im Finanzsektor in Paris bis Jahresende
Die Wall-Street-Banken J.P. Morgan und Goldman Sachs bauen ihr Geschäft in Paris ebenso aus wie Morgan Stanley, Bank of America und der Hedgefonds Citadel. Headhunter berichten angesichts dessen von Schwierigkeiten, vielversprechende Kandidaten zu finden. Die Gehälter ziehen an. Bis Ende dieses Jahres werden in Paris dank des Brexit 3.000 neue Arbeitsplätze im Finanzsektor entstehen, sagte Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire im Juni. Viele glauben, das ist erst der Anfang. „Der Markt ist sehr angespannt“, sagt Renaud Garnier, Executive Manager für Bank- und Finanzdienstleistungen beim Arbeitsvermittler Michael Page, im Talk mit Bloomberg. “Bewerber sind derzeit in drei oder vier verschiedenen Verfahren gleichzeitig.”

Schneeballeffekt
“Die ersten Verlagerungen von Banken nach Paris haben ein Ökosystem geschaffen, das weitere Institute anziehen wird”, sagt Arnaud de Bresson, Geschäftsführer der Lobbygruppe Paris Europlace, die die Stadt als internationales Finanzzentrum positioniert. “Hedge-Fonds, Vermögensverwalter und andere Finanzdienstleister wollen ebenfalls dazugehören. Das erzeugt einen Schneeballeffekt.”

Britische Banker wollen nicht nach Frankreich übersiedeln
Die Anspannung am Pariser Arbeitsmarkt resultiert auch aus dem Umstand, dass es Banken schwer fällt, ihre britischen Mitarbeiter zu überzeugen, Themse gegen Seine zu tauschen. Die lange Zeit dominierenden französischen Unternehmen müssen angesichts dessen nun um ihre Talente vor Ort kämpfen - mit Gehaltserhöhungen und flexiblen Arbeitsarrangements. Die Zeiten, in denen Jungbanker in Frankreich schlechter bezahlt wurden als ihre Kollegen in Großbritannien, könnten bald der Vergangenheit angehören. Ein M&A-Analyst im Einstiegsbereich in Paris kann heute ein Grundgehalt zwischen 60.000 Euro und 70.000 Euro verlangen. Ein Manager einer französischen Bank beklagt bereits, amerikanische Banken verzerrten den Markt mit überzogenen Vergütungen. 

Gehaltsdruck nach oben
Die durchschnittlichen Gehälter sind in Frankreich zwar weiterhin niedriger als in Großbritannien. “Seit dem Brexit gibt es jedoch Druck”, so Stephane Rambosson, Mitbegründer der Personalberatungsfirma Vici. “Die lokalen Banken wollen mit den Angeboten ausländischer Institute gleichziehen.” 

US-Banken haben Großes vor
Die Bank of America war eine der ersten großen ausländischen Banken, die Pläne ankündigte, in Paris eine Vertriebs- und Handelsbasis für Europa einzurichten. Der imposante, 120 Jahre alte Bau der Bank beherbergte einst der französischen Post. J.P. Morgan mit Hauptsitz am historischen Place Vendome hat für ihr kontinentales Handelszentrum ein angrenzendes Gebäude an der nahe gelegenen Place du Marche Saint Honore bezogen. Die neue Niederlassung wurde von Staatspräsident Macron persönlich eingeweiht. Goldman Sachs eröffnet in diesem Jahr in der Nähe des Triumphbogens einen neuen Handelsraum. Auch Hedgefonds und Boutique-Investmentbanken setzen verstärkt auf die französische Hauptstadt. Vergangenes Jahr eröffnete Citadel ein Büro in der Stadt. In der Folge wilderte das Investmenthaus bei HSBC, Bank of America und Goldman Sachs. 

Franzosen sprechen - man glaubt es kaum - zunehmend Englisch!
Die Verlagerungen nach Paris haben inzwischen auch Auswirkungen auf das Leben in der Stadt. Metzger und Friseure - die nur ungern Englisch sprechen - versuchen das nun zunehmend. Mieten für neue Gewerbeimmobilien sind trotz der Pandemie seit 2017 um fast 16 Prozent gestiegen. Die internationalen Schulen sind voll. Bernard Manuel, Vorsitzender der in Paris ansässigen zweisprachigen Schule Ecole Jeannine Manuel, die US-Außenminister Antony Blinken zu ihren Absolventen zählt, spricht von sieben Bewerbern pro freiem Platz. 

Sonderboni fürs Bleiben
anche Banken zahlen vielversprechenden Mitarbeitern mittlerweile Sonderboni, um sie zu halten, sagte Garnier von Michael Page. Kürzlich vermittelte der Headhunter einer Bank einen neuen Mitarbeiter, der in Montpellier wohnt, sieben Stunden Fahrt von Paris. Die Bank wollte den Bewerber so sehr, dass sie ihm zugestand, lediglich einen Tag die Woche von Paris aus arbeiten zu müssen. “Das hätte es früher nicht gegeben,” so Garnier. (kb)

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