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#MeToo-Paranoia bringt Frauen in der Finanzbranche um eine Topkarriere

Viele Männer vermeiden es heute, mit Frauen allein zu sein, um nicht der sexuellen Belästigung beschuldigt zu werden. Für die Karriere von Frauen in der Finanzbranche ist das ein Tiefschlag.

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© Sergey Nivens / stock.adobe.com

Die jüngste Debatte über sexuelle Belästigung hat unerwünschte Nebenwirkungen: Männliche Wall-Street-Banker vermeiden laut einem Bloomberg-Bericht immer häufiger den Kontakt mit ihren Kolleginnen. Keine gemeinsamen Abendessen mehr, keine Einzelgespräche, extreme Vorsicht bei Geschäftsreisen – Banker haben in Zeiten von #MeToo offenbar Angst, überhaupt noch alleine mit Frauen zu sprechen. Eine Frau einzustellen sei heute "ein unbekanntes Risiko", so ein Vermögensberater. Sie könnte ja etwas "falsch aufnehmen".

Die Verunsicherung der Männerwelt führt dazu, dass die Wall Street wieder zu einem reinen Männerclub werden könnte. Frauen sind dort in den oberen Führungsrängen ohnehin kaum vertreten. Dadurch, dass sie nun von ihren männlichen Kollegen gemieden werden, schrumpfen ihre Karrierechancen weiter. "Es gibt nicht genug Frauen in leitenden Positionen, um die nächste Generation ganz alleine hochzubringen", so Lisa Kaufman, Chefin von LaSalle Securities, gegenüber Bloomberg. Um an der Wall Street vorwärts zu kommen, brauchen Frauen jemanden auf oberster Ebene, der sie fördert.

Keine Penthouse-Party mehr
Ein Manager gab in einer Befragung an, er treffe sich mit weiblichen Angestellten nicht mehr in Räumen ohne Fenster und halte in Aufzügen bewusst Abstand. Ein anderer Manager erklärte, er treffe sich auf Rat seiner Gattin hin nicht mehr mit Kolleginnen unter 35 Jahren zu Geschäftsessen. Die Firma Context Capital Partners hat sogar eine ihre jährlich stattfindende Party abgeschafft, die nach einer Konferenz regelmäßig in der Penthouse-Suite des Chefs stattfand. Männer fürchten offenbar, dass sie fälschlicherweise der sexuellen Belästigung beschuldigt werden könnten.

Das Verhalten der Männer ist nicht nur ein Problem für Frauen, sondern könnte sich auch für die Männerwelt als Bumerang erweisen, warnt der Arbeitsrechtler Stephen Zweig von der Kanzlei Ford-Harrison. "Wenn Männer es vermeiden, mit Frauen alleine zu arbeiten oder zu reisen, oder aufhören, Frauen aus Angst vor dem Vorwurf sexueller Belästigung zu fördern, werden diese Männer zwar eine Beschwerde wegen sexueller Belästigung vermeiden", sagt er. Sie könnten sich aber Klagen wegen sexueller Diskriminierung einhandeln. (fp)

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