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Metropole Gestion wittert eine beunruhigende Polarisierung der Märkte

Die großen Bewertungsunterschiede, die in den letzten Monaten an den Finanzmärkten zu beobachten waren, haben ein neues Ausmaß erreicht: Die Anzeichen dieser Exzesse häufen sich, meinen die Experten des französischen Asset Managers.

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Isabel Levy, Mitgründerin, Managing Director und CIO von Metropole Gestion
© FONDS professionell

An den Aktienmärkten hat sich die Outperformance der MSCI Growth Indizes gegenüber den MSCI Value Indizes seit Jahresbeginn noch einmal beschleunigt. Vor dem Hintergrund der Niedrigzinsen ist es in den letzten Jahren zu einer Inflation bei Vermögenswerten gekommen, die als Anlagen mit anleiheähnlichen Eigenschaften (Anleihe-Proxies) wahrgenommen werden. Dieser Trend kommt vor allem dem Growth-Investing zugute, das Anlagen mit gut absehbarem Cashflow bevorzugt.

Wachstumsaktien, als Anleihe-Proxies betrachtet, bleiben gesucht
Verstärkt wurde die Attraktivität dieses Investmentstils mit dem neu aufgetretenen Thema der „Disruption“, einem Begriff, der als Synonym für das Wachstum der Unternehmen verstanden wird, die aus der Entwicklung neuer Technologien heraus entstanden sind. Die von den Investoren vorgenommene Unterscheidung zwischen diesen aus dem technologischen Wandel hervorgegangen Unternehmen und traditionellen Akteuren spiegelt weitgehend die Situation der Blase von 2000 wider, bei der die Werte der New Economy denen der traditionellen Wirtschaft gegenübergestellt wurden. Die gleiche Beobachtung kann auch im Hinblick auf die Bewertung gemacht werden. Nach der neuen Outperformance der Growth gegenüber den Value Indizes nähert sich ihr relatives KGV den Werten von 2000 an.

Relatives KGV von Growth zu Value erinnert fatal an das Jahr 2000
Das Niedrigzinsumfeld drängt die Anleger auch dazu, um jeden Preis nach Rendite zu suchen. Und so investieren sie einen immer größeren Anteil ihrer Mittel in nicht börsennotierte Anlagen wie Private Equity-Fonds, Privatanleihen, Immobilien oder Infrastruktur. Diese Fonds haben angeblich den doppelten Vorteil, hohe Renditen zu versprechen und unter Vermeidung von „Mark to Market“-Bewertungen die Volatilität der Märkte zu umgehen. Aber diese Geldflüsse führen zu Exzessen.

Multiples steigen auch bei Privatmarktinvestments: Zuviel Geld verdirbt die Rendite
So explodieren die von der Private Equity-Branche bei Übernahmen von nicht börsennotierten Unternehmen in Kauf genommenen Bewertungskennzahlen und scheinen nichts mehr mit denen zu tun zu haben, die an den Märkten beobachtet werden. Anlass zur Sorge bieten auch die immer stärkeren Finanzierungshebel, die bei solchen Transaktionen zum Einsatz kommen und diese Investitionen schwächen, sobald die kleinste negative Entwicklung bekannt wird.  Die Folgen eines solchen Verhaltens lassen sich zwar noch nicht absehen, aber diese Fonds sind keinesfalls immun gegen eine abflauende Konjunktur oder eine korrigierte Zinspolitik und bieten darüber hinaus auch keine Liquidität.

Annahme anhaltender Niedrigzinsen befeuert die Risk-On-Haltung
Der enorme Preisanstieg solcher Anlagen wurde durch einen beispiellosen Zyklus von immer niedrigeren Zinsen entfacht. Indem die Anleger einen immer größeren Anteil ihrer Investitionen für diese Art von Strategien aufwenden, tun sie so, als ob die von den Verbraucherpreisindizes gemessene Inflation endgültig der Vergangenheit angehörten und die Zentralbanken ihre Leitzinsen niemals erhöhen würden. Die von ihnen dabei akzeptierte Risikokonzentration beruht einzig und allein auf der Annahme anhaltender Niedrigzinsen. Am Anleihemarkt haben die Renditen der Staatsanleihen weitere Tiefststände erreicht. Der deutsche 10‑Jahres-Satz ist mit einem Negativwert von ‑0,2 Prozent auf einen historischen Tiefstand gesunken.

Mangelnde Risikostreuung rächt sich bei geplatzten Bewertungsblasen
Die Grundsätze der Risikostreuung sollten die Invetsoren insbesondere dann zur Vorsicht anhalten, wenn sich Bewertungsblasen bemerkbar machen. Auf dem Markt herrscht fast überall Einigkeit darüber, dass die seit der Krise 2008 weltweit eingeführte außergewöhnliche Geldpolitik beibehalten werden sollte. Ebenso ist auch eine Rückkehr der Inflation endgültig zu den Akten gelegt worden. Dies kann jedoch in der aktuellen Situation gefährlich werden, wo die umfassende Verlagerung von Arbeitsplätzen in Niedriglohnländer, die eine gewisse Lohnzurückhaltung auf der ganzen Welt ermöglicht hat, nach einem Lohnanstieg in diesen Ländern und nach der Wiedereinführung protektionistischer Maßnahmen ins Stocken gerät. (kb)

 

 

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