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Kehret um und tut Buße: Woran die Klimabewegung erinnert (Kommentar)

Auf den ersten Blick sieht man keine Parallelen zwischen Greta Thunberg, dem Bußprediger Savonerola und Maos Kulturrevolution und denkt an überzogene Phantasterei. Auf den zweiten Blick sieht es allerdings schon anders aus. Leider.

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Der mittelalterliche Bußprediger Savonerola erließ Vorschriften in Florenz, die in ihrer Schärfe und Strenge, verbunden mit Freiheitseinschränkungen, an Forderungen der neuen "Klimakirche" erinnern. Wo formiert sich Widerstand?
© Archiv

Die Klimabewegung huldigt dem Alarmismus und sucht immer wieder auf Neue nach Superlativen. Man denke nur an die Abwandlung des Horror-Vokabulars, das mit dem angeblich menschengemachten  "Klimawandel" begann. Der Begriff war wohl zu harmlos, also kehrte man das "Global Warming" hervor. Diese Begrifflichkeit hat zuletzt aber auch wieder abgedankt, weil sie der Bevölkerung wohl zu wenig einheizte. Zudem ist es ja in manchen Modellen der "Klimaforscher" denkbar, dass es trotz steigender Durchschnittstemperaturen in manchen Regionen auch kälter werden könnte.

Flugs wurde also die "Klimakrise" (ist immer wirkungsvoll und erinnert an Wirtschafts- und Finanzkrisen) und die "Klimakatastrophe" (hoffentlich noch angsteinflößender) als Atout aus dem Ärmel gezogen, um sein Ziel zu erreichen: nämlich den Bürgern Angst zu machen und sie weich zu klopfen für Maßnahmen, die samt und sonders auf eine Einschränkung ihrer Freiheit  hinauslaufen.

Herrschende Elite braucht ein Volk in Angst
Der Nanny- und Gouvernantenstaat lässt grüßen. Wenn Nudging nichts mehr hilft, werden andere Saiten aufgezogen: Der rigide Ver- und Gebotskatalog steht vor der Türe. Da fällt einem als jemand, der noch die Segnungen des alten, von Gender-Ga-Ga und anderen pädagogischen, postmodernen Blüten befreiten Bildungskanons durchlief, Tacitus berühmter Ausspruch ein: "Bedrohlich ist das Volk für die Herrschenden, wenn es ohne Furcht ist." Dem versuchen Politik im Schulterschluss mit den Mainstream-Medien mit geballter Macht entgegenzuwirken. Neue Steuern und Abgaben werden ventiliert, die Politik überbietet sich hier förmlich an Kreativität, die man ansonsten schmerzlich vermisst.

Die Taktik scheint zu greifen
Wer Auto fährt, hat sich zu genieren, wer noch fliegt, dem steht die Flug-oder Reisescham gut zu Gesicht, von der er sich durch eine Spende je nach CO2-Ausstoß "loskaufen" kann. Das erinnert an den mittelalterlichen Ablasshandel. Wer noch Fleisch isst und Lederschuhe trägt, muss sich vom eigenen Nachwuchs, der perfekt in der Schule von Montag bis Donnerstag - Freitagsunterricht fällt ja wegen der "Fridays for Future"-(FFF)-Bewegung aus - indoktriniert wurde, tadeln lassen. Man habe gefälligst vegan zu essen und sich auf ein Heuschreckensteak als Eiweißbombe 2.0 zu freuen. 

Historisch unliebsame Parallelen tun sich auf 
Die Spaltung der Gesellschaft durch das Aufhetzen der jungen Generation gegen ihre Eltern und Großeltern kennen wir aus Maos Kulturrevolution, die für viele Ältere tödlich endete. Der im ausklingenden 15. Jahrhundert tätige Bußprediger Savonerola wetterte nicht nur gegen  kirchliche Missstände (dies zu Recht), sondern auch gegen Reichtum, ungerechte Herrschaft und die Ausrichtung des zeitgenössischen Renaissance-Humanismus an Idealen der Antike. Zur Erinnerung: Anfang Februar 1497 ließ Savonarola große Scharen von Jugendlichen und Kindern durch Florenz ziehen, die „im Namen Christi“ alles beschlagnahmten, was als Symbol für die Verkommenheit der Menschen gedeutet werden konnte. Dazu zählten nicht nur heidnische Schriften (oder solche, die von Savonarola dazu gezählt wurden) oder pornographische Bilder, sondern auch Gemälde, Schmuck, Kosmetika, Spiegel, weltliche Musikinstrumente und -noten, Spielkarten, aufwendig gefertigte Möbel oder teure Kleidungsstücke. Teilweise lieferten die Besitzer diese Dinge auch selbst ab, sei es aus tatsächlicher Reue oder aus Angst vor Repressalien. Am 7. Februar 1497 und am 17. Februar 1498 wurden all diese Gegenstände auf einem riesigen Scheiterhaufen auf der Piazza della Signoria verbrannt. Gretas Bewegung läuft Gefahr, nicht zuletzt infolge der sie instrumentalisierenden Strippenzieher im Hintergrund in ähnliches Fahrwasser zu geraten. Wenn man sich Transparente der FFF-Demos mit ihren oft abstrusen Forderungen ansieht, kommt man nicht umhin, Parallelen zu der sich selbst geißelnden mittelalterlichen Gesellschaft an der Schwelle zur Neuzeit erkennen.

Verloren gegangene Diskussionskultur
Klimaskeptiker - also solche, die den menschengemachten Klimawandel bezweifeln oder ablehnen - werden ins rechte Eck gestellt ("Klimarassisten"), die Diskussion wird verweigert, denn die Klimajünger wissen ja, dass sie Recht haben. Medien machen hier willfährig mit, Meldungen wie zuletzt jene vom Juni 2019, in der sich italienische Wissenschafter gegen Klima-Alarmismus wenden, werden ausselektiert und finden nicht mehr den Weg zum Bürger (Eine Übersetzung findet sich hier). 

Postmoderne Ersatzreligion in einer glaubenslosen Gesellschaft
Der Anteil der Atheisten und Agnostiker in der modernen westlichen Gesellschaft nimmt zu. Doch die Menschen, die sich vom angeblichen Joch alter Glaubensinhalte befreit haben, halten es ohne Ersatzreligion offensichtlich meist nicht aus: Ein Ersatz muss her - je strenger, desto besser. Neben Sekten können das Marx und Mao sein - und das, obwohl der reale Sozialismus kolossal gescheitert ist. Oder neuerdings eine immer militanter werdende "Klimakirche" mit ihren Nebenvarianten wie militantem Umwelt- und Tierschutz. Der an Heiligenverehrung grenzende Hype um Greta Thunberg passt da voll ins Bild. Dass die etablierten Kirchen selbst auf den Klimazug aufspringen, zeugt nicht gerade von Standfestigkeit, sondern von einem billigen Sich-Anbiedern an den Zeitgeist. Man will offensichtlich gefallen.

Neutralität ist kein Ausweg
Nicht Stellung zu beziehen und sich aus der Diskussion herauszuhalten, ist wohl auch der falsche Weg, besteht doch die Gefahr, fremdbestimmt zu werden. Erinnert sei nur an Dante Alighieris Ausspruch: "Der heißeste Platz der Hölle ist für jene bestimmt, die in Zeiten der Krise neutral bleiben." Und wenn wir uns auch vielleicht in keiner Klimakrise befinden, dann jedenfalls in einer Gesellschaft - und Autoritäts-Krise, wo etwa der freitägliche Schulbesuch neben der äußeren und inneren Sicherheit nicht mehr rigoros durchgesetzt werden kann. 

Stimmungswandel?
Weist uns die Geschichte den Weg? Savonarola wurde jedenfalls vor einer riesigen Menschenmenge zunächst gehängt und dann verbrannt. Dies geschah auf der Piazza della Signoria und damit demselben Platz, auf dem er zuvor das „Fegefeuer der Eitelkeiten“ hatte veranstalten lassen. Eine Umkehr - wenngleich hoffentlich weniger radikal - erscheint auch heute noch möglich. 

Klare Sicht und Handeln ist gefragt
Vernunft und Diskussionskultur wieder einkehren zu lassen gemäß dem alten Grundsatz "audiatur et altera pars" sich Argumente und Gegenargumente anzuhören, wäre ein moderner Ansatz - und die Klimabewegung als das zu erkennen, was sie im Kern wirklich ist, wenn man sich die Sicht durch ein Mädchen mit Asperger-Syndrom, das die Gesellschaft leiden sehen will, nicht verstellen lässt: eine Fortsetzung der Agitation der 68er-Bewegung mit anderen Mitteln, um die Gesellschaft zu erschüttern und möglichst radikal zum Vorteil der Revolutionäre zu verändern. (kb)

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