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Martin Hüfner: Lage ist wesentlich schlimmer als vielfach angenommen

Der Chefvolkswirt von Assenagon analysiert die Zahlungsflüsse in Euroland und kam zu einem "erschreckenden" Ergebnis: Die Krise ist nur am ersten Blick überwunden, unter der Oberfläche nehmen die Risiken zu. Vor allem, dass die Italiener ihre Gelder ins Ausland schaffen, macht Sorgen.

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Dr. Martin Hüfner, Assenagon: "Als ich die Zahl in der letzten Woche sah, er­schrak ich. Erzählt sie doch eine ganz andere Geschichte als die, die man derzeit überall zur Währungsunion hört."
 
© Assenagon

Dr. Martin Hüfner, Chefvolkswirt von Assenagon, relativiert in seinem dieswöchigen Kommentar die gute Stimmung in der Eurzone. Auch wenn es am ersten Blick gute Argumente gibt, dass die Eurokrise zu Ende geht, ist das Bild nicht ungetrübt. Denn die Kapitalflucht aus den Peripherieländern geht unverändert weiter. In Italien haben die europakritischen Parteien eine Mehrheit erreicht. Das bedeutet, dass es politisch und wirschaftlich schwieriger werden könnte in Europa, auch bei der geplanten Vertiefung der Währungs­union. Hüfners Kommentar können Sie nachfolgend im Originalwortlaut lesen: (aa)


"Jeweils zur Monatsmitte veröffentlicht die Bundesbank eine Statistik, die in der Öffentlichkeit wenig beachtet wird, die es aber in sich hat. Sie zeigt die Beträge, mit denen die Mitglie­der der Währungsunion über das Europäische Zahlungsver­kehrssystem bei der Bundesbank in der Kreide stehen. Im Februar waren es netto 914 Milliarden Euro. Das waren 32 Milliarden Euro mehr als im Januar und 100 Milliarden Euro mehr als vor einem Jahr. Als ich die Zahl in der letzten Woche sah, er­schrak ich. Erzählt sie doch eine ganz andere Geschichte als die, die man derzeit überall zur Währungsunion hört.

Nach der offiziellen Story steht die Gemeinschaft im Augen­blick so gut da wie schon lange nicht mehr. Das Wachstum ist hoch. Die Arbeitslosigkeit geht zurück. Die Preissteige­rung ist zwar noch nicht da, wo sie sein sollte. Die Gefahr der Deflation ist aber gebannt. Die Europäische Zentralbank baut ihre ultralockere Geldpolitik Stück für Stück ab. Auf den Devisenmärkten strotzt der Euro nur so vor Kraft. Das hängt auch damit zusammen, dass sich das Ansehen der Europä­er in der Welt gebessert hat. Amerikanische Anleger kaufen wieder europäische Aktien und Bonds.

Bei der Verbesserung spielt auch eine Rolle, dass es bei den viel zitierten Reformen vorangeht. Irland, Portugal und Spanien wurden aus den Anpassungsprogrammen des ESM (European Stability Mechanism) "entlassen". Sie zah­len zum Teil schon Kredite zurück, die sie in der Krise erhal­ten hatten. Griechenland steht kurz vor dem Auslaufen der letzten Kredittranche. Wichtig ist auch, dass Frankreich die Modernisierung seines Arbeitsmarkts tatkräftig in Angriff ge­nommen hat.

Das alles deutet darauf hin, dass die Eurokrise zehn Jahre nach dem Beginn endlich zu Ende gehen könnte. Die Politi­ker fangen schon wieder an, über neue Projekte in der Ge­meinschaft nachzudenken. Die Europäische Kommission wünscht sich eine Erweiterung der EU um die Länder des West-Balkans. Bulgarien soll der Währungsunion beitreten. Beides halte ich persönlich für viel zu früh.

Die Finanzminister wünschen sich eine Vertiefung der Inte­gration. Die Bankenunion soll durch eine gemeinsame Ein­lagensicherung weitergeführt werden. Die Kapitalmarktuni­on soll in Angriff genommen werden. Dazu kommen die be­kannten Projekte eines europäischen Finanzministers, eines zusätzlichen Investitionsbudgets für die Euroländer und die Weiterentwicklung des ESM zu einem Europäischen Wäh­rungsfonds.

In diese Euphorie platzen nun die neuen Zahlen der Bun­desbank. Sie zeigen, dass die Welt in Europa doch nicht so heil ist. Das Vertrauen in der Eurozone ist nach wie vor gestört. Kapital flüchtet weiter aus den Peripherieländern (vor allem Italien und Spanien). Von einer Verbesserung ist hier nichts erkennbar. Im Gegenteil, die Situation wird schlimmer (siehe Grafik).

Die Zahlen sind auch deshalb überraschend, weil die EZB etwas ganz anderes prognostiziert hatte. Aus ihrer Sicht waren die Kapitalflüsse innerhalb der Währungsunion eine Fol­ge ihrer Wertpapierkäufe auf den Märkten. Wenn diese Käufe ausliefen, müssten deshalb auch die Kapitalflüsse aufhören. Nun haben sich diese Käufe in den letzten zwölf Monaten von 80 Milliarden auf 30 Milliarden Euro mehr als hal­biert. Eine Abnahme der Kapitalflucht ist aber nicht zu er­kennen.

Noch etwas kommt hinzu: Die letztverfügbaren Zahlen be­ziehen sich auf den Februar. Das war also noch vor den ita­lienischen Wahlen. Dass die europakritischen Parteien bei diesen Wahlen eine Mehrheit erreicht haben, dürfte kaum zu einer Beruhigung der Situation beigetragen haben. Es ist eher zu vermuten, dass die Kapitalflucht aus Italien noch weiter zunimmt. Dies vor allem in dem Fall, dass sich die rechte Lega mit der linken 5-Sterne-Bewegung zu einer ge­meinsamen Regierung zusammentun sollten.

Im Übrigen hat die Europäische Zentralbank selbst gerade in den letzten Wochen immer wieder darauf hingewiesen, dass die Verbesserungen bei Wachstum, Beschäftigung und Inflation in der Gemeinschaft noch keineswegs gesi­chert sind. Sie sind vielmehr in erster Linie durch die ultralo­ckere Geldpolitik bedingt. Wenn die Geldpolitik jetzt zu früh gestrafft würde, so die EZB, könnte es mit den Verbesse­rungen schnell vorbei sein. Das ist der Grund, weshalb sie sich bei der Normalisierung der Geldpolitik so viel Zeit lässt.

Meine Schlussfolgerung: Europa steht im Augenblick nicht so gut da, wie es in der Öffentlichkeit dargestellt wird. Es mag zwar sein, dass sich Frankreich und Deutschland in den nächsten Wochen auf eine Reformagenda für die Wäh­rungsunion einigen. Das heißt aber noch lange nicht, dass das dann auch reali­siert wird. Zum einen haben die nordi­schen Länder schon Opposition angemeldet. Wenn dann noch Italien als dritt­größte Volkswirtschaft des Euroraums einen europakritisch­eren Kurs fahren sollte, sind die Eini­gungschancen noch ge­ringer. Ich kann mir zwar nicht vor­stellen, dass Rom aus der Währungsunion ausscheidet. Ebenso unwahr­scheinlich kommt es mir aber vor, dass es sich der notwen­digen fiskal­politischen Disziplin unterwirft.

Für den Anleger
Wenn meine Einschätzung richtig ist, dann wird die Eupho­rie in Europa so nicht anhalten. Es wird schwieriger. Das wird sich auch an den Märkten zeigen. Der Euro wird trotz aller Unsicherheit mit der Politik Donald Trumps nicht mehr so stark aufwerten. Die Zinsen werden nicht so steigen, wie viele dies derzeit für angemessen halten. Auch an den euro­päischen Aktienmärkten wird es nicht die Kurssteigerungen geben, auf die viele hoffen."

 

 

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