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Marc Faber erwartet schlimme Assetpreis-Deflation und Rezession

Der "Dr. Doom" genannte Herausgeber des Gloom Boom & Doom Reports, Börsenguru Marc Faber, erwartet, dass die Vermögenspreis-Inflation, die Anfang der 80er-Jahre bei Aktien und Bonds startete, in eine Vermögenspreis-Deflation mündet. Schwache Aktienkurse sprächen für eine starke Rezession.

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Marc Faber spricht Klartext.
© Scott Eells / Bloomberg News

Marc Faber hält in einem Telefoninterview fest, dass viele Aktien schon die Hälfte ihres Wertes verloren hätten. Dies sei grundsätzlich kein schlechter Zeitpunkt, in den Markt wieder einzusteigen, lehre die Statistik, es sei denn, am Markt habe sich etwas Grundsätzliches verändert. Es sei evident, dass sich das Wachstum in China verlangsame und im Speziellen europäische Exporteure wie die deutsche Autoindustrie darunter zu leiden hätten, deren Gewinnaussichten sich verschlechterten. 

Kein Crash am Horizont, aber....
Der nun in Thaliand lebende Schweizer hatte bereits im Februar dieses Jahres gemeint, er erwartet keinen Crash à la 1987, wo der US-Markt an einem Tag 21 Prozent verlor. Vielmehr erwartet Faber eine zwei- bis dreijährige Phase mit Kürsrückgängen, die von Erholungen abgelöst würden, ehe es wieder Rücksetzer gebe und so fort - also eine quälend lange Phase insgesamt sinkender Kurse als Vorbote einer schlimmen Rezession.

Zentralbanken machen alles falsch
Quantitative Easing hätte man Fabers Ansicht zufolge schon 2011 beenden sollen. Zu lange am Gas zu bleiben und die Zinsen tief zu halten, sei ein kapitaler Fehler gewesen. Den nächsten Fehler begehe man jetzt, wo sich die Daten abschwächten und man weiter am US-Leitzins drehe. Faber erwartet jetzt noch eine letzte Leitzinsanhebung im Dezember 2018, doch dann ist seiner Meinung nach Schluss, weil sich das US-Wirtschaftswachstum deutlich verlangsamt. Das gilt auch für die Weltwirtschaft, wie man an den Zahlen von Swatch und Compagnie Financière Richemont aus der Luxusgüterindustrie ablesen kann. Deren Kurse sind deutlich gefallen. Die Märkte weisen durch ihre Schwäche auf eine ziemlich starke Rezession hin.

Was könnte die Fed tun?
Faber: "Sie könnte nochmals ein Quantitative Easing Programm auflegen und massiv Anleihen aufkaufen. Doch das hilft womöglich nicht mehr. Wenn der Markt diese Strategie durchschaut, würde dies den Dollar deutlich schwächen. Die Auslandsanleger würden dann höhere Zinsen verlangen. Schließlich kontrolliert die Fed nur die Zinsen am kurzen, nicht aber am langen Ende." Theoretisch könnte die Fed Aktien wie die Bank of Japan kaufen, meint Faber, doch das mündet am Ende in einer Staatswirtschaft, wo die Unternehmen vom Staat beherrscht werden. 

Zu teure FAANG-Aktien, charmante Renditen bei Schweizer Versicherern 
Inbesondere die astronomisch hoch bewerteten amerikanischen Technologiewerte wie Facebook, Apple, Amazon, Netflix & Co. seien korrekturanfällig, während Swiss Re und Zurich Insurance Renditen von mehr als fünf Prozent aufwiesen. 

Handelskrieg als Lose-lose-Situation
Der von Donald Trump begonnene Handelskrieg werde keinen Gewinner haben, so Faber weiter. Eine gründliche Analyse des US-Handelsbilanzdefitzits würde zeigen, dass es der Überkonsum der Vereinigten Staaten sei, der für diese Ungleichgewicht sorge. Amerika spare zu wenig.

Vermögenspreisdeflation ante portas: Wo kann man sich verstecken?
Insgesamt weisen Vermögenswerte im Ausmaß von sieben Billionen eine negative Rendite aus, und trotzdem gibt es Investoren, die diese kaufen. Laut Faber seien dies nicht samt und sonders Dummköpfe, sondern dächten sich etwas dabei. Er besitze eine hübsche Menge Gold, was angesichts der zu erwartenden Assetpreis-Deflation das richtige sei. Laut Faber geht es darum, bei der Vermögenspreis-Deflation nicht 30 Prozent zu verlieren, sondern weniger: "Ich erwarte, dass Gold weniger stark fallen wird, und Schweizer Bundesanleihen, bei denen man pro Jahr 0,2 bis 0,4 Prozent verliert, sind in einem solchen Szenario gar keine schlechte Idee."  

Politische Überlegungen
Marc Faber wäre nicht Marc Faber, würde er nicht in seinem "big picture" auf politische Vorkommnisse eingehen. So bezweifelt das Urgestein, ob die Krisenbewältigungsmethoden der Vergangenheit wie Gelddrucken und fiskalpolitische Impluse in einer Zeit, wo das Vertrauen in die Eliten und Bürokraten schwinde, noch funktionieren kann. Er erinnerte in diesem Zusammmenhang an die Gelbwesten-Bewegung, die ein tiefes Unbehagen der weniger Begüterten gegenüber Institutionen und den sogenannten Eliten zum Ausdruck bringt. 

Krieg als ultima ratio zur Lösung der Gegenwartsprobleme?
Die Schweiz und Europa seien an keinem Krieg interessiert, in den USA sei das anders. Dort würden Politiker am Krieg verdienen, weswegen es immer wieder zu Feldzügen à la Afghanistan- und Irak-Krieg komme. Historisch betrachtet, seien kriegerische Auseinandersetzungen in Krisenzeiten zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums immer beliebt gewesen - man denke nur an den 2. Weltkrieg, der Amerikas Wirtschaft zumindest auf kurze Sicht geholfen habe. (kb)

 

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