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Miami versucht sich zur Wall Street des Südens zu mausern

Der sonniges Bundesstaat im Südosten der USA will nicht nur bei Touristen, sondern auch in der Finanzbranche ein Hot Spot sein. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg.

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© vege / stock.adobe.com

Baukräne kreisen über der Skyline von Miami, Porsches sind Verkaufsschlager in Coral Gables, und in Palm Beach begrüßt die Gucci-Klasse neue Nachbarn. Während eine tödliche Pandemie grassiert, blüht in Florida die Hoffnung - und das nicht zuletzt genau deswegen. Dieses Bild zeichnet Bloomberg News von der aktuellen Lage im Sonnenschein-Staat.

Vor allem in der Metropole Miami hofft man, dass ein lang gehegter Traum endlich wahr werden könnte: die Wall Street des Südens zu werden. Allen voran die Goldman Sachs Group, erwägen immer mehr Finanzunternehmen, dort Geschäftsbereiche anzusiedeln oder gleich ganz umzuziehen. In der Ära des Home Office locken die Finanzprofis niedrige Steuern, ganzjährig warmes Wetter und smaragdgrünes Wasser in den Sunshine State.

Der Geist ist aus der Flasche
Für David Greenberg, einen ehemaligen Vorstand der New York Mercantile Exchange, markiert Goldmans Überlegung, die Vermögensverwaltung hierher zu verlegen, eine Zeitenwende. “Diesen Geist kriegt man nicht mehr in die Flasche zurück”, sagt Greenberg, der in Boca Raton ein Family Office führt.

Allerdings versucht die subtropische bis tropische Region, geprägt von Tourismus, Kreuzfahrtschiffen und Rentnern, schon seit Generationen ihre Wirtschaft zu diversifizieren - mit bisher durchwachsenem Erfolg. Das Erreichen einer kritischen Masse braucht Zeit, und bislang hat der Bundesstaat nur eine Handvoll kleiner und mittelgroßer Firmen angelockt. In einschlägigen Listen taucht Miami nicht als Finanzzentrum auf.

Doch Covid-19 könnte ein Katalysator für den Wandel werden. Die Pandemie zwang New Yorker Aktienhändler, Fondsmanager und Investmentbanker ins Home Office, und nicht wenige zogen in ihre Villen mit Pool im Süden. Nun, da die Impfungen beginnen und das Ende der Pandemie näher rückt, stellen einige Firmen fest, dass ihre Mitarbeiter nicht in ihr altes Leben in den Hochhäusern von Manhattan zurück wollen.

Gleich und Gleich gesellt sich gern...
Die Idee einer Wall Street des Südens hat einen offensichtlichen Charme: Sie erlaubt es den Bankern, ihr Leben im Sonnenschein zu rechtfertigen mit der wohlhabenden Kundschaft, die sich hier tummelt. In Südflorida schämen sich wenige ihres Reichtums. Zwei von drei Amerikas reichsten Postleitzahlgebieten finden sich hier.

Die Steuerreform des Florida-Wahlbürgers Donald Trump hat den Steuervorteil des Bundesstaates gegenüber New York und New Jersey noch verstärkt. Auch wenn Miami nicht gerade billig ist, kostet eine Eigentumswohnung im Finanz-Stadtteil Brickell nur etwa einem Viertel des Quadratmeter-Preises in Manhattan.

Hoffnung auf Initialzündung
Am meisten abgeschreckt hat die Finanzwirtschaft bislang wohl das Fehlen einer kritischen Masse, sagt Sean Snaith, Ökonom der University of Central Florida. Das könnte sich nun ändern. Jenni Morejon von der Fort Lauderdale Downtown Development Authority meint: “Es braucht einen Auslöser, und wenn ein oder zwei dieser Unternehmen hier unten ihre Zelte aufschlagen, könnte der Zyklus beginnen.”

Firmen wie Paul Singers Elliott Management und Tom Barracks Colony Capital haben begonnen, Schritte nach Florida zu setzen, Blackstone Group und Citadel eröffneten Büros. Banker, die wegen Covid hierher flüchteten, haben einfach beschlossen zu bleiben, manche Firmen geben ihnen dafür ihren Segen.

Kevin Couper, Senior Vice President bei Wealthspire Advisors, kam im Juli aus Kalifornien nach Boca Raton, um das neue Büro seiner Firma aufzubauen. Er hat den lockereren Lebensstil und sein höheres verfügbares Einkommen schätzen gelernt. “Ich war an höhere Lebenshaltungskosten und höhere Einkommenssteuern gewöhnt“, sagt der 34-jährige Couper, der auch in New Jersey gelebt hat. “Alles ist besser geworden.”

Schattenseite des Sonnenstaats
Die Kehrseite der Medaille dürfte für viele Beschäftigte allerdings das deutlich niedrigere Gehaltsniveau sein. Laut dem US-Amt für Arbeitsmarktstatistik verdienen durchschnittliche Sales-Mitarbeiter in den Bereichen Wertpapiere, Rohstoffe und Finanzdienstleistungen in New York 149.880 Dollar, verglichen mit nur 88.220 Dollar im Großraum Miami. Analysten erhalten in Miami rund 43 Prozent weniger als in der Bankenmetropole.

Doch die Sparten, die von den Reichen leben, boomen bereits. “Ein Interesse auf diesem Niveau habe ich in meinen über 20 Jahren hier noch nie gesehen”, berichtet Ken Himmel, CEO des Immobilienentwicklers Related Urban. Related, selbst eine New Yorker Firma, kauft derzeit den Büroturm Phillips Point in West Palm Beach, in dem Morgan Stanley und Goldman Sachs residieren.

Ken Gorin, Chef des Luxusautolieferanten The Collection, berichtet, dass seine Händler in der Region Miami im Dezember den besten Verkaufsmonat aller Zeiten erzielt haben. Etwa zehn Prozent des Umsatzes führt er auf die Zuzügler zurück. Auch bei Privatschulen wie Pine Crest, einer Eliteschule mit Standorten in Boca Raton und Fort Lauderdale, hat das Interesse seit März erheblich zugenommen. Zum Teil sei dies auf die Pandemie und die Heimarbeit zurückzuführen, zum Teil auf die attraktiven Lebenshaltungskosten sowie die Lebensqualität in Südflorida, sagt Sprecherin Christine Dardet.

Aber trotz aller Euphorie bleibt es unklar, ob die kleinen Außenposten einen dramatischen Wandel auslösen werden. Goldman Sachs sucht laut der Palm Beach Post nach einer Bürofläche von mindestens 4.645 Quadratmetern - einem Bruchteil der mehr als 195.000 Quadratmeter in der Zentrale in Lower Manhattan. Die Neuansiedlungen mögen für einen kleinen Büromarkt wie West Palm Beach eine große Sache sein. Sie werden aber nur sehr wenig dazu beitragen, New Yorks Dominanz in der Branche zu reduzieren, die nicht zuletzt auch auf der beispiellosen Konzentration von hoch qualifizierten Mitarbeitern beruht. (aa)

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