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Nachrufe auf den Dollar scheinen verfrüht

Die Devisenmärkte wurden vom entschlossenen Handeln der europäischen Politik auf dem falschen Fuß erwischt. Das sagt aber nur wenig über zukünftige Entwicklungen aus, meinen die Experten der DWS Group.

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Stefanie Holtze-Jen, Chief Currency Strategist der DWS
© DWS

Seit Mitte Mai ist der Dollar zum Euro um mehr als acht Prozent abgesackt. Historisch betrachtet ist das keine ungewöhnliche Bewegung. Dennoch hat die plötzliche Stärke des Euro gegenüber dem Dollar die Experten der DWS etwas überrascht.

Prognose von Wechselkursen gilt zu Recht als schwieriges Geschäft
Da immer zwei Währungsräume involviert sind, ist die relative Entwicklung ausschlaggebend. Also etwa, wie sich das Preisniveau in einem Land relativ zum Preisniveau in einem anderen verändert. Dies wird als Kaufkraftparität bezeichnet. In einer stark vereinfachten Form könnten dabei die Preise von Fast-Food-Produkten verglichen werden, die in vielen verschiedenen Ländern verfügbar sind. Außenhandelszahlen können ebenfalls Anhaltspunkte liefern. Die relative Entwicklung von Zinsen in verschiedenen Ländern ist ein weiterer Ansatz.

Keiner davon erklärt die Euro-Stärke der letzten Monate
Vielmehr wurde der Markt wohl vom entschlossenen Handeln der europäischen Politik auf dem falschen Fuß erwischt. Dank drastischer Maßnahmen zur Pandemieeindämmung waren die Infektionszahlen in Europa im Mai deutlich rückläufig. In den USA hingegen kam es im Juni und Juli zu einem erneuten starken Anstieg. Zusätzlich gab Deutschland den Wiederstand gegen eine Transferunion auf und brachte gemeinsam mit Frankreich einen EU-Wiederaufbaufonds auf den Weg.

Aktuell spekulieren so viele wie zuletzt 2018 auf eine Fortsetzung der Dollar-Schwäche
Betrachtet man noch die Positionierung auf dem Währungsterminmarkt, wo sich viele Marktteilnehmer für einen schwächeren Euro positioniert hatten, so waren die Zutaten für eine Korrektur des Dollar gegeben. Mit der Aufwertung des Euro hat sich aber auch die Positionierung verschoben. Das illustriert die folgende Grafik:

 

DWS bleibt eher skeptisch
Aktuell steigen die Covid-Ansteckungszahlen in Europa wieder, während sie in den USA fallen. Der Wahlkampf in den USA hat begonnen, und das Pendel hat bereits sehr stark zu Gunsten der Demokraten ausgeschlagen. Aus Marktsicht könnte das wenig erfreuliche Entwicklungen wie beispielsweise Steuererhöhungen verheißen. Jedoch ist Trumps Abwahl im November noch keineswegs sicher. Der EU-Wiederaufbaufonds wird wohl kaum aufgestockt werden, für die USA hingegen erwarteg man weitere Fiskalmaßnahmen. „Insofern erscheinen uns die Nachrufe auf den US-Dollar als sehr verfrüht“, meint Stefanie Holtze-Jen, Chief Currency Strategist der DWS. Nach einer vorübergehenden Schwächephase rechnen er und seine Kollegen eher wieder mit einem festeren Greenback. (kb)

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