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Nachhaltigkeitsindizes von Goldman bergen Zündstoff

Die US-Investmentbank Goldman Sachs bringt zwei neue Nachhaltigkeits-Barometer auf den Markt. Doch über die zugrunde liegenden Auswahlkriterien lässt sich trefflich streiten.

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© Sergey Nivens / stock.adobe.com

Nachhaltig und ethisch-moralisch korrekt zu investieren ist eine Strategie, die in der Finanzwelt immer mehr Anhänger findet. Auch die US-Investmentbank Goldman Sachs (GS) ist auf den Zug aufgesprungen und bringt zwei neue Nachhaltigkeitsindizes an die sogenannte Mehrländerbörse Euronext: zum einen den Euronext CDP Environment World EW und den Euronext CDP Environment Eurozone EW. Die beiden Kurs-Wegweiser fokussieren sich dabei auf die gängigen Bereiche Klimawandel, Wassersicherheit und Schutz von Wäldern, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Wie nachhaltig die Indizes tatsächlich aufgebaut sind, ist aber umstritten. 

Die Kriterien, mit denen Goldman die insgesamt 77 Unternehmen in den Indizes ausgewählt und dabei auf die Expertise der Londoner Klimaschutz-Denkfabrik CDP vertraut hat, die eine Datenbank mit Umweltinformationen über Unternehmen verwaltet, basieren auf dem sogenannten Best-in-Class-Ansatz. Ins Portfolio gelangen demnach nur Unternehmen, die in Sachen Klimawandel, Wassersicherheit und Schutz von Wäldern in ihrer jeweilig zugehörigen Branche am besten abschneiden.

Veralteter Ansatz
Die Methodik ist unter zahlreichen ESG-Experten höchst umstritten und gilt teilweise als überholt, da sie auch Firmen "belohnt", die in eher nachhaltigkeitsfeindlichen Gewerben unterwegs sind. Auch die GS-Messlatten lassen keinen Sektor aus, sodass sich beispielsweise Unternehmen wie der Mineralölkonzern Total, der Flugzeughersteller Boeing oder der Verbrauchsgüterhersteller Unilever im Index befinden. Die Gefahr des Auswahlprinzips: Unternehmen könnten sich unter Hinweis auf die Mitgliedschaft ihrer Aktien in entsprechenden "Öko"-Barometern am Ende grüner darstellen, als es ihre Geschäfte nüchtern besehen zulassen.

Alle müssen mitmachen
Ingo Speich, der die Geldanlage nach ESG-Kriterien (Enviromental, Social, Governance) für seinen neuen Arbeitgeber Deka auf Vordermann bringen will, sagt gegenüber der FAZ, dass solch ein Ansatz allein betrachtet unzureichend sei, wenn Anleger wirklich nachhaltig anlegen wollten. Laurent Babikian von CDP Europe hält dagegen: "Wir können die Ziele des Pariser Klimaabkommens nur erreichen, wenn sich auch die Öl- und Gasindustrie bewegt. Deshalb wäre es falsch, die Branche komplett vom Handel auszuschließen", zitiert ihn die Zeitung. 

Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von nachhaltigen Indizes, etwa den MSCI World Sustainability Index oder den Dow Jones Sustainability World Index. Einheitliche Kriterien zur Bewertung der Nachhaltigkeit gibt es bisher jedoch nicht – Fondsanbieter legen selbst fest, welche Unternehmen sie als nachhaltig ansehen. (fp/ps)

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