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Lars Feld: Ein Wirtschaftsweiser als Oppositioneller

Der Star-Ökonom findet, die Arbeit des Sachverständigenrates ähnelt der einer außerparlamentarischen Opposition. Nicht nur der Regierung gibt er jedoch Konter, auch mit den Lösungen zur Bewältigung der Euro-Krise zeigt sich der Wirtschaftsweise und IMK-Starreferent nicht immer zufrieden.

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Der Wirtschaftsweise Lars Feld (Bildmitte, mit Angela Merkel und Christoph Schmidt, Chef des Sachverständigenrates) sieht sich als außerparlamentarischen Oppositionellen und hält wenig von der Eigenwahrnehmung als Philosophenkönig, wie sie manche Kollegen widerfahren dürfte.
© Krisztian Bocsi / Bloomberg

Will man den Wirtschaftsweisen Lars Peter Feld aus der Reserve locken, muss man schon die eine oder andere rhetorischen Extra-Meile laufen. Man muss bereit sein, in einem akademischen Umfeld populistisch zu agieren. Auch darf man sich vor intellektuellen Grauzonen nicht fürchten. Dann – und nur dann – kann man bei dem Ökonomen eine hochgezogene Augenbraue, vehementes Kopfschütteln, leichte Gesichtsröte und ein wiederholtes "I completely disagreee, I completely disagree" provozieren.

Agent Provocateur

Gelungen ist das einmal John Ralston Saul, Autor und Präsident des PEN International im Rahmen der 18. Karlsruher Gespräche. Der Kanadier erklärte Feld, dass Adam Smith nur ein wirklich bedeutendes Buch und anschließend nur noch Fußnoten zu diesem Werk verfasst hatte. Feld, der den Braten roch, bevor der Titel des Buches genannt worden war, blickte zunächst nur argwöhnisch hoch, als Saul dann aber tatsächlich das aus seiner Sicht einzige, valide Smith-Werk nannte – "Die Theorie der ethischen Gefühle" und nicht das später erschienene "Wohlstand der Nationen" – schüttelte er in bereits beschriebener Manier sein Haupt, Gesichtsröte und Protest folgten.

Wer angesichts dieser Reaktion glaubt, bei Feld handle es sich um einen ökonomischen Dogmatiker, irrt jedoch. Für ihn sind beide Werke gleich wichtig – womit sich eine seiner intellektuellen Stärken manifesitiert: Das Ausnützen jedweden ökonomischen Instruments, egal aus welcher akademischen Richtung es kommt. Nützlich und richtig sollte es nur sein.

Oppositionsrolle

Wie pragmatisch der bekennende Bayern München Fan an seine Profession geht, erkennt man auch, wenn man ihn zu seinem Verständnis des Sachverständigenrates fragt. Bemerkenswert realitätsnah erklärt er dann, dass der Rat Anleitungen und Strategien aufzeigen kann, die politische Verantwortung der Umsetzbarkeit liege aber bei anderen. "Ich habe volles Verständnis dafür, wenn sich die politischen Mehrheiten ich finden lassen. Das macht mich dann vielleicht traurig, aber so ist nun mal die Demokrattie."

Was jedoch nicht bedeutet, dass man den jeweiligen Regierungen nach dem Mund redet, um vielleicht die eine oder andere Maßnahme umgesetzt zu bekommen und sich in weiterer Folge die Meriten ans Revers heften zu können. "Da handelt es sich um ein Missverständnis. Wir sind nicht die Claqueure der Regierung, sondern wirken immer wie eine außerparlamentarische Opposition. Es geht immer um die Kritik", so Feld.


(c) APA_Stefan Boness_Visum

Starreferent Lars Feld vertritt eine sehr dezidierte Meinung zum Umgang mit Griechenlands Schulden und hält auch den Aktionismus des EU-Kommissionspräsidenten für entbehrlich. Auf dem Institutional Money Kongress wird der Wirtschaftsweise im Rahmen seines Vortrags "Wie Europa doch noch funktionieren kann"  Perspektiven für die Union aufzeichnen. Interessant werden seine Ansichten wohl nicht nur für das Auditorium sondern auch für Regierung sein. Der bekennden Fan der mittlerweile gescheiterten Jamaica-Lösung wird in seiner selbst definierten Rolle als außerparlamentarischem Oppositionellen auch mit unanangenehmen Wahrheit nicht hinter dem Berg halten.

Zum Star-Vortrag anmelden kann man sich entweder hier oder die beiden unten angeführten Schaltflächen.

 

 


 

Werdegang & intellektueller Überbau

Der Ökonom selbst ist seit  2011 einer der fünf „Wirtschaftsweisen“ des Sach­verständigenrat der deutschen Bundesregierung nach, wie es offiziell – und ein wenig holprig – heißt. Kurz zuvor hatte der Ökonom den Lehrstuhl des Walter-Eucken-Instituts in Freiburg übernommen. Damit stieg er zum ­Hüter der Tradition des Ordoliberalismus auf – der ökonomischen Denkschule, auf der die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft fußen und die nach dem Zweiten Weltkrieg den Grundstein für den wirtschaftlichen Aufstieg der jungen Bundesrepublik legte. Ganz im Sinne der von Walter Eucken begründeten „Freiburger Schule“ prägt Feld heute die politische und ökonomische Dis­kussion in Deutschland.

Schuldenfrage

Eine Vergemeinschaftung der europäischen Staatsschulden lehnt Feld etwa ab. Die ­europäische Integration vertiefen sollen die Nationen erst, wenn sie sich auf gemeinsame Regeln geeinigt haben – und diese auch einhalten. Die Schuldenkrise in Griechenland etwa wäre seiner Meinung nach nicht ausgeartet, hätten die anderen EU-Staaten darauf gepocht, dass Athen die Haushaltsvorgaben wirklich einhält. Eine zügige Ausdehnung des Euroraums auf die ­osteuro­päischen Beitrittskandidaten lehnt der Wirtschaftsweise ebenso vehement ab.

Mit diesem Vorstoß hatte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker auf das Ausstiegsvotum der Briten reagiert. Vor einer Währungsunion müssten die Volkswirtschaften der Teilnehmerstaaten zuerst auf einen halbwegs gleichen Stand gelangen, argumentiert Feld. Zugleich plädiert der Wirtschaftswissenschaftler für eine enge europäische Zusammenarbeit, ist also mitnichten ein Europa-Skeptiker. Seine Haltung entspringt vielmehr der ökonomischen Tradition, die er vertritt: Die Politik sollte die Wirtschaft nicht einengen oder gar strangulieren, sondern sich frei entfalten lassen – aber innerhalb eines strikt gesetzten Rahmens.

So verteidigt Feld in Debatten wortgewandt die freie Marktwirtschaft gegen ­Regu­lierungswut und Planungsfantasien. Andererseits wehrt er vehement eine gedankenlose Entfesselung der Marktkräfte ab – ein weiterer Beleg dafür, dass es dem Ökonomen um möglichst effiziente Instrumentarien und nicht um Ideologie geht. (hw)

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