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MainSky AM: Kartell-Zerfall verschärft Rezession

Der ausgebrochene Ölpreiskrieg sei ein Krisenbeschleuniger, da ein länger anhaltender Preisverfall die Corona-Rezession verschlimmern werde, meint Dr. Adolf Rosenstock, volkswirtschaftlicher Berater bei MainSky Asset Management.

Dr. Adolf Rosenstock, MainSky Asset Management
Dr. Adolf Rosenstock, MainSky Asset Management
© MainSky

Auch wenn ein fallender Ölpreis Konsumenten freut und mittel- bis langfristig die Konjunktur stützt, sind die von einem zu niedrigen Ölpreis ausgehenden Effekte äußerst schädlich. Davor warnt Dr. Adolf Rosenstock, volkswirtschaftlicher Berater MainSky Asset Management, in einer aktuellen Einschätzung. Zur Orientierung: Mit etwas über 20 US-Dollar war ein Barrel der US-Ölsorte WTI zuletzt so billlig kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Öl kostet damit weniger als die Hälfte des Durchschnitts in 2019.

OPEC-Kartell zerbrochen
De facto sei laut Rosenstock das OPEC-Kartell zerbrochen und Saudi-Arabien hat den anderen Produzenten, darunter Russland und die USA, den Preiskrieg erklärt. Neben kleineren ölexportierenden Ländern werden die niedrigen Preise vor allem die Fracking-Industrie in den USA vor große finanzielle Probleme stellen. „Hält die Talfahrt im Ölpreis an, dürften viele Unternehmen ohne staatliche Hilfe kaum überleben können. Je weiter eine Einigung der Ölförderländer in die Ferne rückt, umso stärker dürfte die ohnehin schon durch das Corona-Virus stark angeschlagene Weltwirtschaft zusätzlich belastet werden. Die Rezession dürfte tiefer ausfallen und länger anhalten“, warnt Rosenstock.

Ein länger anhaltender Ölpreiskrieg würde schmerzhafte Kollateralschäden verursachen und die bevorstehende Rezession wegen der Corona-Pandemie noch verschärfen. In 2014 versuchte Saudi-Arabien mit den gleichen Mitteln, die aufstrebende US-Fracking-Industrie im Keim zu ersticken. Die Einnahmeausfälle durch die fallenden Preise stürzten zahlreiche Förderländer, aber auch die US-Bundesstaaten mit umfangreichen Ölförderungen in die Rezession. Dieses Mal wird es Rosenstock zufolge genauso sein. Die meisten kleineren und mittelgroßen amerikanischen Ölfirmen, die das Fracking dominieren, sind massiv verschuldet. Der Einbruch ihrer Einnahmen werde sie schon bald vor große Finanzprobleme stellen. Die im S&P MidCap 400 gehandelten Öl- und Gasfirmen haben seit Anfang des Jahres zwei Drittel ihrer Marktkapitalisierung verloren. Viele von ihnen werden bei einer längeren Talfahrt der Preise ohne staatliche Hilfe kaum überleben können.

Alle müssen um das eigene Überleben willen mehr Öl fördern
Alle Ölproduzenten müssten jetzt zuerst den eigenen Cashflow erhalten, um ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Neben radikalen Kostensenkungen werden sie laut Rosenstock gezwungen, die eigene Förderung zu maximieren. Mit Ausnahme der ganz großen Ölproduzenten sind alle anderen in der jetzt kartellfreien Lage ein Preisnehmer in einem freien Markt. Deshalb müsse mit einem weiteren Kollaps der Ölpreise in den kommenden Monaten gerechnet werden. „Theoretisch liegt der Tiefpunkt auf der Höhe der marginalen Kosten des Grenzanbieters. In der Praxis kann man darüber nur spekulieren. Da die gesamten Produktionskosten der meisten Ölfirmen aber zwischen fünf und 15 US-Dollar ohne Abgaben (sie können ausgesetzt werden) liegen, kann man sich ausrechnen, wie weit der Preis noch fallen kann. Die marginalen Grenzkosten dürften bei nur wenigen Dollars liegen“, erklärt Rosenstock.

Entweder käme es dann zu einer Wiederbelebung des OPEC-Kartells oder die Ölförderung zu hohen Kosten wird eingestellt. Wie auch immer, mittelfristig dürfte es deshalb wieder zu höheren, kostendeckenden Ölpreisen kommen. Aber im Unterschied zu 2014/15 werden diesmal die Kosteneinsparungen auf Seiten der Ölverbraucher keine Mehrnachfrage auslösen, solange die zu erwartende Rezession der Weltwirtschaft durch die Pandemie anhält. „Vorerst also verschärft der nun gestartete Ölpreiskrieg die vom Coronavirus ausgelöste globale Wirtschaftskrise noch, weil das Einnahmedesaster der Ölproduzenten unnötigerweise hinzukommt. Die anstehende globale Rezession dürfte deshalb tiefer werden und länger anhalten“, prognostiziert Rosenstock abschließend. (aa)

 

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