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Kommentar: Holzmann hat mit Coronahilfe nur für fitte Firmen recht!

Österreichs Notenbank-Chef Robert Holzmann fährt der Regierung, die mit einem massiven Investitionsprogramm für wirtschaftliche Stabilität sorgen will, in die Parade. Unterstützung soll es nur für überlebensfähige Unternehmen geben, fordert der OeNB-Gouverneur.

Robert Holzmann
OeNB-Gouverneur Robert Holzmann
© OeNB

Wenn der neue Gouverneur der Österreichischen Nationalbank den Mund auftut, bekommen viele Land auf, Land ab Schnappatmung. Nun ist es wieder einmal so weit. Im Interview mit der Tageszeitung "Der Standard" sagte Holzmann kürzlich, dass die Corona-Krise nicht dermaßen bedrohlich wie die Finanz- und Wirtschaftskrise vor zehn Jahren sei. Zudem schreibt er der Situation eine reinigende Wirkung zu, weil dadurch nicht mehr überlebensfähige Unternehmen ausscheiden müssten. 

Hektische Betriebsamkeit, verbunden mit raschen Reaktionen waren die Folge. Die EZB sprach sich gegen Holzmanns Ansicht aus, Österreichs Finanzminister Gernot Blümel, der am selben Tag ein 38-Milliarden-Euro-Hilfspaket präsentiert hatte, ebenso. Dann folgte noch Kanzler Kurz, der sich nicht "amused" zeigte. 

Noch mehr Zombies? Nein, danke!
Bevor man in den Chor der Empörten miteinstimmt, sollte man sich zurücklehnen und klar analysieren. Holzmann hat nämlich mit seiner im Moment nicht mehrheitsfähigen Ansicht recht. Zombiefirmen wurden nämlich mit dem billigen Zentralbankgeld schon viel zu lange künstlich am Leben erhalten. Degussa-CEO Dr. Markus Krall etwa schätzt, dass der Anteil von Zombieunternehmen bereits im zweistelligen Bereich - also jenseits der zehn Prozent - liegt. Auch der Ökonom Dr. Daniel Stelter sieht ein Problem ähnlicher Größenordnung.

Kreative Zerstörung statt Ad-Infinitum-Fortschreibung des Ist-Zustandes
Der OeNB Gouverneur berief sich in besagtem Interview auf den Ökonomen Joseph Schumpeter, der die Idee der kreativen Zerstörung vertritt. Was daran schlecht sein soll, dass Zombie-Firmen ausscheiden und den Weg von überlebensfähigen Unternehmen frei machen sollten, wie Holzmann fordert, erschließt sich dem neutralen Beobachter nicht wirklich. Es kann doch niemand ernsthaft fordern, dass mit der Gießkanne Zombies gedüngt werden, die das ökonomische Überleben der gesunden Firmen nur unnötig erschweren, indem sie etwa mit Dumpingspreisen und einem reinen Umsatzdenken anderen die Margen ruinieren. Grenzproduzenten sollte ausscheiden müssen, tragen sie durch diese Flurbereinigung doch zu einer Gesundung der Wirtschaft bei, die dann Stürmen wie dem aktuellen besser widerstehen kann. 

Verschleppte Pleiten
Dass Holzmann es für problematisch hält, wenn wie in Deutschland Konkursanträge ausgesetzt werden, erscheint nur logisch. Marktkräfte walten zu lassen, ist heute unpopulär. Die Politik will den Eindruck vermitteln, alles im Griff zu haben, dabei agiert sie nur wie ein Zauberlehrling, der den Besen à la Staatsinterventionismus kräftig arbeiten lässt, die Freiheitsrechte einschränkt und den Staatsanteil am BIP weiter erhöht. Dieser Weg führt schnurstracks in den Sozialismus. Dazu passt die Idee in Deutschland, dass sich der Staat für Staatshilfe an Unternehmen beteiligt. Die Commerzbank ist ein Beispiel dafür, was in solchen Fällen der staatlichen Beteiligung geschieht respektive nicht geschieht.

Der Staat war und ist immer ein lausiger Unternehmer
Das wusste schon Ludwig Erhard. Natürlich kommt dann der Einwand, man wolle sich nur auf Zeit beteiligen und wie in den USA dann beim Exit zu einem günstigen Zeitpunkt mehr Rendite für den Steuerzahler herausholen. Klingt gut, allein mir fehlt der Glaube, wenn es um europäische Firmen und Politiker geht. Was wird wohl geschehen, wenn die nächste Krise kommt, bevor man die Staatsbeteiligungen verkauft hat? Was passiert, wenn der Einstiegspreis nicht erreicht wird, weil sich die Firma mit Staatsbeteiligung nicht gut genug entwickelt? Dann landen wir letztendlich in einer staatlichen Zwangswirtschaft, wo die Privatwirtschaft nur mehr einen Störfaktor bildet, indem sie vorzeigt, dass man besser wirtschaften kann als unter staatlicher Beteiligung. 

Es wäre an der Zeit, wieder mehr Freiheit zu wagen
Nicht umsonst sind die Staaten mit den höchsten wirtschaftlichen Freiheitsgraden auch jene, die die Rangliste der reichsten Länder anführen. Am anderen Ende finden sich Staaten wie Kuba, Venezuela und Nordkorea. Wenn wir nur den Status quo einfrieren und durch eine höhere Staatsquote einbetonieren möchten, werden wir einen wirtschaftlichen Abstieg erleben, der sich gewaschen hat. (kb)

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