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Ölpreisverfall liefert Treibstoff für die Rentenbullen

Der Rohölpreis war im bisherigen Jahresverlauf wesentlicher Treiber für anziehende Inflationsraten im Euroraum und in den USA, schreibt Elmar Völker, Senior Fixed Income Analyst bei der LBBW. Doch nun sänken die Inflationserwartungen wieder, was gut für die Rentenmärkt sei.

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Elmar Völker, LBBW
© LBBW

Steigende Inflationsraaten sah man auch noch im Oktober: Während die Teuerung diesseits des Atlantiks auf ein Jahreshoch von 2,2 Prozent zulegte, beschleunigte sich die US-Inflation nach zuvor zwei Monaten mit rückläufiger Tendenz auf 2,5 Prozent.

Renten-Investoren bleiben unbeeindruckt infolge nachlassenden Inflationsdrucks
Für die Teilnehmer am Rentenmarkt war diese für sich genommen rentenbearishe Nachricht jedoch in der laufenden Woche bereits relativ „kalter Kaffee“. Der wesentliche Grund hierfür ist ein beschleunigter Preissturz am Rohölmarkt, welcher das Schwarze Gold im Vergleich zum Jahreshoch vom Oktober inzwischen um rund ein Viertel verbilligt hat. Damit verdichtet sich die Aussicht, dass die Zeiten des wachsenden Inflationsdrucks von der Rohstoffseite einstweilen vorbei sind. Abwärtsdruck auf den Ölpreis kommt dabei sowohl von Seiten wachsender Sorgen vor einem Abschwung der Weltwirtschaft als auch durch politische Faktoren. 

US-Politk spielt wesentliche Rolle
In beiden Fällen lässt sich die Ursache letztlich auf die Politik der US.Regierung zurückführen: Weltwirtschaftliche Abwärtsrisiken und damit die Gefahr einer sinkenden Rohstoffnachfrage resultieren vor allem aus dem weiter ungelösten Handelskonflikt, den US-Präsident Trump
vom Zaun gebrochen hat. Auf der anderen Seite hat Trump die Sanktionsschrauben
gegen den Iran in Sachen Ölexporte nicht ganz so fest angezogen wie zunächst befürchtet, so dass eine zuvor bestehende Überspekulation auf weiter steigende Rohölpreise nun am Markt radikal korrigiert wurde.

Rendite 10-jähriger Bünde und Ölpreis (Brent, in EUR/Barrel) mit LBBW-Prognosen

Quelle: Bloomberg, LBBW Research

Ein verbales Kräftemessen Trumps mit Saudi-Arabien um die Frage, ob das OPEC-Kartell drohenden Angebotsüberschüssen durch Förderkürzungen entgegentreten oder besser den Weg für weiter sinkende Preise ebnen sollte, sorgt am Markt zusätzlich für Verunsicherung.

Heftiger Ölpreisrutsch: Was macht jetzt die OPEC?
Der Blick der Marktteilnehmer geht diesbezüglich bereits gespannt auf das nächste OPEC-Treffen am 6. Dezember. Auf der Makroseite sind die Implikationen des heftigen Preisrutsches am Ölmarkt ambivalent: Für die (meist netto ölimportierenden) Industriestaaten ist die Nachricht in der Summe eher positiv, weil die Konsumenten entlastet werden – Trumps Forderung nach niedrigeren Ölpreisen ist insofern mit Blick auf die Interessen seiner Wählerbasis plausibel.

Dämpfer für Erdölexportnationen
Jene Schwellenländer dagegen, deren Wirtschaft stark von Rohstoffförderung und -export abhängen, erhalten einen Dämpfer. Nicht zuletzt dürfte Saudi-Arabien kaum ein Interesse an einem nachhaltigen Preisverfall am Ölmarkt haben.

Rohölpreisverfall als Krisensignal interpretiert: Bonds sind wieder "in"
Trotz der tendenziell positiven Implikationen für die Industriestaaten überwiegt an den Finanzmärkten gleichwohl derzeit die Interpretation des Rohölpreisverfalls als Krisensignal, so dass die Marktakteure nach wachsender Risikofreude in der Vorwoche wieder in Richtung „Risk off“ tendierten. Die Renditen langlaufender Bundesanleihen sowie von US-Treasuries werden in diesem Umfeld sowohl durch anhaltende Nachfrage nach Sicherheit als auch durch sinkende Inflationserwartungen gedrückt. (kb)

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