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Ninety One über die Rahmenbedingungen für die Emerging Markets

Attraktivere Rahmenbedingungen für Schwellenländeranleihen im Jahr 2021 prognostiziert Peter Eerdmans, Head of Fixed Income bei Ninety One. Einige Risiken sollten institutionelle Investoren aber trotzdem genau im Auge behalten.

Peter Eerdmans, Head of Fixed Income bei Ninety One.
Peter Eerdmans, Head of Fixed Income bei Ninety One.
© Ninety One

Auf den Märkten ging es 2020, vor allem aufgrund des Coronavirus, turbulent zu. Auch Schwellenländeranleihen blieben hiervon nicht verschont. Wie die Aussichten für 2021 sind, erläutert Peter Eerdmans, Head of Fixed Income, Ninety One, in einem "Institutional Money" exklusiv vorliegenden Beitrag.

Kräftige Erholung erwartet
Anfang 2020 war man allgemein davon ausgegangen, dass die Schwellenländer dank entspannterer Handelsbeziehungen zwischen den USA und China sowie ansehnlicher Wirtschaftsdaten weiter in den Genuss einer moderaten Konjunkturerholung kommen würden. Der Ausbruch des Coronavirus änderte jedoch alles und löste eine erhebliche Risikoscheu aus. Für 2021 wird nun eine kräftige Erholung des globalen Wachstums erwartet, angeführt von dem sich abzeichnenden Aufschwung in China und anderen asiatischen Märkten.

Die US-Notenbank wird wohl an ihrem Mantra länger niedrigerer Zinsen festhalten und damit die Erwartung eines schwächeren US-Dollar schüren. Für Vermögenswerte aus Schwellenländern verheißt das Gutes. Weiterer Rückenwind geht von der Zulassung von Impfstoffen und der Aussicht auf eine weniger konfrontative US-Handelspolitik aus.

Neuanfang bei den USA-China-Beziehungen?
Angesichts der deutlich verschlechterten Beziehungen zwischen den USA und China lässt der Ausgang der US-Wahlen auf Besserung hoffen. "Wir erwarten, dass die US-Politik an allen Fronten berechenbarer und diplomatischer wird", erklärt Eerdmans.

Etwaige Risiken ergeben sich aus einer möglicherweise weniger entgegenkommenden China-Politik der designierten Biden-Administration, als Eerdmans es derzeit erwartet. Möglich wäre auch, dass Präsident Donald Trump in den letzten Tagen bis zur Amtseinführung seines Nachfolgers noch Maßnahmen ergreift, die sein „Anti-China-Erbe“ zementieren sollen. "Nach unserer Einschätzung werden die USA im Reich der Mitte aus handels- und wirtschaftspolitischer Sicht auch künftig einen strategischen Rivalen sehen. Eine sofortige Rücknahme der von der scheidenden Regierung eingeführten Zölle sehen wir nicht", sagt Eerdmans.

Positionierung in Staatsanleihen
Gesamtwirtschaftliche und geopolitische Veränderungen dürften sich in einem starken Auseinanderdriften der verschiedenen Schwellenländer-Staatsanleihen niederschlagen. Hierin kommt nicht nur die Anfälligkeit der Länder zu Beginn der Krise zum Ausdruck, sondern auch, wie gut ihre Regierungen die Pandemie in Schach halten und vor allem, wie sie ihre Haushaltsdefizite finanzieren wollen.

In Lateinamerika sieht Ninety One vereinzelt Potenzial für Wertzuwächse bei Anleihen aus Ländern wie Ecuador, Costa Rica und der Dominikanischen Republik, die von Ölexporten bzw. Einnahmen aus dem Tourismus abhängen. Andere von Ninety One derzeit favorisierte Länder sind Indonesien, Malaysia, Angola, Ägypten und Ghana. Auch die Türkei könnte für Value-Anlagen attraktiv sein.

China werde sich aufgrund seines entschlossenen Handelns zu Beginn der Pandemie auch weiterhin gut entwickeln.

Sri Lanka wird möglicherweise nicht von einer Erholung des globalen Tourismus profitieren, da sich die Regierung offenbar scheut, schmerzliche Entscheidungen zu treffen.

Ninety Ones Favoriten bei Unternehmensanleihen
Im Laufe des Jahres 2020 haben die Investoren jene Unternehmen bevorzugt, die eine fundamentale Widerstandsfähigkeit aufweisen. "Und obwohl die Spreads enger geworden sind, sehen wir noch Spielraum für eine weitere Verengung", erklärt Eerdmans.

Bezogen auf die großen Anlageregionen ist Nintey One überzeugt, dass die stark rohstofflastigen Märkte Lateinamerikas im nächsten Jahr gut abschneiden werden. Zudem erwartet der Asset Manager eine weiterhin starke Performance in Asien und insbesondere China.

Die Gewinner auf Sektorebene werden nach Einschätzung Eerdmans Transport- und Rohstoffunternehmen sein, die auf offenere Volkswirtschaften ausgerichtet sind. Etwaige Unsicherheiten dürften günstige Rahmenbedingungen für das verarbeitende Gewerbe und den Industriesektor schaffen. Gut laufen sollte es auch für Branchen, die von der Digitalisierung und der vermehrten Arbeit von zu Hause aus profitieren wie z. B. der Telekommunikationssektor.

Unterdessen haben zahlreiche Unternehmen und insbesondere solche in Märkten wie Argentinien und der Türkei immer noch viel Wertpotenzial zu bieten.

Mögliche Risikofaktoren
Die größten Unwägbarkeiten ergeben sich aus der Frage, wie sich eine konventionellere Führung im Weißen Haus auf die bilateralen Beziehungen Amerikas mit den verschiedenen Schwellenländern auswirken wird.

Abgesehen von China sollten Investoren auch andere Bereiche genau beobachten. Dazu gehört Russland, das von Trump keine Sanktionen zu befürchten hatte, aber auch die Beziehungen der USA zur Türkei, die sich verschlechtern könnten. "Ebenso beobachten wir die Beziehungen zum Iran, dem Biden Gesprächsbereitschaft signalisiert hat. Gegenüber Saudi-Arabien dürfte er dagegen eine härtere Gangart einlegen. Zudem richten wir unser Augenmerk auf die Wahlen in Schwellenländern, von denen 2021 aus unserer Sicht keine allzu großen Risiken ausgehen dürften, und die Fähigkeit der OPEC+, die Ölproduktion 2021 zu kontrollieren, worin wir ein weiteres zentrales Risiko sehen", erklärt Eerdmans.

Gute Gründe für EMD-Anlagen
In den vorherigen Marktzyklen boten Schwellenländeranleihen dank höherer Erträge und starkem Wachstumspotenzial attraktive Renditen. Sie wiesen in der Regel nur eine schwache Korrelation zu den traditionelleren Anlageklassen auf und boten daher Diversifizierungsvorteile.

"Auch im aktuellen Umfeld gibt es unseres Erachtens gute Argumente für eine Anlage in Schwellenländeranleihen. Dazu gehören die in einer Niedrigrenditewelt relativ hohen Renditen, die sich erholenden Handelsströme in und aus sowie innerhalb der aufstrebenden Regionen und die schwindende Bedeutung des US-Dollar auf der globalen Bühne", hält Eerdmans abschließend fest. (aa)

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