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Nordea AM über die strukturellen Probleme Chinas

Chinas Wirtschaftswachstum wird nicht nur vom Coronavirus belastet, sondern auch von schon länger bestehenden Problemen wie notleidende Kredite und Überkapazitäten. Auf lange Sicht schadet dies der Produktivität und damit dem Wohlstand, moniert Nordea Asset Management.

Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management
Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management
© Nordea Asset Management

Nach Ansicht von Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, führen Überkapazitäten, z.B. Blasen im Stahl- und Immobiliensektor, letztlich dazu, dass die Bilanzen von Banken unter Druck stehen. Marktbeobachtern zu Folge sei dies besonders für Chinas Regionalbanken derzeit ein akutes Problem.

Betrachte man die Ergebnisprognosen chinesischer Banken, so fällt laut Galy auf, wie niedrig diese sind. Dabei sind einige größere Banken in puncto Kernkapital sehr stark aufgestellt, Regionalbanken hingegen deutlich schwächer. Da der chinesische Finanzmarkt weniger stark entwickelt ist, ist es schwierig Notierungen für Credit Default Swaps (CDS) für Banken zu finden. „Normalerweise würden die Gegenparteien ihr Exposure auf diese Weise reduzieren, was eine größere Hebelwirkung im System ermöglicht. Theoretisch könnte das Geld dann schneller fließen“, merkt Galy an.

Heuschrecken kaufen chinesische Loans
Zuletzt hatte die chinesische Regierung zugelassen, dass einige regionale Banken von Konkursen stärker betroffen waren als große nationale Banken, von denen man annimmt, dass sie sich auf staatseigene Betriebe und große Unternehmen wie Alibaba konzentrieren. So würden beispielsweise Blackstone, Bain Capital, Lone Star und Oak Tree vermehrt in schlecht laufende chinesische Kredite (Soured Loans) investieren. Insgesamt beläuft sich die Summe der notleidenden Kredite (Non-Performing Loans, NPLs) in China laut Bloomberg auf 2,37 Milliarden Renminbi. Nach Daten des Internationalen Währungsfonds (BNPLNPCN-Index) machen sie 1,81 Prozent der Bilanzsumme chinesischer Banken aus. Die Summe der Kredite mit hohem Ausfallrisiko liegt nach Bloomberg-Angaben bei ca. 3,8 Milliarden Renminbi.

Das Volumen der notleidenden Kredite ist im Vergleich zu den Bilanzsummen der einheimischen Banken zwar offiziell weiterhin sehr niedrig. Die Realität sei laut Galy jedoch vermutlich komplexer. „Andernfalls wäre die Regierung bei der Eindämmung und Reform des Schattenbankensystems nicht so aggressiv vorgegangen und hätte sich auch nicht so rigoros für den Abbau der Verschuldung von Nicht-Finanz-Unternehmen eingesetzt“, erklärt Galy.

In der Stahlindustrie würden Überkapazitäten vielfach gemeldet und von der Zentralregierung untersucht. Der Abbau von Überkapazitäten und eine höhere Nachfrage hätten nunmehr zu einer Stabilisierung der Stahlpreise beigetragen. Wo einst eine akute Krise herrschte, habe der Druck etwas nachgelassen.

Das genaue Ausmaß der notleidenden Kredite lässt sich schwer abschätzen. Dass hier der Auslöser für eine Krise liegen könnte, erscheint jedoch unwahrscheinlich. Es sei denn, es käme zu einer großen Korrektur am Immobilienmarkt. Chinas Regierung werde nicht müde zu betonen, dass sie hier einige beträchtliche Überkapazitäten abgebaut und – ebenso wichtig – die Entschuldung im Bereich der Nicht-Finanz-Unternehmen vorangetrieben hat.

Schuldenabbau notwendig
China habe laut Galy trotz schwächeren Wachstums seine vergleichsweise straffe Geldpolitik beibehalten. Ein Grund sei vermutlich, dass der Immobiliensektor die Wirtschaft noch immer belebt und in einigen Fällen übermäßige Risiken eingegangen wurden. Sektoren, die Überkapazitäten aufweisen, mit niedrigeren Zinssätzen finanzieren zu wollen, ist zwar nicht sinnvoll. Die angestrebten Mindestreservequoten haben hingegen immerhin einen Teil dieses Ziels erreicht. 

„In China ist geliehenes Geld nicht immer fungibel. Es wird in einem sozialen Spiel, das von den meisten Marktteilnehmern gespielt wird, im Sinne des größeren Gemeinwohls gelenkt und gefördert. Staatseigene Unternehmen werden vielfach vor Kreditrisiken geschützt und von großen Banken stark finanziert. Hier scheint der eigentliche Kern des Problems zu liegen: Es ist nicht das Kreditrisiko, sondern eine geringe Produktivität“, erklärt Galy abschließend. (aa)
 


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