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Ölpreis-Verfall schickt Riesen-Tankerflotte auf Odyssee

Eine saudischer Schiffsconvoy versucht, 50 Millionen Barrel Öl in die USA zu bringen. Dort zeigt man sich wenig erbaut und verlangt, dass die Tanker schleunigst umkehren. Angesichts dessen stellt sich die immer virulentere Frage: Wohin mit dem ganzen überschüssigen Öl?

öltanker
© Baltazar / stock.adobe.com

Der kurzfristige Ölpreis-Crash, der den Preis für ein Barrel der Sorte WTI zeitweise in den negativen Bereich drückte, kristallisiert sich immer mehr als mittel- bis langfristige Krise heraus. Das jüngste Problem manfestiert sich in einer Armada, bestehend aus 24 der weltgrößten Supertanker, die sich dieser Tage der amerikanischen Ostküste nähern, wie aus Daten der Info-Plattform Tanker Trackers hervogeht. Die Schiffe haben knapp 50 Millionen Barrel Öl aus Saudi- Arabien an Bord. Das ist fast zehn Mal mehr als die übliche monatliche Lieferung, berichtet der Berliner "Tagesspiegel".

Willkommen sind die Tanker dieser Tage nicht. Der texanische US-Senator Ted Cruz hat auf Twitter bereits gewettert: "My message to the saudis: Turn the tankers the Hell around!“. Denn obwohl US-Präsident Donald Trump meint, dies sei eine fantastische Gelegenheit, um Öl zu kaufen, stellt sich die Frage, wo man dieses angesichts der aus allen Nähten platzenden Lagerstätten an Land eigentlich aufbewahren soll.

Zweckentfremdet
Vor diesem Hintergrund werden immer mehr Schiffe zu schwimmenden Tanks umfunktioniert – sogenannte "Floating Storages". Jeder zehnte der weltweit rund 750 Supertanker wird dafür bereits eingesetzt. "Wöchentlich kommen etwa zehn weitere dazu“, sagt Jens Rohweder, Geschäftsführer der maritimen Investmentberatung Notos Consult, gegenüber dem "Tagesspiegel". 60 weitere, kleinere Tanker dienen ebenfalls als Zwischenlager, wie Zahlen von Lloyd's List Intelligence vom vergangenen Freitag (24. April) zeigen.

Demnach sind aktuell in Summe mehr als 163 Millionen Barrel Rohöl auf hoher See "geparkt". "Wir haben beim Floating Storage schon den bisherigen Rekordstand von 2009 erreicht, aber noch längst nicht das Ende der Fahnenstange. Wir blicken jedenfalls auf Zahlen, die es so noch nie gegeben hat“, schildert Rohweder gegenüber der Zeitung. 

Gewendetes Blatt
Noch im Februar, als China Corona-bedingt den Verkehr herunterfuhr und die Ölpreise wegen der sinkenden Nachfrage ins Minus drehten, ging es für Tanker-Reedereien steil bergab – dieses Blatt hat sich gewendet: Bis zu 200.000 Dollar lassen es sich Ölhändler inzwischen kosten, das nicht mehr ganz so wertvolle schwarze Gold in Supertankern zwischenzulagern. "Normalerweise gelten 75.000 Dollar schon als fantastische Rate für die Reedereien“, so Rohweder. Und: "Da wird jetzt viel Geld gemacht“.

Wie lange sich das noch für die Ölproduzenten rechnet? Im aktuellen Marktumfeld laut Rechnung von Rohweder bis zu einem Preis von 211.000 Dollar pro Tag. Viel Spielraum besteht also nicht mehr. (hw)

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