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Ofi AM: Existiert ein Weg aus der Staatsschuldenfalle?

Mit ein bisschen mehr Kostendisziplin lassen sich die explodierenden Staatsschulden weltweit nicht in den Griff bekommen, sagt Jean-Marie Mercadal von Ofi Asset Management. Er sieht aber einen anderen Weg – den ein wichtiges Land bereits beschritten hat.

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© peshkov / stock.adobe.com

Die Coronakrise hat die Schuldenberge von Staaten rund um den Globus weiter in die Höhe schießen lassen. Mit einer simplen Sparrunde lässt sich diese Entwicklung wohl nicht umkehren. "Die Regierungen müssen neue Wege einschlagen", sagt Jean-Marie Mercadal, Leiter des Bereichs Investmentstrategien bei Ofi Asset Management (Ofi AM). Mit den gängigen Sparmodellen bräuchten Regierungen viel zu lange, um zu akzeptablen Schuldenquoten zurückzukehren – und das ist nicht das einzige Risiko, das öffentliches Sparen angesichts des aufgeheizten gesellschaftlichen Klimas in vielen Ländern birgt.

Ein anderer Weg könnte so aussehen, dass Regierungen weiterhin massive Investitionen tätigen, um sich durch ein so befeuertes Wirtschaftswachstum teilweise zu entschulden. Schwerpunkte sollten Anlagen in grüne Infrastruktur, in die Energiewende und in neue Technologien sein, sagt Mercadal. Der Wermutstropfen: "Im Gegenzug würden wahrscheinlich die Steuern steigen." Wie gut eine solche Strategie funktioniert, wird sich in den kommenden Jahren am Beispiel der Vereinigten Staaten beobachten lassen. Die haben diesen Weg nämlich bereits beschritten. Joe Bidens gewaltige Konjunkturpakete sollen wenigstens teilweise mit der neuen globalen Mindeststeuer von 15 Prozent für multinationale Konzerne gegenfinanziert werden.

Zentralbanken haben das Sagen
Die Länder der Eurozone zögern noch, den USA zu folgen. Ein Grund dafür sind die Divergenzen zwischen Deutschland und den südeuropäischen Ländern, die nicht zuletzt auf die sehr unterschiedlichen Finanzlagen zurückzuführen sind. "Frankreichs Schulden betragen rund 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. In Deutschland liegt die Marke nur bei 75 Prozent", erklärt der Ofi-AM-Experte.

Letztlich dürften sowohl in den USA als auch im Euroraum nicht nur die Regierungen, sondern auch die Zentralbanken darüber entscheiden, auf welche Art die Staaten ihre Schuldenberge schrumpfen. "Sie könnten einen Anstieg der Inflation tolerieren und die realen Zinssätze im negativen Bereich belassen", sagt Mercadal.

Das käme den Staatshaushalten zugute, würde aber zugleich Anleiheinvestoren und Sparer unter Druck setzen. "Die Frage nach Unabhängigkeit und Mandat der Zentralbanken wurde schon oft gestellt und wird wohl auch in den kommenden Monaten eine der größten Sorgen der Märkte sein", prophezeit der Stratege. (fp)

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