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MerckFinck: Ist eine inverse Zinskurve wirklich eine schlechte Nachricht?

Ob und inwieweit eine inverse Zinsstrukturkurve für institutionelle Investoren ein Grund dafür ist, auf die Verkaufsknöpfe zu drücken, oder ob dies differenzierter zu sehen ist, analysiert der Leiter des Investment Managements von Merck Finck.

Robin Beugels, Merck Finck
Robin Beugels, Merck Finck
© Merck Finck

Es ist ein seltenes Ereignis, das viele Experten als schlechtes Omen werten: Erst zum zweiten Mal seit der deutschen Wiedervereinigung ist die Zinskurve bei Bundesanleihen invers. In der Vergangenheit war dies häufig ein Vorbote eines wirtschaftlichen Abschwungs. Der Leiter des Investment Managements von Merck Finck, Robin Beugels, erläutert in der hauseigenen Publikation "Blitzlicht", warum dies von institutionellen Investoren genauer betrachtet werden sollte.

Inverse Zinskurve - oftmals ein Vorlaufindikator für eine Rezession
Inverse Zinskurven signalisieren, dass Anleger trotz höherer kurzfristiger Zinsen vermehrt in länger laufende Anleihen investieren, weshalb die Nachfrage hier zunimmt und die Preise entsprechend steigen und damit die Renditen sinken. Dieses Anlegerverhalten zeigt, dass die Markteilnehmer mehrheitlich keine weiteren Zinssteigerungen erwarten, was in der Regel der Aussicht auf eine wirtschaftliche Rezession verbunden ist.

Dieser Tage scheint der Markt genau dieses Szenario einzupreisen. So lagen die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen mit 1,92 Prozent um 0,2 Prozentpunkte unter den Renditen für zweijährige Bundesanleihen. "Wir gehen davon aus, dass sich diese Inversion sogar nochmals leicht ausweitet. Denn wir rechnen per Ende nächsten Jahres mit einer Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe von 2,1 Prozent, während die EZB ihre Leitzinsen noch etwas weiter auf bis 3,0 Prozent hochfahren dürfte", prognostiziert Beugels.

Rentenmarkt hatte Anfang der 1990er Jahre recht
Vor der gegenwärtigen Situation invertierte die deutsche Zinskurve zuletzt im November 1990. Damals für fast zwei Jahre und bis zu einer Differenz von 1,3 Prozentpunkten. 1990 bis 1992 war die inverse Zinskurve Vorbote der Rezession, die Deutschland dann im Jahr 1993 erfuhr.

Ist die invertierte Zinskurve damit zwangsläufig eine schlechte Nachricht?
"Nein, denn die inverse Zinskurve kann nicht nur als Vorbote einer Rezession gewertet werden, sondern auch als Anzeichen eines Wendepunktes bei der Inflation. In den USA haben wir in den vergangenen Monaten genau das beobachtet. Hier invertierte die Zinskurve bereits Anfang Juli dieses Jahres. Damit nahmen die Marktteilnehmer relativ präzise die vorläufige Wende der Inflationsentwicklung in den USA vorweg. Diese erreichte nämlich im Juni mit neun Prozent ihren bisherigen Höhepunkt und ist nun seit vier Monaten rückläufig (zuletzt 7,7 Prozent)", erkläutert Beugels.

This time it is different...
Die inverse Zinskurve könnte Beugels zufolge diesmal eher ein Grund zum Aufatmen sein, vor allem für die inflationsgeplagten Verbraucher und industriellen Großeinkäufer. Denn eine vorübergehende Rezession ist für Wirtschaft und Bürger allemal besser zu verkraften als eine weiter anhaltend hohe Inflation.

Was bedeutet die inverse Zinskurve für Anleger?
Mit Blick auf die von der Zinssituation angezeigten Rezessionsrisiken erscheint es Beugels zufolge ratsam, Risiken in Unternehmensanleihen, hauptsächlich Hochzinsanleihen, zu reduzieren. Denn aufgrund der sich abschwächenden Bonität einzelner Unternehmen und zu erwartenden Ratingherabstufungen sei hier eine vorsichtigere Positionierung zu empfehlen.

"Eine weitere Möglichkeit wäre eine Investition in langlaufende, sichere Anleihen. Denn sofern im Falle einer Rezession die langfristigen Zinsen aufgrund der Flucht in sichere Häfen tendenziell etwas sinken würden, könnten sie einen teilweisen Ausgleich zu sich schwächer entwickelnden Anlageklassen darstellen. Grund dafür ist, dass langlaufende Anleihen im Vergleich zu kürzeren stärker im Kurs steigen, wenn die Renditen fallen. Als Faustregel gilt, je kürzer die Laufzeit der Anleihen, desto geringer ist die Kursbewegung bei sich änderndem Zinsniveau", schreibt Beugels abschließend. (aa)

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