Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
| Kongress-News
twitterlinkedInXING

IWF-Größe Raghuram Rajan: Wahrheits-Fanatiker & Krisen-Prophet

Der indische Starökonom und ehemalige IWF-Chefökonom tritt mit einer nahezu pathologischen Liebe zur Wahrheit den Mächtigen der Welt auf die Füße – sei das ein Alan Greenspan auf dem Höhepunkt seiner Reputation oder ein indischer Premier im Zenit seiner Macht.

raghuram_rajan_bloomberg_simon_dawson249826742_5.jpg
Ein nachdenklicher Raghuram Rajan in Davos, kurz vor dem Ende seiner Amtszeit als Gouverneur der indischen Notenbank. Dass sein Mandat nicht verlängert wurde, war der Preis, den der Querdenker für seine mitunter schonungslose Form der Analyse zu zahlen bereit war.
© Simon Dawson / Bloomberg

Als Alan Greenspan, damals, 2005 in Jackson Hole den Saal betrat, in dem Raghuram Rajan den nächsten Vortrag halten sollte, hatte der scheidende Fed-Präsident wohl relativ genaue Erwartungen an den Inhalt der Rede. Immerhin handelte es sich inoffiziell um die große Abschiedsvorstellung des zu seiner Zeit mächtigsten Notenbankers der Welt, den das international besetzte Auditorium bislang als ökonomischen Messias gefeiert hatte. Nichts anderes als eine Festrede konnte also auf Greenspan zukommen.

Unerschrocken

Es kam jedoch ziemlich komplett anders: Denn Rajan war herzlich egal, wer da vor ihm saß oder was Gott, Greenspan und die Welt von ihm erwarteten. Statt dröger Lobhudelei zauberte der damalige IWF-Chefökonom einen Vortrag aus dem Hut, der folgenden Titel trug: „Has Financial Development Made the World Riskier?“. Alleine eine derartige Frage zu stellen, grenzte damals an Majestätsbeleidigung. Dass er sie auch noch mit „Ja“ beantwortete, und damit den Fed-Chef – einschließlich aller, die seinem Kurs gefolgt waren – mehr oder weniger als Scharlatane enttarnt hatte, kam wirtschaftspolitischem Hochverrat gleich, der folgerichtig mit mehreren akademischen Hinrichtungen durch das Establishment geahndet wurde.



Raghuram Rajan hat Alan Greenspan vor der Finanzkrise und den indischen Premier Narendra Modi vor der Bargeldabschaffung gewarnt. Welcher Politiker trifft gerade die nächste Fehlentscheidung? Und welche Vorkehrungen sollte man treffen? Auf dem Institutional Money Kongress wird der Top-Ökonom  Fragen dieser Art im Rahmen des Vortrags "Marktversagen: Wie man es erkennt – und nützt" beantworten. Wie Sie sich für dieses Event, beziehungsweise den Kongress anmelden können? Das geht relativ simpel: Entweder hier oder die im Anschluss angeführten Schaltflächen ...

 



Dass sich der Diskurs seit 2008 leicht ­gedreht hat, wissen wir. Ebenso gedreht hat sich die Reputation der beiden Protagonisten. Rajan gehört inzwischen zu den ­anerkann­tes­ten Ökonomen der Welt. Das spiegelt sich auch in seiner Mitgliedschaft bei der „Group of 30“ wider. Dreimal zehn Banker, Ökonomen und Notenbank-Chefs wie Kenneth ­Rogoff, Timothy Geithner oder Jean-Claude Trichet gehören diesem Zirkel an, der einmal im Jahr zusammentrifft, um die brennendsten Fragen der globalen Wirtschaft zu diskutieren.

Konflikt mit Indiens Premier

Nach seinem Top-Job beim IWF wurde ­Rajan jedenfalls an einem anderen Hotspot der globalen Wirtschaft tätig: Indien. Dort hatte er das Amt des Notenbankpräsidenten inne – und sprach sich vehement gegen die Abschaffung des Bargeldes auf dem Subkontinent aus. Das und sein rigider Kurs gegenüber den Banken des Landes führten dazu, dass Premier Narendra Modi dem Ökonomen eine zweite Amtszeit verweigerte. ­Rajan kehrte nach Chicago zurück, wo er seit 1995 eine Professur inne­hat. Inzwischen wissen wir, dass Rajan auch im Konflikt um Indiens Bargeld recht behalten hat. Beobachter bezeichnen die Geldreform als „kompletten Fehlschlag“.

Absage an Politik

Zuletzt galt Rajan als potenzieller Nobelpreisträger und Fed-Präsident. Auch ein Sitz im indischen Parlament wurde ihm ­ange­boten. Zumindest den Job als Parlamentarier hat er aktiv abgelehnt: Danke, kein Interesse. Es scheint ihm in ­Chicago zu gefallen. Die Universität gilt als Hort der Rationalität. Diese steht dafür, dass recht bekommen sollte, wer recht hat – und nicht wer gerade an den Hebeln der Macht sitzt. Kein Wunder, dass es den Ökonom in der "Windy City" hält.

Ab und zu einen Abstecher macht er dann aber doch. Beispielsweise nach Frankfurt. Um auf dem Institutional Money Kongress über ökonomische Wahrheiten zu reden. Schonungslos, vielleicht sogar provokant, aber garantiert neu gedacht und dazu angetan, dem Publikum das zu verschaffen, worauf es wahrscheinlich am meisten hofft: Einen Wissensvorsprung. (hw)

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen