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Kurzfristig kann wenig getan werden, um die Gas-Krise zu entschärfen

Die größten Gashändler und Gasproduzenten der Welt treffen sich in Dubai zur Gastech-Konferenz - der ersten großen Veranstaltung der Branche seit dem Corona-Ausbruch. Die Konferenz findet vom 21. bis 23. September zu einer Zeit statt, wo Europa mit einer Gaskrise konfrontiert ist.

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Ohne Gas wird es nicht gehen, auch wenn es den Klimabwegten nicht passt.
© Bloomberg / Bloomberg

Die Gaspreise sind auf ein Rekordniveau gestiegen, und Analysten davor warnen, dass es in einigen Ländern bei Wintereinbruch zu Stromausfällen kommen könnte. "Gegen die hohen Gaspreise kann vorerst wenig unternommen werden, da Abhilfemaßnahmen erst nach Monaten Wirkung zeigen", so Didier Holleaux, Executive Vice President des französischen Energieunternehmens Engie, im Gespräch mit Bloomberg News. "Wir hoffen, dass der Winter in der nördlichen Hemisphäre nicht zu kalt beginnt. Wenn nicht, sind wir in Schwierigkeiten."

Kalter Winterbeginn würde Schwierigkeiten bei der Stromversorgung bedeuten
Der deutsche Energieversorger Uniper erklärte, dass die Kreditrisiken in der Branche zunähmen und mehr Unternehmen Liquiditätsprobleme bekommen könnten. Es gebe kaum Anzeichen dafür, dass Russland die Gaslieferungen nach Westeuropa zurückhalte, sagte Niek Den Hollander, Chief Commercial Officer von Uniper. Die russische Gazprom müsse ihre eigenen Vorräte für den lokalen Markt auffüllen, sagte Holleaux, was ein Grund dafür sei, dass sie die Exporte nicht stark erhöhen könne.

Türkei in Troubles
Der Anstieg der Gaspreise bedeutet, dass dieses Jahr für Importeure "sehr schwierig" sein werde und die Türkei Schwierigkeiten haben werde, so viel LNG wie 2020 zu kaufen, sagte der stellvertretende Minister für Energie und natürliche Ressourcen, Alparslan Bayraktar. Die Nachfrage im Land werde mit 60 Milliarden Kubikmetern im Jahr 2021 "sehr hoch" sein, sagte er. Die Regierung verhandle mit Gazprom über neue Gasverträge, sagte er und fügte hinzu, dass es sich dabei um hybride Modelle handeln könnte, bei denen die Preise an Öl- und Gasindizes gekoppelt sind. Auch mit LNG-Lieferanten sei man im Gespräch, sagte er, ohne sie zu nennen. Die Türkei will 2023 mit der Förderung von Gas aus den jüngsten Funden im Schwarzen Meer beginnen, sagte er. Damit werde die Abhängigkeit des Landes von Gasimporten von 100 auf etwa 75 Prozent sinken.

Katar erklärt, dass die Nachfrage nach LNG riesig ist 
"Es gibt eine riesige Nachfrage und wir haben im Grunde eine festgelegte Kapazität", sagte Katars Energieminister Saad Al-Kaabi, wie Blombegr berichtet. Das Land ist der weltgrößte Exporteur von verflüssigtem Erdgas und investiert Milliarden von US-Dollar, um die Produktion zu erhöhen, obwohl das Projekt Jahre dauern wird. "Sie stehen Schlange für LNG", sagte er. "Wir haben eine riesige Nachfrage von allen unseren Kunden, und leider können wir nicht alle bedienen.

LNG-Preise im Himmel
Die LNG-Preise in Asien sind in diesem Monat um fast 50 Prozent auf 27,19 US-Dollar pro Million British Thermal Units gestiegen. Das ist das Energieäquivalent von etwa 155 US-Dollar pro Barrel Öl. "Wir wollen diese hohen Preise nicht", sagte er. "Wir glauben nicht, dass das gut für die Verbraucher ist.

Indonesien will erneuerbare Energien ausbauen 
Indonesien plant, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung bis 2040 auf 70 Prozent zu erhöhen, sagte Energieminister Arifin Tasrif. Die Nachfrage nach Gas werde zunehmen, da die Welt von Diesel und Kohle abrücke, sagte er.

OPEC sagt, dass "Emotionen" die Oberhand gewännen 
OPEC-Generalsekretär Mohammad Barkindo hielt fest, die Gaskrise in Europa mache deutlich, dass mehr Investitionen in fossile Brennstoffe erforderlich seien. Die Regierungen müssten erkennen, dass die Umstellung auf sauberere Energieformen nur langsam vonstatten gehen könne, sagte er. "Emotionen haben die Fakten der Industrie überholt", sagte er auf einer Podiumsdiskussion mit Energieministern aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten. "Wie können wir dieses Narrativ ändern, weil wir es verlieren? Die Zivilgesellschaft und Klimaaktivisten haben den Raum eingenommen. Aktivistische Aktionäre haben die Branche fast erpresst". Die Energieminister von Katar, dem weltweit größten Exporteur von LNG, und den Vereinigten Arabischen Emiraten schlossen sich dieser Meinung an.

Euphorie rund um die Energiewende hält von wichtigen Ersatzinvestitionen ab
"Es gibt eine Euphorie rund um die Energiewende, die die Unternehmen dazu zwingt, nicht zu investieren", sagte Saad Al-Kaabi aus Katar. "Man sollte nicht vergessen, dass neue Investitionen notwendig sind, um die Produktion aufrechtzuerhalten. Die Menschen erkennen jetzt, dass es einen Versorgungsengpass gibt, und wir haben noch nicht einmal die Wintersaison hinter uns.

Erdgas "entscheidend" für die Zukunft der VAE 
Erdgas wird in den nächsten 50 Jahren eine "zentrale" Rolle für die Wirtschaft der Vereinigten Arabischen Emirate spielen, sagte Sultan Al Jaber, Chef der Abu Dhabi National Oil Co. die fast alle fossilen Brennstoffe des Landes fördert. Die VAE, insbesondere die Hauptstadt Abu Dhabi, wollen ihre Exporte von Flüssigerdgas und blauem Wasserstoff steigern. Letzterer, der aus Erdgas hergestellt wird, gilt als Schlüssel für die globale Energiewende. 

Kein anderer Energieträger kann zuverlässig die nötige Grundlast liefern
"Während sich die Welt von der Covid-19-Pandemie erholt, werden die LNG- und anderen Gasmärkte weltweit knapper, da die Nachfrage das Angebot übersteigt", so Al Jaber. "Längerfristig sind die Aussichten ebenfalls robust, vor allem dank der Märkte in Asien. Kein anderer Energieträger kann zuverlässig die Grundlast liefern, um Häuser zu heizen und zu kühlen, die Schwerindustrie anzutreiben und die Wirtschaft auszubauen - und das alles bei minimalen Emissionen. (kb)

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